Raus aus Zypern, auf nach Dubai Wohin russische Oligarchen jetzt ihr Geld verschieben

Die Sanktionen des Westens zwingen russische Oligarchen, ihr Geld zu verschieben. Die Milliarden nach Russland zurückzuholen, in ein Land, das am Rande des wirtschaftlichen Ruins steht, ist keine gute Option. Die Milliardäre haben andere Ziele im Blick.
Unter Sanktionen der EU: Der Oligarch Mikhail Fridman kontrolliert über luxemburgische Gesellschaften die Investmentfirma LetterOne

Unter Sanktionen der EU: Der Oligarch Mikhail Fridman kontrolliert über luxemburgische Gesellschaften die Investmentfirma LetterOne

Foto: Pavel Golovkin / REUTERS

Zypern ist ein kleiner Fleck auf der Landkarte und nimmt mit 9251 Quadratkilometern gerade mal 0,05 Prozent der Fläche Russlands ein, dem größten Flächenstaat der Welt. Dennoch hat die Mittelmeerinsel für russische Oligarchen eine enorme Bedeutung. Jahrelang beherbergte das EU-Land und Steuerparadies Zypern einen großen Teil des Reichtums Russlands.

Zumindest war das so, bevor russische Truppen in die Ukraine einmarschierten. In den vergangenen Wochen wurden dann einige der größten Vermögenswerte der reichsten Russen aus Zypern abgezogen: Zum einen sorgten die Sanktionen der EU dafür, dass Oligarchen um ihr Geld fürchteten, zum anderen forderte auch Wladimir Putin (69) seine Landsleute auf, das Geld heimzuholen.

Schon vor dem Krieg hatte Putin ein Vermögen von knapp 25 Milliarden Dollar, das dem Kreml-Chef zugeschrieben wird , über Mittelsmänner von der Insel abziehen lassen. Nun folgen laut einem Bericht der Finanznachrichten-Agentur Bloomberg  auch andere Milliardäre:

Victor Rashnikov (73) etwa transferierte im März einen Anteil von 4 Milliarden Dollar an einen der größten Stahlhersteller Russlands von einer Strohfirma in Zypern zurück in sein Heimatland, wie Bloomberg berichtet. Der Stahlmagnat Alexej Mordaschow (56) verlagerte am 28. Februar einen Teil seiner 1,5 Milliarden Dollar schweren Beteiligung am Reiseveranstalter Tui von einer zypriotischen Gesellschaft auf eine Gesellschaft auf den britischen Jungferninseln. Wiederum der Vorsitzende der russischen Gasgesellschaft Novatek, Leonid Mikhelson (66), ließ einen 14-Prozent-Anteil an dem Unternehmen von einer zypriotischen Holdinggesellschaft auf ihn persönlich übertragen - Bloomberg beziffert den Wert des Anteils auf rund 4,8 Milliarden Dollar. Mikhelson indes gehört nicht zu den sanktionierten Oligarchen.

Etwa 20 Russen zählen zu den 500 reichsten Menschen der Welt. Mit einem Gesamtwert von 261 Milliarden Dollar haben mehr als die Hälfte von ihnen ihr Hauptvermögen zeitweise in zypriotischen Holdinggesellschaften untergebracht, geht aus Akten hervor, die Bloomberg vorliegen. Russland ist seit Jahrzehnten mit der Wirtschaft der Insel verflochten. Dank niedriger Steuern hat sich Zypern zu einem Zufluchtsort entwickelt - doch seit Inkrafttreten der EU-Sanktionen ist Zypern kein sicherer Hafen mehr für russisches Geld.

Dubai, Hongkong, Mauritius - russische Milliardäre schichten um

Da Russland im globalen Finanzsystem immer größeren Beschränkungen unterliegt, haben Milliardäre inzwischen weitaus weniger Möglichkeiten, ihr Geld dort anzulegen. Die Rückführung von Vermögenswerten in ein Land, das auf den wirtschaftlichen Ruin zusteuert, ist zudem riskant. In den USA, in Großbritannien oder in EU-Ländern wie Zypern droht das Vermögen jedoch eingefroren, blockiert oder möglicherweise beschlagnahmt zu werden.

Der Krieg in der Ukraine hat bereits dazu geführt, dass mehr russisches Geld nach Dubai fließt, dessen Regierung auf eine "friedliche" Lösung des Konflikts drängt. Hongkong ist eine weitere Möglichkeit, zumal Chinas Staatschef Xi Jinping (68) sich im Ukraine-Konflikt noch zurückhält. Auch Mauritius steht auf dem Fluchtzettel der Oligarchen.

Eine Handvoll der Milliardäre besitzt laut Bloomberg auch Vermögen auf den britischen Jungferninseln oder in der Karibik. Mindestens drei weitere nutzen Vehikel in Europa. Mikhail Fridman (57) , Petr Aven (67) und German Khan (60) – die alle unter Sanktionen der EU und des Vereinigten Königreichs stehen – kontrollieren über luxemburgische Gesellschaften die Investmentfirma LetterOne, die Beteiligungen in den Bereichen Energie, Einzelhandel und Telekommunikation hält.

Offshore-Gesellschaften verwischen russische Spuren

Selbst wenn die Möglichkeiten, Geld zu verstecken, geringer werden, könnte der Betrag, der von Russen in Offshore-Zentren kanalisiert wird, in die Höhe schnellen, sagt Paivi Karhunen gegenüber Bloomberg, Professorin an der Aalto-Universität in Espoo in Finnland. Die Wirtschaft des Landes befindet sich nicht nur im freien Fall. Eine Offshore-Gesellschaft ermöglicht es einem Investor aus Russland außerdem, die Spuren über die Herkunft des Geldes effektiv zu verwischen. Russisches Geld könnte laut Bloomberg auch in den USA landen - trotz der Sanktionen. Holding-Strukturen lassen die Identität oder Nationalität verschleiern und ermöglichen es den Eigentümern, die Sanktionsregeln für wirtschaftliches Eigentum zu umgehen, so Karhunen.

sio
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