Reaktion auf Sanktionen Russische Zentralbank verdoppelt Leitzins auf 20 Prozent

Erste Sanktionen scheinen zu wirken: Um den Rubel-Absturz zu bremsen und das Finanzsystem zu stützen, hebt die russische Zentralbank den Leitzins massiv an. Zugleich knebelt sie Wertpapierhändler mit Auflagen.
Die Chefin der russischen Zentralbank, Elwira Nabiullina, kündigte eine Verdoppelung des Leitzinses auf 20 Prozent und weitere Maßnahmen zur Stützung des russischen Finanzsystems an

Die Chefin der russischen Zentralbank, Elwira Nabiullina, kündigte eine Verdoppelung des Leitzinses auf 20 Prozent und weitere Maßnahmen zur Stützung des russischen Finanzsystems an

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Die russische Zentralbank reagiert mit einer drastischen Zinserhöhung auf die Währungskrise infolge westlicher Sanktionen. Der Leitzins steigt von 9,5 auf 20 Prozent, kündigte die Notenbank am Montag in Moskau an. Sie signalisierte zugleich ihre Bereitschaft zu weiteren Anhebungen.

Um dem heimischen Finanzsystem zusätzlich unter die Arme zu greifen, untersagte die russische Zentralbank Wertpapierhändlern mit sofortiger Wirkung, russische Wertpapiere im Besitz von Ausländern zu verkaufen. Zudem wolle sie mit Kapitalspritzen und Fremdwährungsgeschäften heimische Geldinstitute stützen. Notenbankchefin Elvira Nabiullina (58) werde die Maßnahmen im Tagesverlauf bei einer Pressekonferenz erläutern.

Höhere Zinsen können den Kurs stabilisieren helfen und auch die Inflation bremsen, machen aber auch Kredite teurer - etwa für Investitionen. Heimische Unternehmen sollen zudem laut Zentralbank und Finanzministerium 80 Prozent ihrer Deviseneinnahmen verkaufen.

Der eskalierende Konflikt Russlands mit dem Westen nach dem Einmarsch in die Ukraine brockte der Währung des Landes einen Kurssturz ein. Der Dollar stieg im Gegenzug am Montag zeitweise um fast 42 Prozent auf ein Rekordhoch von 119 Rubel.

Sanktionen gegen Zentralbank sind in Kraft

Die EU hat in der Nacht nach Angaben aus Brüssel und Berlin die angekündigten schwerwiegenden Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft gesetzt. Sie umfassen ein Verbot von Transaktionen der Bank in Bezug auf die hohen russischen Währungsreserven in Euro. Die Strafmaßnahme gilt als ebenso schwerwiegend wie der Ausschluss russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift. Nach Angaben von EU-Chefdiplomat Josep Borrell wird zusammen mit anderen G7-Staaten rund die Hälfte der Finanzreserven der russischen Zentralbank eingefroren. "Dies wird das Finanzsystem Russlands erheblich treffen", sagte Borrell am Sonntagabend.

Zudem wird das Vermögen der Bank in der EU beschlagnahmt. Kanzleramts-Staatssekretär Jörg Kukies kündigte in einem Tweet an, dass die USA vergleichbare Schritte gehen würden.

rei/Reuters/dpa-afx