Ersatz für russisches Öl Robert Habecks heikle Mission in arabischen Staaten

Öl und Gas sind teuer – und viele Staaten wollen die russischen Lieferungen ersetzen. Deshalb drücken sich in diesen Tagen hochrangige Politiker bei arabischen Ölstaaten die Türklinke in die Hand. Immerhin: Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck kann einen kleinen Erfolg vermelden.
Bald Flüssiggas aus Katar? Deutschlands Minister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck, traf in Doha auf Scheich Mohammed bin Hamad bin Kasim al-Abdullah Al Thani, Minister für Handel und Industrie von Katar

Bald Flüssiggas aus Katar? Deutschlands Minister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck, traf in Doha auf Scheich Mohammed bin Hamad bin Kasim al-Abdullah Al Thani, Minister für Handel und Industrie von Katar

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Gestern Katar, heute die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – die Ölpreisrallye und der Ukraine-Krieg erhöhen den Druck auf Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne, 52), möglichst schnell Ersatz für russisches Gas und Öl zu finden. Für den Grünen-Minister eine heikle Mission: Zum einen, weil die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Brennstoffen nicht von heute auf morgen zu beseitigen ist und die Öl produzierenden Staaten im arabischen Raum genau darum wissen. Zum anderen ist der Umgang mit Arbeitsmigranten in Staaten wie Katar und den Emiraten umstritten.

Das Treffen mit dem Emir von Katar hatte offenbar dennoch Habecks Erwartungen übertroffen. Es sei "großartigerweise" fest vereinbart worden, eine langfristige Energiepartnerschaft einzugehen, sagte der Minister am Sonntag kurz vor seiner Weiterreise in die VAE. Die Unternehmen, die ihn nach Katar begleitet haben, würden nun mit der katarischen Seite tief in Vertragsverhandlungen einsteigen.

Katar ist einer der weltweit größten Exporteure von verflüssigtem Erdgas (LNG), das russisches Erdgas ersetzen soll. Die Infrastruktur für LNG-Lieferungen benötigt enorme Investitionen, wovor Deutschland angesichts des billigeren russischen Gases bis zum Einmarsch in der Ukraine zurückgeschreckt war. Katar verlangt zudem langfristige Lieferverträge.

Dem katarischen Energieministerium zufolge will Deutschland nun den Bau zweier Terminals für Flüssiggas "beschleunigen". Die stagnierenden Gespräche über Gaslieferungen aus Katar sollen weiter "vorangetrieben" werden. Die jahrelangen Gespräche mit Berlin hatten zuvor "zu keinen endgültigen Vereinbarungen geführt, weil nicht klar war, welche Rolle Gas langfristig im Energiemix Deutschlands spielen würde und welche Infrastruktur für den Import von LNG erforderlich wäre", erklärte die katarische Regierung weiter.

Deutsche Firmen sind mit am Start

Am Montag dann der zweite Streich: Deutschland wird seine Zusammenarbeit mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) bei der Wasserstoff-Forschung vertiefen. Fünf deutsche Firmen hätten entsprechende Absichtserklärungen unterzeichnet, sagte Habeck. Neben der Lieferung von Gas und Öl als Ersatz für russische Importe setzt der Grünen-Politiker bei seinem Besuch auf der arabischen Halbinsel auch auf künftige Lieferungen von Wasserstoff, der mittelfristig vor allem Erdgas ersetzen soll.

Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft könne "unter dem Druck der Zeit" sehr viel schneller passieren, als es bisher geplant sei, sagte er mit Blick auf die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine. "Druck" und "Zeit" sind in der Tat zwei Einflussfaktoren, unter denen Habeck am Wochenende zu seiner Reise in die arabischen Länder aufgebrochen war. So soll Deutschland nach dem Willen der Regierung doch möglichst bald unabhängig von russischen Energielieferungen werden.

Klar ist aber auch: Mit mehr Wind- und Sonnenenergie allein sind die Löcher, die ein schneller Verzicht auf russisches Gas und Öl hervorrufen würde, nicht zu stopfen. Andernfalls müssten private Verbraucher und die Industrie hierzulande noch viel höhere Preise für Gas und Öl zahlen – Kosten, die viele nicht mehr tragen könnten und wollten, warnte nicht zuletzt Habeck vor sozialen Unruhen.

Gasversorgung für kommenden Winter nicht komplett gesichert

Zumal die Gasversorgung laut Habeck für den kommenden Winter noch nicht komplett gesichert ist. "Das heißt, wenn wir zum nächsten Winter noch nicht mehr Gas bekommen und die Lieferverbindungen aus Russland würden gekappt werden oder abreißen, hätten wir nicht genug Gas, um alle Häuser warm und alle Industrie laufen zu lassen", warnte Habeck. Zu einer einseitigen Abhängigkeit von einem Lieferanten wie Russland sagte Habeck: "Das war einfach dämlich."

Grüner Wasserstoff, der ohne CO2-Emissionen auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wird und wie ihn die VAE in Zukunft liefern sollen, soll die Dekarbonisierung etwa in der Stahl- und Chemieindustrie ermöglichen. Die VAE setzen stark auf Solarenergie. Habeck besuchte die geplante Öko-Modellstadt Masdar City bei Abu Dhabi, auch deutsche Unternehmen wie Siemens Energy sind dort aktiv. Die sonnenreiche Halbinsel hat großes Potenzial, mithilfe von Solaranlagen Wasserstoff zu erzeugen, ohne dass Treibhausgase entstehen.

Auch Japans Außenminister und Boris Johnson auf Betteltour

Vor Habecks Besuch in den VAE hatte am Sonntag Japans Außenminister Yoshimasa Hayashi (61) die Emirate besucht und die Regierung in Abu Dhabi aufgefordert, die Ölproduktion zu erhöhen. Der Minister habe das Land gebeten, als führendes Mitglied der Opec+ "zur Stabilisierung des internationalen Ölmarktes beizutragen", sagte ein Sprecher.

Der Ölpreis ist wegen des Kriegs in der Ukraine auf über 100 Dollar pro Fass gestiegen, den höchsten Stand seit 2014. In der vergangenen Woche war bereits der britische Regierungschef Boris Johnson (57) in die VAE und nach Saudi-Arabien gereist, um über die Versorgung mit Erdöl zu sprechen. Großbritannien will seine Erdölimporte aus Russland bis Ende des Jahres einstellen. Die Bundesrepublik will sie reduzieren, hat sich aber bisher gegen einen umfassenden und schnellen Importstopp von Öl und Gas aus Russland entschieden. Russland ist der zweitgrößte Ölexporteur der Welt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zur Opec+ - der Organisation Erdöl produzierender Länder (Opec) und ihrer Partner. Dazu gehört auch Russland. Das nächste Treffen der Opec+ findet Ende März statt.

rei/Reuters, AFP, DPA