Künftiger US-Präsident Trump kann die Eiszeit überwinden

Macht Donald Trump wahr, was er angekündigt hat, kann er die USA aus der Eiszeit führen - und den Euro in die finale Krise stürzen. Beides wäre letztlich gut.
Donald Trump

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Viel wurde geschrieben und gejammert über den Wahlsieg von Donald Trump. Blickt man auf sein Wahlprogramm muss man nüchtern festhalten, dass es der bis jetzt beste Vorschlag ist, die ökonomische Eiszeit - säkulare Stagnation genannt - in der westlichen Welt zu überwinden. Das scheinen auch seine Anhänger zu hoffen, die schon vor der Wahl nüchtern auf seine anderen Wahlversprechen schauten, jedoch ihre wirtschaftliche Lage nicht mehr länger akzeptieren wollten.

Wie immer wieder an dieser Stelle erläutert, haben wir zwar seit 2009 eine neue globale Depression verhindert, in dem wir Geld noch billiger und noch mehr Schulden gemacht haben. Doch diese Medizin kann nicht heilen. Im Gegenteil sieht es überall schlechter aus als 2009: die Schulden sind höher, das Wachstum bleibt schwach und die Vermögenswerte lösen sich immer mehr von der realwirtschaftlichen Realität.

Auch in den USA, die verglichen mit uns in Europa noch deutlich besser dastehen, ist diese realwirtschaftliche Realität trübe. So ist die offizielle Arbeitslosenquote zwar sehr gering, die Erwerbsbeteiligung von Männern und Frauen im Alter zwischen 25 und 54 liegt allerdings auf den tiefsten Stand seit dem zweiten Weltkrieg. Und auf die kommt es letztlich an. Kein Wunder, dass das Medianeinkommen der US-Haushalte auf dem Niveau des Jahres 2000 liegt, während die Lebenshaltungskosten, gerade auch für Bildung und Gesundheit, explodiert sind. Zeitgleich stieg der Anteil der Top 1 Prozent an den Vor-Steuereinkommen auf einen Rekordstand von 18 Prozent und die Vermögenswerte gingen Dank der Rettungspolitik der Fed durch die Decke. Angesichts dieser Fakten sollte jeder verstehen, dass die Amerikaner einen Wechsel wollten. Eine neue Politik.

Eine neue Politik

Diese neue Politik scheint Trump in der Tat umzusetzen. Ein massives Investitionsprogramm in Infrastruktur im Volumen von einer Billion US-Dollar und Steuersenkungen dürften eine erhebliche Wirkung auf Beschäftigung, Löhne und damit auch Inflation in den USA haben. Ein solcher Konjunkturaufschwung würde mehr Leute in Arbeit bringen und zugleich die Schuldenlast der privaten Haushalte tragbarer machen. Kombiniert Trump dies mit einer Steuersenkung für die im Ausland gebunkerten Gewinne der US-Konzerne könnte er einen Teil des Programmes aus diesen Erlösen finanzieren, den Rest dürfte er trotz des Zinsanstiegs der letzten Wochen am Kapitalmarkt bekommen - im Zweifel von der Fed.

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Damit setzt Trump genau die Politik um, die bisher von linken Nachfrageökonomen wie Paul Krugman und Larry Summers gefordert wird. Ein zunehmender Protektionismus ist übrigens logisch konsistent: Beginnen die US ein derartiges Programm der Konjunkturstimulierung würde dies zu einem erheblichen Anstieg der Nachfrage und damit des Handelsdefizites führen. Ein guter Teil des Programmes würde also nicht US-amerikanischen Firmen und Arbeitern nutzen, sondern deutschen und chinesischen. Aus diesem Blickwinkel sind Strafzölle ein Weg, die Wirkung der Stimulation mehr auf die USA zu fokussieren.

Selber Schuld wenn ihr nichts macht

Natürlich ist es besser den Freihandel zu erhalten und nicht in eine Welle des gegenseitigen Protektionismus einzusteigen. Doch ganz verdenken kann man es Trump nicht - so er denn die Sache so integriert betrachtet wie hier dargelegt. Weshalb sollen die USA alleine die Hausaufgaben für die Welt machen? Würden die Europäer zeitgleich wie die USA ein ähnliches Konjunkturprogramm auflegen, würden auch sie entsprechend die Nachfrage steigern und neben mehr Exporten in die USA auch ihrerseits mehr importieren, wäre es aus Sicht der USA nicht erforderlich protektionistisch zu handeln.

Die Regionen würden sich gleichgewichtig entwickeln und deutlich besser, als wenn es nur eine Region macht. Da dies jedoch höchst unwahrscheinlich ist, angesichts der Struktur der EU und des Euroraumes und der stark unterschiedlichen Interessen der einzelnen Regierungen, ist es aus Sicht der USA nur konsequent auf die eigenen Interessen zu schauen.

Protektionismus ist das logisch konsistente Gegenstück zu einem einseitigen massiven Konjunkturprogramm. Ob uns das nun schmeckt oder nicht. Wollen wir Handelsbeschränkungen vermeiden, sollten gerade die deutschen Politiker aufhören den neuen Präsidenten zu beschimpfen und sich überlegen, was man den USA im Rahmen der Gespräche der kommenden Wochen anbieten sollte. Wie wäre es mit einem ähnlichen Konjunkturprogramm zu Aufrüstung der europäischen - gerade auch deutschen! (Straßen, Schulen, Breitband, ...) - Infrastruktur? Damit würde auch Europa endlich die Hausaufgaben machen und zumindest in einer Hinsicht, die ökonomische Eiszeit überwinden.

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Davon unbenommen bleiben die offenen Hausaufgaben im Bereich der Sanierung der Banken und der Restrukturierung der Schulden. Doch auch diese ließe sich bei besserer Konjunktur leichter bewerkstelligen und politisch umsetzen als in der heutigen Lage.

Der Druck auf den Euro wächst

Handelt Europa nicht, dürften die Auswirkungen des Programms der neuen US-Administration den Druck auf die Eurozone erhöhen. Sinken die deutschen Exporte aufgrund von Handelsbeschränkungen, wird die einzige funktionierende Volkswirtschaft weniger zum ohnehin schon geringen europäischen Wachstum beitragen. Sollte der US-Dollar sich abschwächen, wonach es bis jetzt allerdings nicht aussieht, würde das den Druck auf die Exporte aus der Eurozone weiter erhöhen. Damit blieben die Krisenländer Spanien, Portugal, Italien und Frankreich weiterhin in ihrer Dauerstagnation gefangen, die faulen Schulden würden immer weiter ansteigen und das Bankensystem noch fragiler als es ohnehin schon ist. Sollte ein von den US ausgehender Zinsanstieg auch auf Europa ausstrahlen, würde dies die Probleme der Schuldner weiter erhöhen.

Diese verschiedenen Szenarien sind inkonsistent und werden deshalb nur in bestimmten Kombinationen eintreten. Allen gemein ist jedoch, dass der Druck auf den Euro-Kessel steigt. Und damit die Wahrscheinlichkeit von politischen "Unfällen". Das Referendum in Italien, die Wahlen in Holland und Frankreich bieten die nächste Gelegenheit dazu. Doch selbst wenn diese aus dem Blickwinkel von EU und Euro noch glimpflich verlaufen sollten, dürfte spätestens bei einem sichtbaren Erfolg der Politik Trumps in den USA, ein breite Bewegung für einen Politikwechsel in der Eurozone einsetzen. Es käme zur finalen Krise des Euro welche die Politik des Spiels auf Zeit beenden würde. Die Politiker müssten entweder die Strukturprobleme in einem gemeinsamen Ansatz lösen oder aber einen Zerfall hinnehmen. So unangenehm dieses Szenario ist, es würde immerhin den letztlich unhaltbaren Ist-Zustand beenden.

Gerade wir Deutschen müssen uns dringend auf dieses Szenario einstellen: als Politiker, als Unternehmensführer und als Sparer.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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