Wie Trump Wirtschaftspolitik machen würde Make Europe small again

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump verspricht den Amerikanern, ihr Land zu alter Größe zurückzuführen. Wirtschaftspolitisch heißt das, andere klein zu machen. Als Präsident hätte er die Macht dazu. Und Europa erschreckend wenig entgegenzusetzen.
Von Markus Schön
Donald Trump in Siegerpose

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Wenn Donald Trump über die US-Wirtschaft redet, spricht er vor allem über alte Stärken. Er will Amerika durch eine auf Kohle basierende Energiepolitik und die Stärkung der Stahlproduktion wieder "großartig" machen. Die Produktion ist in den vergangenen Jahren zu großen Teilen nach Asien und Südamerika abgewandert, um dem zunehmenden Kostendruck zu begegnen. Aber auch dafür bietet Donald Trump eine Lösung: Mit einem im Zeitalter der Globalisierung bisher unbekannten Ausmaß an Protektionismus will er die USA schützen und sie nicht nur gegen Einwanderer, sondern auch gegen Importe nahezu hermetisch abriegeln.

Nur: Geht das überhaupt? Könnte ein Präsident Trump die Globalisierung zurückdrehen?

Die vor allem für Europa beunruhigende Antwort lautet: ja. Die USA sind nicht nur die größte, sondern die wahrscheinlich am breitesten diversifizierte Volkswirtschaft der Welt. Daher könnte sie theoretisch tatsächlich autark funktionieren.

Es gibt kein aus Europa, Asien oder Australien importiertes Produkt, das die USA nicht selbst herstellen könnten. Zwar kann die dortige Qualität im Produktions- und Dienstleistungssektor vielfach im internationalen Vergleich nicht mithalten. Wenn man aber den Wettbewerb etwa mittels Einfuhrbeschränkungen ausschaltet, stellt dies kein größeres Problem dar.

Wie die USA die Weltwirtschaft beeinflussen können

Markus Schön
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Markus Schön ist Vermögensverwalter und Geschäftsführer der Schön & Co GmbH . Er hat mehrere Bücher geschrieben und 2007 die gemeinnützige Giving Tree Stiftung gegründet, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützt.

Und es gibt noch andere Mittel und Wege. Betrachtet man manche Entscheidung der US-Justiz, muss man sich die Frage stellen, ob im amerikanischen Rechtssystem tatsächlich immer die gleichen Maßstäbe angelegt werden. Beispiel Volkswagen: Sicher ist das Manipulieren von Abgaswerten ein schwerwiegendes Vergehen - mit ökologischen Versäumnissen hat es aber wenig zu tun. Bis heute kommt mehr als 50 Prozent der US-Energie aus teilweise technisch antiquierten Kohlekraftwerken. Trotzdem ist es den Amerikanern gelungen, die vergleichsweise saubere Dieseltechnologie, in der deutsche Innovationen führend sind, nahezu weltweit zu diskreditieren. Eine Energieeffizienz wie beim Diesel wird mit der Elektromobilität - auch ohne Berücksichtigung der Entsorgungsrisiken der hochgiftigen Batterien - auf Sicht vieler Jahre nicht erreicht werden. Dennoch wankt seit dem VW-Skandal die für Deutschland existenziell wichtige Automobilindustrie. Und das in einer Zeit, in der die Zukunft Europas auf vielen Ebenen infrage steht.

Zudem verfügen die USA über einige scharfe Instrumente, die Weltwirtschaft zu beeinflussen: den US-Dollar als globale Leitwährung, eine mutige Notenbank, die über ihre Zinspolitik die weltweiten Geldströme steuern kann - und Strafzahlungen, die für ausländische Unternehmen existenzbedrohende Größenordnungen erreichen können. Sie sind ein Mittel der Wirtschaftspolitik, wie Trump es nicht besser hätte erfinden können.

Das war und ist bei Volkswagen  zu erleben. Gegen den deutschen Autobauer will neben der staatlichen Umweltbehörde nun auch die Investmentgesellschaft Blackrock als Anleger erhebliche Forderungen geltend machen. Wenn schon Barack Obamas Motto "Buy American" 2009 aus europäischer Sicht kritisch zu sehen war, was soll man dann erst zur Strategie Donald Trumps sagen, die sich als "USA only" zusammenfassen ließe?

Deutsche Bank unter Beschuss der US-Justiz?

Schließlich richtet sich auch die nächste Milliardenforderung aus den USA gegen ein deutsches Unternehmen: die Deutsche Bank  - das letzte weltweit bedeutende, aber eben nicht angelsächsische Kreditinstitut. So sehr man die Auswüchse im Investmentbanking der Deutschen Bank kritisieren mag, so wichtig ist es für die exportorientierte deutsche Industrie, einen internationalen Finanzierungspartner zu haben, der die Denkweise deutscher Konzerne und mittelständischer Unternehmen versteht.

Trotz der in Deutschland - anders als in vielen anderen Volkswirtschaften - verbreiteten Strategie, Refinanzierung durch klassische Bankkredite vorzunehmen, ist es der Deutschen Bank lange gelungen, weltweit der größte Anleihehändler zu sein. Die unverhältnismäßig hohe Strafandrohung von 12 Milliarden Euro erweckt den Eindruck, die US-Justiz wolle auf diese Weise Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Bank bewusst schwächen.

Groß werden, indem man andere klein macht

Unter einem Präsidenten Donald Trump könnten die USA die Strategie verfolgen, groß zu werden, indem man andere klein macht. Make Europe small again. Dies könnte als nächstes Bayer in den Fokus rücken. Der deutsche Chemie- und Pharmakonzern hat sich mit der geplanten Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto  stark exponiert. Die Übernahme allein bietet eine derartige Angriffsfläche für die US-Justiz, dass man die Entscheidung von Bayer  mindestens als mutig zu bezeichnen kann.

Durch die wachsende Bedeutung ihrer Branchen erscheinen auch der deutsche Technologiekonzern SAP und die durch ihre Tochtergesellschaft in den USA dort recht bedeutende Deutsche Telekom als lukrative Ziele für politisch nicht unerwünschte Angriffe der US-Justiz. Schließlich bewegen sich beide Konzerne wie VW oder die Deutsche Bank  in Feldern, die langfristige von hoher Bedeutung sind und zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands beitragen.

Zwar ist die Ausgangsbasis für SAP  und Telekom eine andere, da die USA in der Telekommunikation und im IT-Sektor wesentlich wettbewerbsfähiger sind als Deutschland. Umso leichter wäre es aber, unerwünschte Wettbewerber auszuschalten. Der einzig wirksame Schutz davor wäre, die Geschäftsaktivitäten in den USA einzustellen. Und damit genau die Verhältnisse zu befördern, die Donald Trump für die USA anstrebt.

Natürlich kann dies keine gute Lösung sein. Die Vorteile einer globalisierten Welt überwiegen ihre Nachteile, weil sie mehr Chancen eröffnet, als nur den wirtschaftlichen Nutzen zu maximieren. Aber genau an dieser Stelle zeigt Europa derzeit erhebliche Schwächen und bietet keine Lösungen für die aktuelle Probleme an. Die tiefgreifende Krise der Europäischen Union ist vor allem auf die Selbstverständlichkeit zurückzuführen, mit der man in Europa Frieden und Freiheit betrachtet und sie als dauerhaft gegeben ansieht. Historisch ist dies aber gerade nicht der Normalzustand, weshalb die europäischen Werte weit mehr sind als ein gemeinsamer Wirtschafts- und Währungsraum. Es wird Zeit, dies wieder in den Vordergrund zu rücken - und eine attraktive Alternative zur politischen Agenda Donald Trumps zu entwerfen.

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Markus Schön ist Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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