Höhere Inflation, höhere Zinsen Trumps vergiftetes Geschenk an Janet Yellen

Trump, Yellen: Endlich mal ein Konjunkturprogramm - doch das könnte auch die Inflation wecken

Trump, Yellen: Endlich mal ein Konjunkturprogramm - doch das könnte auch die Inflation wecken

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Donald Trump hat Janet Yellen während des Wahlkampfes scharf kritisiert - die Chefin der US-Notenbank keilte zurück und verbat sich jede Einmischung in die Geldpolitik. Nach ihrem heftigen Schlagabtausch könnten Trump und Yellen jedoch bald zusammenrücken: Trump ist schließlich drauf und dran, einen der größten Wünsche der Fed-Chefin zu erfüllen.

Yellen geht es wie ihrem EU-Kollegen Mario Draghi zunehmend auf die Nerven, dass die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik und niedrigen Zinsen für die Regierungen immer neue Zeit kaufen, die politisch Handelnden aber ihren Anteil schuldig bleiben. "Fiskalpolitik sollte eine Rolle spielen, um Wachstum zu stimulieren", sagte Yellen im Sommer vor dem US-Kongress. Sprich: Auch der Kongress sollte sich endlich dazu durchringen, durch finanzpolitische Maßnahmen das Wachstum zu stärken.

Unter Präsident Obama verlegte sich die republikanische Mehrheit noch aufs Blockieren - nun, unter Präsident Trump, ist der Weg frei für eine aktive Fiskalpolitik. Die US-Notenbank, so scheint es, ist nicht mehr allein. Schon wenige Wochen nach Weihnachten könnte Trump Yellens lang gehegten Wunsch nach einem Konjunkturprogramm erfüllen.

Trump will Milliarden für den Straßenbau investieren und nebenbei die Steuern senken. Seine Parteifreunde im Kongress dürften dieses Fiskalpaket ohne Zögern durchwinken, schließlich hat Trump 25 Millionen neue Jobs versprochen. Während Obamas Pläne wieder und wieder am Widerstand des Kongresses zerschellten, fährt Trump nun die großen Maschinen auf.

Die US-Notenbank war jahrelang der einzig handlungsfähige Akteur. Kann sie sich nun entspannt auf den Rücksitz zurückziehen und den Job des Konjunktur-Ankurbelns der Politik überlassen? "

Wir erleben einen fundamentalen Wechsel. Künftig wird nicht mehr die Geldpolitik der Notenbanken, sondern die Fiskalpolitik der US-Regierung die entscheidenden Impulse geben", sagt Joe Duran, Ökonom der Finanzfirma United Capital, gegenüber CNN .

Wechsel von Geldpolitik zu Fiskalpolitik: Inflationsrisiko steigt

Doch auch in dieser neuen Welt wird sich die Fed nicht entspannt zurücklehnen können. Zu groß ist die Gefahr, dass Trumps schuldenfinanziertes Ausgabenprogramm die Inflation viel stärker antreibt als gewünscht. Bereits im Dezember wird die US-Notenbank wahrscheinlich die Zinsen behutsam erhöhen - es wäre erst die zweite Erhöhung seit der Zinswende der Fed im Dezember 2015.

Das Risiko, dass die Inflation im Jahr 2017 deutlich stärker ansteigt als gewünscht, sei mit der Wahl Trumps deutlich gestiegen, sagt Gus Faucher, Ökonom bei PNC Financial. Gut möglich, dass die Fed deshalb auf einen Zinsschritt im Dezember im kommenden Jahr noch weitere, rasche Zinserhöhungen folgen lässt. Eine steigende Inflation hilft Trump, die immense Staatsverschuldung der USA klein zu rechnen - in kurzer Zeit rasch ansteigende Zinsen sind an den Börsen jedoch noch nicht eingepreist und dürften zu Turbulenzen an den Finanzmärkten führen.

Eine Serie von Zinserhöhungen im Jahr 2017 dürfte Präsident Trump, der bis Mitte 2018 vier Notenbank-Posten neu besetzen wird, nicht gefallen - schließlich dämpfen stark steigende Zinsen das Wachstum.

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Das Verhältnis zwischen Trump und Yellen dürfte also angespannt bleiben, trotz Trumps Antrittsgeschenk. Und Anleger dürften mit Sorge beobachten, wie sich die beiden in Zeiten einer anziehenden Inflation und steigender Zinsen miteinander arrangieren.

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