Samstag, 19. Oktober 2019

Rückkehr zur Drachme Wie Griechenland den Euro verspielt

Griechische Drachme: Beobachter in Brüssel bezeichnen das Hilfsgesuch Griechenlands, das voller Doppeldeutigkeiten steckt, eher als "Trojanisches Pferd" denn als Verhandlungsbasis. Mit ihrem Pokerspiel droht die Athener Regierung den Euro endgültig zu verspielen - die "neue Drachme" dürfte sofort dramatisch gegenüber dem Euro abwerten

4. Teil: Rückkehr zur Drachme - Neue Drachme dürfte massiv abwerten

Rückkehr zur Drachme - Neue Drachme dürfte massiv abwerten

Dieses könnte wie einst vor den Zeiten des Euro "Drachme" oder auch "Neue Drachme" heißen. Dann würde die Zentralbank in Athen Herr des Verfahrens sein: Sie könnten mit den neuen Scheinen die Finanzinstitute mit frischem Geld versorgen. Auch der Staat würde so mit der Notenpresse über Wasser gehalten - doch mit fatalen Folgen, warnt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil: "All dies würde wahrscheinlich das ohnehin schon geringe Vertrauen in die neue Währung unterminieren, so dass die neue Drachme gegenüber dem Euro massiv abwerten würde." Manche Experten halten 50 Prozent und mehr für möglich.

Staatschulden werden explodieren - Zahlungsausfall wahrscheinlich

Blieben die Schulden unangetastet in Euro bestehen, könnte die Staatsverschuldung Griechenlands bei einer deutlichen Abwertung der neuen Drachme bis auf 230 Prozent des Bruttoinlandsproduktes explodieren, wie die Commerzbank berechnet hat. "Darum wird die griechische Regierung alles daran setzen, diese Schuldenlast zu verringern", meint Weil. Er geht davon aus, dass die Regierung in Verhandlungen eine gütliche Lösung suchen wird. Am Ende sei es auch möglich, dass sie es auf einen formalen Zahlungsausfall ankommen lassen würde.

Ohne neue Hilfen seiner Gläubiger dürfte das Geld in Athen spätestens Ende März knapp werden. Denn auf der einen Seite brechen in der Krise die Steuereinnahmen weg, auf der anderen stehen Zins- und Tilgungszahlungen an Gläubiger an. Dann wäre Ende nächsten Monats einem Insider zufolge der Zeitpunkt gekommen, an dem das Land seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Einen IWF-Kredit über 1,5 Milliarden Euro werde es wohl noch begleichen können. Danach dürfte kein Geld mehr da sein.

von Reinhard Becker und Frank Siebelt, Reuters

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