Protestaktion bei G20-Treffen Russischer Finanzminister spricht – Delegierte verlassen den Raum

Der Ukraine-Krieg überschattet das G20-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs. Als der russische Finanzminister das Wort ergreift, verlassen mehrere Delegierte aus Protest das Meeting – Finanzminister Christian Lindner bleibt.
Eine Reihe: Finanzministerinnen und -minister beim G20-Treffen in Washington

Eine Reihe: Finanzministerinnen und -minister beim G20-Treffen in Washington

Foto: HANDOUT / AFP

Delegierte mehrerer Länder haben das G20-Treffen in Washington wegen Russlands Teilnahme zeitweise verlassen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur und der Nachrichtenagentur Reuters verließen die Finanzministerinnen der USA und Kanadas, Janet Yellen und Chrystia Freeland, am Mittwoch den Raum, als der russische Ressortchef Anton Siluanow das Wort ergriff. Der deutsche Finanzminister Christian Lindner dagegen sei geblieben, ebenso wie die übrigen Amtskollegen der G7-Staaten, hieß es. Die Gruppe habe stattdessen auf den Redebeitrag des Russen geantwortet.

Das Treffen fand teils virtuell, teils vor Ort am Rande der IWF-Frühjahrestagung statt. Die Kanadierin Freeland schrieb auf Twitter: "Russland sollte an diesen Treffen nicht teilnehmen oder einbezogen sein." Dazu stellte sie ein Foto aller Teilnehmer, die die Sitzung aus Protest verlassen hatten – neben ihr und Yellen waren darauf unter anderem auch die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, sowie ihr US-Kollege Jerome Powell zu sehen. Auch der als Gast eingeladene ukrainische Vertreter hatte die Sitzung verlassen.

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Bundesfinanzminister Lindner (FDP) äußerte sich zunächst nicht konkret zu dem Treffen. Er hatte zuvor eine klare Antwort der G20 auf Russland gefordert und dem Land die alleinige Schuld für die aktuellen, weltweiten ökonomischen Probleme gegeben. Es könne keine Rückkehr zur gewohnten Form des Austauschs mit Russland und Präsident Wladimir Putin geben, solange dieser seine Truppen in der Ukraine nicht abziehe. Bei der IWF-Tagung und den Gesprächen der G20-Finanzminister werde man Russland keine Bühne bieten, um Propaganda und Lügen zu verbreiten.

Auch EZB-Chefin Lagarde verließ die Sitzung

Kristalina Georgiewa, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), sprach von einem schwierigen Moment für die G20-Gruppe, die in den vergangenen Jahren bei der Antwort auf die globale Finanzkrise und zuletzt die Corona-Pandemie eine wichtige Rolle einnahm. Die Zusammenarbeit müsse aber weitergehen.

Indonesien hält derzeit den Vorsitz der G20-Gruppe. Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati sagte nach dem Treffen in Washington, das Verlassen des Raums durch einzelne Mitglieder sei nicht überraschend gewesen und habe für die Beratungen "kein Problem" dargestellt. Trotz der Verurteilung der russischen Invasion seien sich die Mitglieder einig, dass die multilaterale Zusammenarbeit im Rahmen der G20 weiterhin wichtig sei. Die G20 seien ein "sehr wichtiges Forum" für Themen, die von systemischer Bedeutung für die Weltwirtschaft seien.

Russland ist Mitglied der G20 und war auch zu dem Treffen in Washington eingeladen. Wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine gibt es Forderungen, Moskau auszuschließen. Nach dem Treffen der Ministerinnen und Minister gab es daher keine gemeinsame Abschlusserklärung.

Lindner bei IWF-Meeting positiv auf Corona getestet

Finanzminister Lindner ist nach dem G20-Treffen bei der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwochabend (Ortszeit) aus dem Umfeld des FDP-Chefs.

Später schrieb Lindner bei Twitter: "Nach zwei Jahren ohne Covid19-Infektion, gestern einem negativen Ergebnis im Testzentrum und heute einem negativen Schnelltest: positiv." Er fügte hinzu, "Dank dreier Impfungen" habe er "nur leichte und wieder abklingende Erkältungssymptome."

Ob Lindner am Donnerstag wie geplant mit der Regierungsmaschine zurück nach Berlin reisen würde, blieb zunächst offen.

rei/dpa-afx/Reuters