Wie ist der kommende US-Präsident wirklich? Ich kenne Trump persönlich - er verdient eine Chance!

Von Volker Heun
Unser Autor hat Trump vor Jahren als Geschäftsmann getroffen - und war beeindruckt. Sein Vorschlag: Geben wir ihm eine Chance - und urteilen anschließend.
Donald Trump beim Golfspielen in Schottland

Donald Trump beim Golfspielen in Schottland

Foto: REUTERS
Volker Heun
Foto: Volker Heun

Volker Heun arbeitete lange für die Deutsche Bank in den USA und berät heute internationale Fußballinvestoren. Mit "Assetklasse Fussball" hat er ein Handbuch für Investoren und Fans geschrieben, das einen Blick hinter die Kulissen des Big Business im Fußball gewährt. Das Buch jetzt bei amazon bestellen. 

An dem Tag, an dem ich Donald Trump kennenlernte, war die weltweite Hysterie um seine Person noch weit weg. Trump war noch nicht Präsidentschaftskandidat der Republikaner und hatte auch noch keine Ambitionen in diese Richtung öffentlich gemacht. Er wurde mir von einem gemeinsamen Geschäftsfreund vorgestellt, und wir verbrachten einen ganzen Tag zusammen. Ich arbeitete damals für die Deutsche Bank in Florida, wir spielten eine Runde Golf auf seinem beeindruckenden Golfplatz und Business Club Mar a lago in Palm Beach. Anschließend saßen wir noch lange zusammen und sprachen über viele verschiedene Themen.

Auch damals in unseren Gesprächen wurde mir rasch klar: Trump hat teilweise sehr eigenwillige Ansichten, die man nicht zwingend teilen muss. Aber das Bild des rücksichtslosen Egomanen und politischen Hasardeurs, das derzeit überall von ihm gezeichnet wird, passt so gar nicht zu dem Eindruck, den er an diesem Tag auf mich machte.

Trump ist ein exzellenter Golfer mit einem einstelligen Handicap und - wen wundert's? - äußerst ehrgeizig. Zu dieser Zeit war mein Golf eher, naja, sagen wir stark verbesserungsfähig. Trump und mein Geschäftsfreund nahmen mir jedoch die Angst, zu hoch zu verlieren und gaben mir den besten Caddy des Clubs. Ich spielte die bis dahin beste Runde meiner Golf-Karriere, trotzdem hatte ich gegen meine beiden Kontrahenten nicht den Hauch einer Chance.

Der künftige US-Präsident zeigte sich damals höflich und zuvorkommend, ganz anders, als er in den vergangenen Monaten im Wahlkampf auftrat. Man muss seine Art, zu polarisieren und zu provozieren, nicht mögen; seine rassistischen und sexistischen Aussagen sind abstoßend. Aber wir alle müssen die Entscheidung des amerikanischen Volkes akzeptieren. Ob sie uns passt oder auch nicht.

Derzeit überwiegt weltweit als Reaktion auf Trumps Wahlerfolg eine Art Weltuntergangsstimmung. Meiner Meinung nach ist diese Angst völlig überzogen. Ich denke, es ist eher das Ungewisse, das vielen Sorgen macht. Wer ist dieser Typ? Wofür steht er wirklich?

Trump ist ein - zumindest nach amerikanischen Kategorien - sehr erfolgreicher Geschäftsmann. In unserem Gespräch wirkte er auf mich klar und strukturiert, es wurde aber auch deutlich, dass er im Geschäftlichen stark auf Berater setzt, von denen er absolute Exzellenz verlangt, und auf seine Familie.

Natürlich hat er sich viele Feinde gemacht. Aber haben nicht alle erfolgreichen Menschen Feinde oder Neider?

Trump hat auch schlechte Zeiten erlebt, Insolvenzen inklusive. Aber er ist immer wiedergekommen. Er ist ein Stehaufmännchen, er kennt keine Angst und hat ein enormes Durchhaltevermögen.

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Und nun hat dieser Mann es sich zur Aufgabe gemacht, die USA in ihrem Inneren zu stärken, endlich beispielsweise die marode Infrastruktur zu sanieren. Er will mehr für das eigene Land tun und nicht mehr die Weltpolizei sein. Die USA haben sich in den vergangenen Jahren in etliche Kriege und Konflikte verstrickt. Und viele Amerikaner sehen nicht, welche Vorteile dies ihrem Land gebracht haben soll.

Ja, die US-Politik wird unter Trump anders werden, insbesondere auch in der Zusammenarbeit mit anderen Staaten, also in der Außenpolitik. Für Deutschland wird es teuer werden, denn Trump wird Deutschland mehr in die Verantwortung nehmen. Und er wird den Dialog mit Putin suchen. Aber was soll daran so schlimm sein? Nur wenn man miteinander reden kann, kann man auch die Probleme lösen.

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Trump wird versuchen, Amerika wie eine Firma zu regieren. Wir alle wissen nicht, was das Ergebnis sein wird. Aber warum sollte ein erfolgreicher Unternehmer nicht auch für die USA oder für die Welt richtige Entscheidungen treffen und gute Dinge tun können?

Die amerikanischen Wähler haben das politische Establishment in Washington abgestraft. Es ist mitnichten nur die weiße Unterschicht, die Trump gewählt hat, sehr viele Stimmen kommen auch aus anderen Lagern, den Gebildeten, den Besserverdienenden. Sie haben Trump beauftragt, ein anderes Amerika zu formen. Ein besseres.

Wird ihm das gelingen? Das kann derzeit niemand sagen. Wir werden es sehen. Aber Trump hat eine faire Chance verdient. Ich habe ihn persönlich kennengelernt als einen engagierten und couragierten Mann und nicht als Monster, das jetzt so viele aus ihm machen.

Ich weiß nicht, ob Trump für die USA und die Welt der richtige Mann in diesem Amt ist. Aber darüber sollten wir nicht vorschnell urteilen. Geben wir ihm, jetzt da er demokratisch gewählt ist und sich, bei aller Machtfülle, glücklicherweise in einem System von checks and balances befindet, genügend Zeit. Und urteilen wir dann.

Anmerkung der Redaktion: Die Deutsche Bank ist ein großer Kreditgeber für den Geschäftsmann Trump und war es auch schon, als Heun für die Deutsche Bank arbeitete. Heun traf Trump aber privat.

Volker Heun, ehemaliger Banker, berät Fußball-Investoren und ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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