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Buchtipp "The Deficit Myth" Geld für alle

Gerade sehr en vogue: die schuldenfinanzierte "Volks-Wirtschaft". Stephanie Kelton formuliert in ihrem Erstlingswerk ihre radikale geldtheoretische Position vom "Defizit-Mythos" und einer besseren Wirtschaft.
aus manager magazin 8/2020
Hilfspaket: Stephanie Kelton im Jahr 2015 mit dem Haushaltsentwurf von Präsident Obama. Damals beriet sie seine Demokraten.

Hilfspaket: Stephanie Kelton im Jahr 2015 mit dem Haushaltsentwurf von Präsident Obama. Damals beriet sie seine Demokraten.

Foto: Tom Williams / CQ Roll Call / AP / picture alliance

Seit dem Corona-Crash scheint das Geld der Regierungen auf Bäumen zu wachsen. Stephanie Kelton (50), Vordenkerin der "Modern Monetary Theory" (MMT), predigt diesen Zaubertrick schon lange. Wer der verlockenden Lehre nachgehen will, hat mit dem ersten Buch der Ökonomin nun endlich eine umfassende Quelle.

Anschaulich und entlang ihrer Erfahrungen in der US-Politik entwickelt Kelton die zentrale Botschaft der MMT: Ein Staat mit Notenpresse kann alles finanzieren. Nicht um Schulden oder Steuern muss er sich Sorgen machen. Sondern nur um mögliche Inflation. Budgetdefizite per se sind überhaupt kein Problem.

Auch nach Ansicht der MMT-Kritiker ist daran einiges richtig: Deficit Spending kann Flauten bekämpfen und das Wachstum stärken. Jeder Staat ist in eigener Währung stets zahlungsfähig.

Das ist allerdings nicht neu. Und das Neue an Keltons Argumentation gerät rasch zum Wünsch-dir-was. In ihrer "People's Economy" sind die Spielräume riesig, weil Staatsausgaben fast immer Arbeitslose und andere ungenutzte Reserven mobilisieren. Aktuell klingt das besonders plausibel. Als Kompass ist es so fragwürdig wie einst die Lehre, dass sich jede Steuersenkung selbst finanziert.

Auf die Euro-Zone ist die Theorie schwer übertragbar: Die Finanzpolitik hat hier eben gerade keine eigene Notenpresse. Es ist auch offen, welche Zukunft die Weltwährung Dollar bei einer Politik à la MMT noch hätte.

Klar ist aber, dass die Regeln der Geld- und Fiskalpolitik gerade überall neu geschrieben werden. Kelton markiert in dieser Debatte eine prominente Extremposition. In extremen Zeiten ist das allemal lesenswert.

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