320 Schiffe stauen sich am Suezkanal Ägypten bereitet Teil-Entladung der "Ever Given" vor

Eine Flotte von Schleppern will am Montag versuchen, das im Suezkanal festgefahrene Containerschiff "Ever Given" freizubekommen. Scheitert auch dieser Versuch, sollen einige Container entladen werden - ein komplexes Manöver.
Festgefahren: Die "Ever Given" steckt im Suezkanal fest, wie dieses Satellitenbild zeigt

Festgefahren: Die "Ever Given" steckt im Suezkanal fest, wie dieses Satellitenbild zeigt

Foto: European Space Imaging / dpa

Bei den Arbeiten im Suezkanal werden nun auch weitergehende Maßnahmen zur Bergung des eingekeilten Containerschiffs vorbereitet. Präsident Abdel Fattah al-Sissi habe angeordnet, mit den Vorbereitungen zur Entladung von Containern zu beginnen, sagte der Chef der Suez Canal Authority (SCA), Osama Rabie, am Sonntag dem Sender Extra News. Die Bergungsexperten hatten zunächst gehofft, die 400 Meter lange "Ever Given" ohne den zeitraubenden Schritt wieder flott zu bekommen.

Vor Ort sollte zunächst zwölf Stunden lang gegraben werden, um das quer liegende Schiff zu befreien. Dann sollten zwölf Stunden lang die Schlepper zum Einsatz kommen, sagte Rabie. Inzwischen würden 14 Schlepper eingesetzt.

Die "Ever Given" mit 18.300 Containern an Bord blockiert seit Dienstag den Suezkanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Einer SCA-Erklärung zufolge wurden inzwischen 27.000 Kubikmeter Sand bewegt bei dem Versuch, das Schiff wieder frei zu bekommen. Stand Samstag stauten sich mehr als 320 Schiffe an beiden Enden des Kanals. Das Unglück hat weltweit Lieferketten durcheinandergebracht. Die deutsche Industrie fürchtet wegen der Sperrung des Kanals drohende Versorgungsengpässe.

Starke Schlepper sollten am Wochenende am Unglücksort eintreffen sowie ein Kran an Land. "Sollte es uns nächste Woche nicht gelingen, das Schiff loszukriegen, müssen wir etwa 600 Container vom Bug abladen, um das Gewicht zu reduzieren." Das werfe die Bergungsarbeiten mindestens um Tage zurück. Wo die Container dann hingestellt werden könnten, sei noch ein Rätsel. Experten hätten zudem gewarnt, dass das Abladen komplex und langwierig sei.

Weiterer Freischlepp-Versuch am Montag

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Freischlepp-Manöver des noch voll beladenen Schiffes am Montag oder Dienstag seien stärkere Schlepper, Baggerarbeiten und Flut, sagte der Chef der mit den Arbeiten betrauten Firma Boskalis, Peter Berdowski am späten Freitagabend dem Sender "Nieuwsuur". "Wir wollen es nach dem Wochenende erledigen, aber es muss alles passen", sagte Berdowski. Der Bug der 400 Meter langen "Ever Given" sei komplett im Sand festgefahren, das Heck aber nicht. Das könnte als Hebel genutzt werden, um das Schiff freizubekommen, sagte Berdowski.

Die USA boten ihre Hilfe an. "Wir haben Ausrüstung und Kapazitäten. Wir werden schauen, wie wir hier behilflich sein können", sagte US-Präsident Joe Biden vor Reportern am Freitag. Die Suez Canal Authority (SCA), die Eigentümerin und Betreiberin des Kanals ist, begrüßte das Angebot der USA und erklärte, die Türkei wolle ebenfalls Hilfe schicken.

Reuters

Der 224.000 Tonnen schwere und 59 Meter breite Frachter gehört zu den größten Containerschiffen der Welt und war am Dienstag wegen starker Winde auf Grund gelaufen. Bis zum späten Freitagnachmittag stauten sich deswegen mehr als 200 Schiffe an beiden Enden des Kanals, einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt.

Durch den Suezkanal werden etwa 30 Prozent des weltweiten Containervolumens verschifft und etwa zwölf Prozent aller Waren. Besonders betroffen dürften Russland und Saudi-Arabien sein, die beiden Staaten, die am meisten Öl durch den Kanal schicken. Indien und China sind dagegen die größten Importeure, teilten Analysten von Vortexa mit. Auch die deutsche Wirtschaft dürfte der Stau teuer zu stehen kommen.

Seit Dienstag liegt der Riesenfrachter "Ever Given" quer in der Wasserstraße, die als eine der wichtigsten im weltweiten Warenaustausch gilt, und durch die etwa zehn bis zwölf Prozent des Welthandels abgewickelt werden.

la/reuters
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