Samstag, 14. Dezember 2019

Finanzmedien-Tycoon will US-Präsident werden So hat Michael Bloomberg seine Milliarden gemacht

Medienunternehmer, Philanthrop und womöglich bald US-Präsident: Multimilliardär Michael Bloomberg will ins Weiße Haus.

Der kommende Kampf ums Weiße Haus in Washington kann ein Wettstreit der Milliardäre werden, denn seit Sonntag ist klar: Auch Michael Bloomberg, Gründer und Kopf des gleichnamigen US-Finanz-Medienkonzerns, will gegen Amtsinhaber Donald Trump antreten und nächster Präsident der Vereinigten Staaten werden. Dabei ist Bloomberg, der für die demokratische Partei ins Rennen gehen will, zumindest finanziell das noch viel größere Schwergewicht als Trump. Auf 3,1 Milliarden Dollar schätzt das US-Magazin "Forbes" das Vermögen des New Yorker Immobilienunternehmers, der vor knapp drei Jahren ins Oval Office einzog. Bloomberg dagegen verfügt dem Blatt zufolge über rund 54,1 Milliarden Dollar, womit er auf der Liste der reichsten Menschen der Welt gegenwärtig Platz acht belegt.

Wie hilfreich ein dickes Konto sein kann, wenn man in den USA ein politisches Amt anstrebt, hat Bloomberg bereits bewiesen. Insgesamt drei Mal hintereinander hat der heute 77-Jährige die Wahl zum New Yorker Bürgermeister gewonnen, 2001, 2005 und 2009. Die Millionen, die er dabei Berichten zufolge für seine Kampagnen ausgab, dürften ihre Wirkung kaum verfehlt haben.

Auf diesen Vorteil spekuliert Bloomberg vermutlich auch im kommenden Rennen um das Weiße Haus. Anders als die Konkurrenz ist er nicht auf potente Spender angewiesen. Das spart nicht nur Zeit, sondern bringt auch zusätzliche Unabhängigkeit. Zwar sehen Auguren im Moment eher geringe Chancen auf die Nominierung der Demokraten für Bloomberg. Donald Trump war zu Beginn seiner Kampagne 2015/2016 allerdings ebenfalls vom Großteil der Beobachter eher belächelt worden. Und für Bloomberg gilt: Im Alleingang zum Erfolg - so begann seine Unternehmerkarriere schon vor 40 Jahren.

Mit einem Abschluss als Elektro-Ingenieur der Johns Hopkins Universität in Baltimore sowie einem in Betriebswirtschaftslehre in Harvard begann Bloomberg zunächst Mitte der 1960er Jahre bei der Wall-Street-Bank Salomon Brothers als Aktienhändler. Dort stieg er Anfang der 70er Jahre zum Partner auf - und flog Anfang der 80er Jahre raus, als die Bank den Besitzer wechselte.

Immerhin: Zehn Millionen Dollar bekam Bloomberg von seinem Ex-Arbeitgeber mit auf den Weg - Geld, mit dem er den Grundstein für sein heutiges Medienimperium legen konnte. Bloomberg suchte sich vier Mitarbeiter, nahm Berichten zufolge vier Millionen Dollar in die Hand und verband seine Expertise als Ingenieur mit seinen Kenntnissen des Finanzgeschäfts. Das Ergebnis war ein Start-up namens Innovative Market Solutions - und ein Computer-Terminal nebst Software, das Wertpapierhändlern Informationen über den US-Bond-Markt lieferte.

Als ersten Kunden konnte der Jungunternehmer 1982 die US-Investmentbank Merrill Lynch gewinnen, die nicht nur 22 der neuen Bloomberg-Terminals bestellte, sondern sich zugleich mit 30 Millionen Dollar an Bloombergs Firma beteiligte. Laut Medien erinnern noch heute 22 Aquarien in Bloombergs Zentrale in New York an diesen ersten Erfolg der frühen Jahre.

Luftballon am Desk

Bloomberg hatte offenbar die richtige Idee zum passenden Zeitpunkt. Das Bloomberg-Terminal, bestehend aus Tastatur und zwei Bildschirmen, das Marktinformationen schnell und präzise liefert und zudem weitere Features wie beispielsweise ein Chat-Programm bietet, breitete sich schnell in der Finanzwelt aus. Bis heute gilt das Gerät als unverzichtbar für jeden, der an den globalen Finanzmärkten professionell mitmischen will.

Für Michael Bloomberg ist das Terminal nach wie vor die wichtigste Erlösquelle. Schon 1987 installierte seine inzwischen in Bloomberg L.P. umbenannte Firma das 5000. Exemplar bei einem Kunden. Bis heute sind daraus 325.000 Stück geworden, die rund um den Globus in Handelssälen und anderen Offices von Tradern, Bankern und Hedgefonds-Lenkern genutzt werden. Etwa 20.000 Dollar an Gebühren nimmt Bloomberg pro Jahr mit jedem Terminal ein.

Bloomberg-Terminal als Keimzelle für ein Medien-Imperium

Mit dem Bloomberg-Terminal hat sich der Unternehmer jedoch nicht nur einen festen Platz in der Finanzwelt erobert. Das Gerät bildet auch die Keimzelle für Bloombergs bis heute global gewachsene Medienmacht. Über die Jahre hat er ein weltweit verzweigtes Firmen-Konglomerat aufgebaut, von der Nachrichtenagentur Bloomberg Business News über Bloomberg TV und Bloomberg Radio bis zum Wochenmagazin Bloomberg Businessweek. Die Bloomberg-Gruppe beschäftigt heute eigenen Angaben zufolge rund 19.000 Menschen in 176 Niederlassungen rund um die Welt. 2700 Journalisten produzieren unter der Marke demnach weltweit 5000 Stücke am Tag. 2018 machte der Konzern damit Berichten zufolge einen Umsatz von etwa zehn Milliarden Dollar. Für die bei Bloomberg angestellten Journalisten gelten seit Bekanntgabe seiner Kandidatur nun einige neue Regeln für den journalistischen Alltag.

Derjenige, der sich über das Wachstum des Unternehmens am meisten freuen kann, heißt Michael Bloomberg, denn ihm gehören nach wie vor rund 88 Prozent des Unternehmens. Das rasante Wachstum seines Konzerns hat ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht - doch innerhalb des Unternehmens hat das offenbar keine besondere Bedeutung. Bloomberg, der auch als großzügiger Spender bekannt ist, gilt als pragmatischer Unternehmenslenker und legt kaum Wert auf Hierarchien.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Das zeigt sich unter anderem daran, dass in den Räumlichkeiten von Bloomberg L.P. Führungskräfte und einfache Angestellte in der Regel Seite an Seite in Großraumbüros arbeiten, ähnlich den Handelssälen der Investmenthäuser. Auch der Konzerngründer selbst soll nach wie vor regelmäßig an einem seiner Terminals sitzen, als einer von vielen. Nur ein kleiner Luftballon an der Schreibtischlampe markiert dann Beobachtern zufolge mitunter seinen Standort. Den Ort also, an dem der womöglich künftige Präsident der Vereinigten Staaten gerade arbeitet.

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