Konjunktur Wie der Ukraine-Krieg bereits den Welthandel bremst

Bereits wenige Tage nach Kriegsbeginn zeichnet sich ein massiver Einbruch des weltweiten Handels ab. Das hat das Kieler Weltwirtschaftsinstitut berechnet.
Massiver Einbruch: Auswirkungen des Kriegs auf den Welthandel zeigten sich bereits im Februar

Massiver Einbruch: Auswirkungen des Kriegs auf den Welthandel zeigten sich bereits im Februar

Foto: Axel Heimken/ dpa

Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine erfolgte am 24. Februar. Doch der internationale Handel stand offenbar schon länger im Bann des möglichen Krieges. Das zeigen die neuen Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. "Bereits Mitte Februar zeichnete sich ein schwächerer Monat ab, die Sanktionen gegen Russland verstärken diesen Trend", sagt der Kieler Ökonom Vincent Stamer.

Im Februar brach der Welthandel nach Berechnungen des Instituts um 5,6 Prozent gegenüber dem Vormonat ein. Obwohl der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erst in der letzten Februarwoche eskalierte, hat offenbar schon die Unsicherheit im Vorfeld den Handel nachhaltig beeinträchtigt. Hinzu kamen dann die vermehrte Warenkontrollen zur Einhaltung der Sanktionen und die Maßnahmen selbst.

Der Handel ging dabei in fast allen relevanten Volkswirtschaften zurück. In Deutschland dürften nach den Berechnungen der Kieler Ökonomen deutlich weniger Waren ein- und ausgeführt worden sein. Die Importe sanken um 3,9 Prozent, die Exporte um 3,8 Prozent. Für die EU zeichnen sich ebenfalls Rückgänge bei den Importen (-1,6 Prozent) und bei den Exporten (-2,8 Prozent) ab.

Für ihre Berechnungen erfassen die Forscher an- und ablegende Schiffe in 500 Häfen weltweit. Zudem werden nicht nur die Schiffsbewegungen in 100 Seeregionen analysiert, sondern dabei auch die effektive Auslastung der Containerschiffe anhand des Tiefgangs gemessen.

Sanktionen zeigen früh Wirkung

Besonders stark brach der Handel mit Russland ein. Das Land exportierte im Februar 11,8 Prozent weniger Waren als im Januar – allein im Hafen von St. Petersburg wurden im Februar 17 Prozent weniger Güter als im Vormonat verschifft. Bei den russischen Importen stellten die Forscher dagegen im Februar zunächst nur mit einen verhaltenen Rückgang um 1,6 Prozent fest.

"Die Gemengelage im russischen Handel ist unübersichtlich, aber ganz offenbar zeigen die vom Westen verhängten Sanktionen Wirkung. Allein aus Unsicherheit über die Bezahlung dürften russische Exporteure vermehrt Güter zurückhalten", sagt Stamer. Große Reedereien hätten zwar den Stopp ihrer Lieferungen nach Russland verkündet – doch betrifft das nur neue Buchungen. "Alte Buchungen werden, sofern diese nicht gegen Sanktionen verstoßen, derzeit noch planmäßig nach Russland verschifft."

Die Ukraine ist dagegen weitestgehend vom internationalen Seehandel abgeschnitten. Der Schwarzmeerhafen Odessa, der wichtigste Hafen des Landes, wird seit dem Kriegsausbruch praktisch nicht mehr angelaufen. Genaue Zahlen fehlen, die Kieler Forscher erfassen das Land derzeit nur im Verbund der übrigen Mitglieder der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) ohne Russland.

Der Güterhandel dürfte sich weiter reduzieren

Der Schock des Krieges wird höchstwahrscheinlich noch einen weit drastischeren Einfluss auf den globalen Handel haben, als es sich im Februar schon abzeichnete. "Diese Zahlen geben einen ersten Vorgeschmack auf die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges. In den kommenden Monaten dürfte sich der Güterhandel zwischen der EU und Russland aufgrund der Sanktionen, der Unsicherheit, aber auch freiwilligen Einschränkungen durch Unternehmen und Bevölkerung deutlich reduzieren", sagt Stamer. Vermehrte Zollkontrollen, um die Einhaltung der Sanktionen gegen Russland zu überprüfen, können demnach zusätzlich zu Verzögerungen im Handel führen.

hr