Donnerstag, 19. September 2019

Ölpreis zu niedrig Saudischer König Salman schasst Energieminister

Saudischer König Salman

Saudi-Arabien hat ein Problem. Lange Jahre konnte das Königreich gemeinsam mit seinen Verbündeten den Ölpreis auf den Weltmärkten praktisch nach Belieben bewegen. Daraus resultierten unter anderem zwei Krisen; in Deutschland kam es zum "Ölpreisschock" in den Jahren 1973 und 1979.

Doch in jüngster Zeit muss Saudi-Arabien feststellen, dass die alten Hebel nicht mehr die gewünschte Wirkung erzeugen. Mehrfach hat sich das Land in den vergangenen Monaten mit anderen Ölfördernationen abgesprochen, Fördermengen zu kürzen, um so den Preis in die Höhe zu treiben, von derzeit etwa 60 Dollar auf etwa 80 Dollar.

Gespräche gab es nicht nur mit den anderen Mitgliedern des Opec-Kartells, Energieminister Khalid al-Falih holte auch die Russen mit ins Boot, für die jüngste Reduktion der Fördermengen im August.

Nur: Den Ölpreis hat das weitgehend kalt gelassen. Er pendelt seit Monaten zwischen 60 und 70 Dollar pro Barrel - mit deutlichem Abstand zur Marke von 80 Dollar, die das Königreich eigentlich erreichen will, um genügend Geld zu haben für die hochtrabenden Pläne von Königs Salmans Sohn, Kronzprinz Mohammed bin Salman. Die einzigen heftigeren Ausschläge waren Folgen von Krisen - der US-Spannungen mit Iran und dem Niedergang des Förderlands Venezuela.

Geld gesucht für die "Vision 2030"

Energieminister Chalid al-Falih

Das hat nun Konsequenzen. Energieminister Khalid al-Falih verliert seinen Posten. Falih, seit 2016 im Amt, müsse offenbar "den Preis zahlen für den sturen Ölpreis", zitiert die "Financial Times" den Energie-Experten Derek Bower, Direktor der RS Energy Group. Der Schritt werde die Nervosität im Energiemarkt befeuern, warnt der Fachmann. Den Posten übernehmen wird nun Prinz Abdulaziz, König Salmans vierter Sohn. Er gilt als in Energiefragen durchaus bewandert, seit 1980 arbeitet er im Energieministerium.

Abdulaziz hatte zuvor bereits die Aufsicht über den staatlichen Energieriesen Saudi Aramco übernommen. Die Führung will den Konzern eigentlich an die Börse bringen, das soll die Kasse füllen für das Projekt "Vision 2030", mit dem der Kronprinz die Wirtschaft des Landes unabhängig machen will von fossilen Rohstoffen. Für den Börsengang von Aramco braucht er günstige Rahmenbedingungen - zum Beispiel hohe Ölpreise.

Für den schwindenden Einfluss Saudi-Arabiens auf den Ölpreis gibt es mehrere Gründe. So sind in den vergangenen Jahren anderer Förderstaaten wichtiger geworden, Russland zum Beispiel, aber auch die USA. Dort hat die Frackingtechnologie einen Boom der Ölproduktion ausgelöst.

beb/Spiegel Online

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung