Thomas Laubach Deutscher Ökonom bereitet Amerikas Zinswende vor

Fed-Präsidentin Janet Yellen stützt sich auf einen deutschen Volkswirt als ihren wichtigsten Angestellten. Der in Bonn und Princeton ausgebildete Thomas Laubach leitet die geldpolitische Abteilung der US-Notenbank. Die steht kurz vor dem komplizierten Abschied vom Nullzins.
Thomas Laubach: "Deutscher nur im Namen, nicht in der Politik", lobt US-Ökonom Adam Posen

Thomas Laubach: "Deutscher nur im Namen, nicht in der Politik", lobt US-Ökonom Adam Posen

Foto: Federal Reserve Board

Thomas Laubach sei "Deutscher nur im Namen, nicht in der Politik", kommentiert der Ökonom Adam Posen im Kurznachrichtendienst Twitter. Posen leitet das Peterson Institute for International Economics, zählt zu den gefragtesten Beratern von Zentralbanken weltweit und zu den Deutschland-Kennern unter den US-Wirtschaftsexperten. In den 90er Jahren schrieb er gemeinsam mit Laubach und dessen Doktorvater an der Eliteuni Princeton, dem späteren Fed-Präsidenten Ben Bernanke, Aufsätze über Geldpolitik.

Dass die Nationalität des neuen Leiters der geldpolitischen Abteilung der Federal Reserve überhaupt der Rede wert ist, liegt am wirtschaftspolitischen Streit der vergangenen Jahre. Während in Washington, London und Tokio immer neue außergewöhnliche Hilfen für die Konjunktur ersonnen wurden, legten sich die deutsche Politik, deutsche Ökonomen und besonders die Bundesbank regelmäßig quer - vor allem, wenn es darum ging, der maladen Eurozone zu helfen. "Deutsch" ist in diesem Zusammenhang gleichbedeutend mit "starrsinnig" geworden.

Nun steht also ein Deutscher auf "einem der mächtigsten Jobs in Washington, die keiner kennt", wie es Neil Irwin vom "New York Times"-Blog "The Upshot" beschreibt?

Tatsächlich hielt sich auch Laubachs Vorgänger William English stets im Hintergrund. Die weltbewegenden Entscheidungen über Zinsen oder Anleihenkäufe trifft der von Janet Yellen geführte Offenmarktausschuss aus politischen Beamten und regionalen Fed-Direktoren. Die geldpolitische Abteilung aber liefert - neben der Konjunkturabteilung, für die Laubach zuletzt arbeitete - dafür die entscheidende technische Vorarbeit.

Laubach hat sich dafür mit seiner bereits seit 1997 laufenden Fed-Karriere empfohlen. Yellen lobt ihn als "hoch angesehenen Ökonomen" und "verlässlichen Berater", der mehrere wichtige Politikentscheidungen mit seinen Analysen mit vorbereitet habe.

Ist Amerika wirklich reif für die Zinswende?

Ausgerechnet unter der geldpolitischen "Taube" Yellen, die seit Jahren besonders vehement dafür wirbt, Inflationssorgen im Kampf gegen die Krise hintanzustellen, bereitet die Fed die Zinswende vor. Erstmals seit 2006 will sie in diesem Jahr den Leitzins anheben, der seit sechs Jahren nahe null verharrt - unter dem Vorbehalt, dass der Aufschwung der US-Wirtschaft der Aufschwung der US-Wirtschaft tatsächlich so solide ist, wie es den Anschein hat.

Es ist eine komplizierte Entscheidung: Die ursprünglich vorgegebene Zielmarke einer Arbeitslosenrate von unter 6 Prozent hat die Fed beiseitegelegt, weil sie bereits vor einem Jahr erreicht wurde, und nach Fed-Ansicht andere Indikatoren immer noch auf Schwäche am Arbeitsmarkt deuten. Zudem ist die Inflation auch in den USA weiterhin niedriger als gewünscht. Aus Yellens Sicht spräche viel für Abwarten, bis die Wirtschaft wirklich brummt und die Inflationsrate eher über das Ziel hinausschießt. Andererseits hat die Fed den Markt lange auf die bevorstehende Zinswende vorbereitet.

Die Rolle unvollständiger Informationen in der Geldpolitik ist die Spezialität in Laubachs Forschung. Das dürfte ihm das Rüstzeug geben, Yellen und Co. zu beraten, wie die Fed ihre Politik nach außen kommunizieren soll, aber auch wie sie die richtigen Informationen für ihre Entscheidungen gewinnt. Vor allem am makroökonomischen Modell der Zentralbank hat Laubach mit Blick auf Zinsentscheidungen gefeilt. Laut einer im November veröffentlichten Studie  wäre die Zeit für den Abschied vom Nullzins bereits reif.

Zum Jahreswechsel präsentierte Laubach mit zwei Fed-Kollegen ein weiteres Papier , in dem sie die unorthodoxe Geldpolitik der Nullzinsphase - unter anderem die im Herbst beendeten massiven Anleihenkäufe - untersuchen. Deren Wirkung beschreiben sie als zwar begrenzt, aber durchaus positiv. Die Fed habe, obwohl ihr das wichtigste Instrument der Zinssetzung fehlte, die Arbeitslosenrate um 1,25 Prozentpunkte senken und die Inflationsrate um einen halben Prozentpunkt steigern können - wobei die volle Wirkung für den Aufschwung noch gar nicht eingetreten sei.

Deutscher ist Thomas Laubach durchaus mehr als nur dem Namen nach. Seinen ersten Abschluss als Diplom-Volkswirt hat er von der Bonner Universität, ab 2008 unterbrach er seine Fed-Karriere für drei Jahre als Professor in Frankfurt am Main. Beide Institutionen sind zwar Hochburgen der orthodoxen deutschen VWL-Szene, pflegen aber relativ starken Austausch mit der internationalen Debatte. Und Laubach hat die in Washington geforderte Flexibilität.