Donnerstag, 22. August 2019

Notenbankchef Thomas Jordan Der Hartgeld-Held von Zürich

Thomas Jordan: Radikaler Kursschwenk

Thomas Jordan hat die Märkte mit einem Coup geschockt. Der Schweizer Notenbankchef gibt die Euro-Bindung auf - und verkauft das als Schritt in die Unabhängigkeit.

Es mag ein Zeichen der Nervosität sein, dass ein leichtes Grinsen um Thomas Jordans Mundwinkel spielt, als er an diesem Donnerstagmittag in Zürich ans Rednerpult tritt. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank hat die Märkte kalt erwischt. Weltweit schimpfen Finanzexperten und Ökonomen über die Aufgabe der Franken-Euro-Bindung, in der Heimat schimpfen Industrie, Gewerkschaften und manche Politiker, die von der Geldpolitik Hilfe für die Wirtschaft erwarten.

In dieser Aufgabe hat Jordans Haus kapituliert. Auf den ersten Blick wurde der Druck zu groß: Wegen des schwachen Euro musste die SNB immer wieder intervenieren, häufte dabei einen Devisenberg von 500 Milliarden Franken an, vervierfachte so im Lauf der Krise die Zentralbankgeldmenge - und kein Ende in Sicht.

Obwohl die SNB den Franken als fundamental überbewertet bezeichnete, floss internationales Kapital munter weiter in den sicheren Hafen Schweiz - und sah die aus Zürich unbegrenzt angebotenen 1,20 Franken für jeden Euro offenbar als willkommenes Schnäppchen an. Der Ölpreisverfall, der Rubel-Kollaps, die bevorstehende Lockerung der Euro-Geldpolitik - das alles drohte diese Bewegung noch zu verstärken. Anleger aus aller Welt stellten sich auf Subventionen aus Zürich ein. Aber nicht mit Jordan.

Die Aufgabe des Mindestkursziels sei "nicht eine Panikreaktion, sondern wohl überlegt", beharrt der Geldhüter. Dass die SNB wegen der Franken-Aufwertung nun gewaltige Kursverluste auf ihre gehorteten Devisen verbuchen muss, habe sie bewusst in Kauf genommen.

So präsentiert sich Jordan, der das Mindestkursziel bei seinem Antritt 2012 noch von seinem Vorgänger Philipp Hildebrand geerbt hat, als derjenige, der die alte Geldordnung in der Eidgenossenschaft wiederherstellt. "Man muss diesen Entscheid treffen, auch wenn es schmerzt", erklärt er - und macht sich so zum Gegenspieler von Uhrenmagnat Nick Hayek, der vor einem "Tsunami" für die Schweizer Wirtschaft warnt. Aber "wenn man es in die Zukunft verschiebt, wird der Schmerz noch viel größer sein", doziert Jordan.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung