Sonntag, 8. Dezember 2019

Euro-Zone als Kollateralschaden 2019 kehren die Krisen zurück

Euro-Krise: Nicht nur Italien, Brexit und Handelskrieg sorgen für Unruhe

2. Teil: Trump wittert die Schwäche

Trump wittert die Schwäche

In diese Situation hinein platzt nun der Handelskrieg des Donald Trump, der meines Erachtens nur wenig mit Handel zu tun hat, dafür umso mehr mit strategischen Überlegungen der USA. Was sollten die USA denn ernsthaft gegen ein Handelsdefizit mit China (und uns) haben, wenn sie dieses doch - wie gehabt - mit ihren grünen Papierscheinen, genannt US-Dollar, finanzieren können. Solange die USA die unbestrittene Weltmacht bleiben, bleibt der Dollar die Weltwährung, mit allen damit verbundenen Privilegien - unter anderem dem nicht unwesentlichen Vorrecht, echte Waren mit bunten Zetteln zu bezahlen, deren Wert man beliebig und nach eigenem Ermessen beeinflussen kann.

Es dürfte der US-Regierung also nicht um Handelsdefizite gehen, sondern um die Verteidigung des Status als unbestrittener Weltmacht. Blickt man auf die Entwicklung Chinas, so ist klar, dass es nur eine Frage weniger Jahrzehnte ist, bis das Land alleine aufgrund seiner Bevölkerungszahl und der überdurchschnittlichen Leistungen der Schüler in den für die Zukunft so wichtigen Fächern wie Mathematik zu einem ernsthaften Konkurrenten der USA werden kann. Da bietet es sich aus Sicht der USA an, diesen Zeitpunkt zumindest solange wie möglich aufzuschieben.

China in Not: Zeitpunkt für Handelskrieg ist aus Trumps Sicht gut gewählt

Der Zeitpunkt für einen Handelskrieg ist so gesehen klug gewählt. Die USA stehen vordergründig gut da, haben die Finanzkrise hinter sich gelassen und das Banksystem solide aufgestellt. Die Beschäftigungslage ist gut und die US-Notenbank Fed scheint die einzige der großen Notenbanken zu sein, die ernsthaft aus der Politik des billigen Geldes aussteigen kann. Der Zinsanstieg in den USA führt bereits zu Problemen in den hoch in US-Dollar verschuldeten Schwellenländern, schwächt aber auch China, weil es den US-Dollar auch für Chinesen attraktiver macht. Kapitalflucht war schon immer eines der Probleme Chinas.

China ist jedoch anfällig für die Maßnahmen der USA. Schon jetzt gibt es wenige Bereiche, wo das Land ernsthaft Gegenmaßnahmen ergreifen kann, sollten die USA weitere Schritte ergreifen. Gelingt es den USA, China in eine Rezession zu stürzen, dürfte das zumindest kurzfristig die politische Stabilität gefährden und damit die Entwicklung des Landes negativ beeinflussen. Auch wenn dies die Entwicklung Chinas nur bremsen, aber nicht verhindern kann, dürfte es einige Jahre dauern, bis sich China davon erholt.

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