Mittwoch, 22. Mai 2019

Konflikt mit Nordkorea Seoul schlägt Pjöngjang Gespräche am 9. Januar vor

Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon

Nach jahrelanger Eiszeit kommt in den Konflikt zwischen Nord- und Südkorea ein wenig Bewegung. Zunächst hatte Pjöngjangs Machthaber Kim Jong Un in seiner Neujahrsansprache - trotz der gewohnten Atomdrohungen - überraschend freundliche Worte an das Nachbarland gerichtet. So wünschte er dem Süden viel Erfolg bei der Ausrichtung der bevorstehenden Olympischen Winterspiele im Februar. Allein das war schon bemerkenswert, schließlich bestand Pjöngjangs Südkorea-Politik in der Vergangenheit meist aus Ignorieren und Beschimpfen.

Doch Kim ging noch einen Schritt weiter - und machte Seoul ein Gesprächsangebot: Der Diktator deutete an, eine nordkoreanische Delegation zu den Winterspielen in Pyeongchang entsenden zu wollen.

Im verfeindeten Südkorea sorgt die plötzliche Dialogbereitschaft für positive Reaktionen. Seoul will die Offerte annehmen - und schlägt nun seinerseits einen konkreten Termin für ein Treffen vor, noch vor den Spielen. Bereits am 9. Januar könnten demnach Gespräche auf hoher Ebene im Grenzort Panmunjom stattfinden. Das sagte Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon. Dabei könne über eine mögliche Beteiligung Nordkoreas an den Winterspielen im Februar gesprochen werden, aber auch über andere Themen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen. China, der einzig verbliebene Verbündete Nordkoreas in der Region, begrüßte den Vorstoß: "Das ist eine gute Sache", sagte der Sprecher des Außenministeriums.

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten in den vergangenen Monaten weiter zugenommen. Nordkorea treibt seine atomare Aufrüstung voran und richtet immer wieder Drohungen gegen Südkorea und die USA. Im September testete das international isolierte Land eine Wasserstoffbombe. Ende November brüstete sich Nordkorea mit dem Test einer Interkontinentalrakete und erklärte, das gesamte US-Festland liege nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen.

Beobachter vermuten, die internationalen Wirtschaftssanktionen könnten Pjöngjang nun zu den versöhnlichen Tönen bewogen haben. Zudem könnten taktische Überlegungen eine Rolle spielen - etwa der Versuch, durch die direkte Ansprache Seouls anstelle des üblichen Umwegs über Washington eine Entfremdung der Partner Südkorea und USA herbeizuführen. Denkbar ist auch, dass Nordkorea die Olympischen Winterspiele als Bühne benutzen will - und sich deshalb vorab mit Provokationen zurückhält.

Zuletzt hielten Süd- und Nordkorea 2015 Gespräche auf ranghoher Ebene ab. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In spricht sich seit Langem für einen Abbau der Spannungen aus. Am Dienstag begrüßte er die Andeutung Kims, zu möglichen Gesprächen bereit zu sein. Verbesserungen der Beziehungen zwischen beiden Ländern müssten aber mit Schritten zur atomaren Abrüstung einhergehen. Moon hatte im vergangenen Jahr Gespräche angeboten, worauf Pjöngjang jedoch nicht reagierte.

SPIEGEL ONLINE, soc

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