Dienstag, 25. Februar 2020

Impfprogramme als Treiber des Wachstums Return on Investment einer Impfung: Aus einem Dollar werden 54 Dollar

Hilfe, die sich auszahlt: Für jeden in Impfprogramme investierten Dollar fließen langfristig 54 Dollar zurück
Phil Moore/GAVI
Hilfe, die sich auszahlt: Für jeden in Impfprogramme investierten Dollar fließen langfristig 54 Dollar zurück

Gesundheitskosten, Lohnausfall und Produktivitätseinbußen - das sind nur einige der wirtschaftlichen Folgen, die entstehen, wenn Menschen ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können. Prävention hat ihren Preis, ist aber eine für ein nachhaltig gesundes Wirtschaftswachstum wichtige Investition.

Befürworter und Gegner diskutieren immer wieder kritisch über die Vorzüge des Impfens, wie die jüngste Entscheidung des Deutschen Bundestages zur Einführung der Masern-Impfpflicht wieder einmal zeigt. Ein Blick über den Tellerrand jenseits einer Industrienation wie Deutschland zeigt jedoch , dass seit dem Jahr 2000 die Sterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist. Auch die Verbreitung von Krankheiten, gegen die eine Impfung schützen kann, ist um 70 Prozent gesunken.

Doch nach wie vor erhalten mehr als 10 Millionen Kinder in den ärmsten Ländern der Welt noch nicht einmal die erste Dosis eines Basisimpfstoffs. Infolgedessen stirbt Schätzungen zufolge alle 21 Sekunden ein Kind an einer Erkrankung, die durch eine Impfung eigentlich vermeidbar wäre.

54 US-Dollar: Der Return on Investment einer Impfung

Was angesichts dieser dramatischen Tatsache seltener Beachtung findet: Die breite Immunisierung der Bevölkerung und eine Steigerung der Impfraten ist nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für eine wirtschaftlich solide und leistungsfähige Gesellschaft von enormer Bedeutung.

Eine Studie des International Vaccine Access Center (IVAC) der Johns Hopkins University schaut auf das neue Jahrzehnt und zeigt, dass jeder US-Dollar, der bis 2030 in die Impfprogramme der von uns unterstützten Schwellen- und Entwicklungsländer investiert wird, einer Rendite von 21 US-Dollar an eingesparten Gesundheitskosten, krankheitsbedingten Lohnausfällen und Produktivitätseinbußen entspricht. Berücksichtigt man zusätzlich auch den breiten gesellschaftlichen Nutzen eines längeren und gesünderen Lebens jedes Einzelnen, so steigt der Return on Investment einer Impfung sogar auf 54 US-Dollar.

Die Impfallianz Gavi arbeitet seit 20 Jahren daran, Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern mithilfe von Impfprogrammen vor potenziell tödlichen Infektionskrankheiten zu schützen. Wir leisten in Form eines Ko-Finanzierungsprogramms Hilfe zur Selbsthilfe.

Immunisierung hat ihren Preis - lohnt sich aber nachhaltig

Die Regierungen der Schwellen- und Entwicklungsländer erkennen, wie wichtig die Investition in eine Basisimmunisierung für eine gesunde, wirtschaftlich nachhaltig solide Gesellschaft ist. Sie haben ihre Ausgaben für unsere ko-finanzierten Impfprogramme deshalb stark erhöht. Das führt in den kommenden Jahren zu der voraussichtlich größten je dagewesenen Investition in die sogenannte breite Immunisierung: Waren es zwischen 2016 und 2020 noch 1,6 Milliarden US-Dollar, die in den Kauf von Impfstoffen geflossen sind, so werden es zwischen 2021 und 2025 rund 3,6 Milliarden US-Dollar sein. Hinzu kommen rund 6,3 Milliarden US-Dollar, die allein in die Bereitstellung von Impfdienstleistungen investiert werden.

10 Milliarden Dollar Investition, 15 Billionen Dollar Kaufkraft

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Industrienationen sind ein gutes Beispiel dafür, warum eine flächendeckende und engmaschige Gesundheitsversorgung so wichtig ist. Aufgrund der guten medizinischen Versorgung wird aktives, gesundes Altern zunehmend Realität und ist damit ein Wachstumsmotor für Volkswirtschaften. Die Kaufkraft älterer Menschen weltweit ist bereits enorm: Für das Jahr 2020 liegt sie schätzungsweise bei 15 Billionen US-Dollar.

Die 17 Ziele der Vereinten Nationen

Die im Jahr 2016 von den Vereinten Nationen verabschiedeten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, oder kurz "SDG's", bilden einen wichtigen Rahmen, um Chancengleichheit zu schaffen und das Wirtschaftswachstum weltweit voranzutreiben. Sie geben eine Orientierung, um die nachhaltige Entwicklung ökonomischer, sozialer und ökologischer Ziele zu sichern.

Gesundheit und Armutsbekämpfung sind zwei der 17 Punkte auf der UN-Agenda - und eine breite Immunisierung ist ein wichtiges Bindeglied, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Ein stabiles Gesundheitssystem und eine ausreichende medizinische Versorgung sind die Grundvoraussetzung für eine gesunde und wirtschaftlich erfolgreiche Bevölkerung.

Dabei ist auch Bildung ein Schlüssel zu Erfolg und Wohlstand. Wir bei Gavi sind überzeugt, dass eine breite, präventive Basisimmunisierung das Bildungsniveau kontinuierlich steigen lässt. Gesunde Kinder können regelmäßiger die Schule besuchen und profitieren von einer besseren kognitiven Entwicklung - das wirkt sich langfristig gesehen auch auf die Produktivität im Erwachsenenalter aus. Außerdem sind Schulen eine wichtige Plattform für die Vermittlung von grundlegendem Wissen über Gesundheit und Hygiene.

70 Prozent der Weltbevölkerung werden 2050 in Städten leben

Bis zum Jahr 2050 werden rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städte und angrenzenden Gebieten, oft auch in Slums, leben. Nicht alle von ihnen haben Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung. Aber durch Impfungen können wir daran etwas ändern - denn die Immunisierung wirkt wie ein Tor zu einer ganzen Reihe weiterer Gesundheitsdienste. Prävention in Form von Impfungen ist außerdem eine der kosteneffektivsten Möglichkeiten, Menschen vor Krankheiten und Behinderungen zu schützen und somit ihre Arbeitskraft zu erhalten.

Die Ausgaben für Behandlungen treiben jährlich etwa 100 Millionen Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen an die Armutsgrenze. Wir leisten bereits seit 20 Jahren erfolgreich Entwicklungsarbeit auf diesem Gebiet und engagieren uns auch in Zukunft für einen besseren Zugang zu Impfstoffen in allen Teilen der Welt.

Dr. Seth Berkley ist Epidemiologe und seit 2011 CEO der Impfallianz Gavi, die aktuell beim WEF in Davos über ihre ko-finanzierten Impfprogramme informiert. Die Allianz finanziert Impfprogramme in Schwellen- und Entwicklungsländern, um lebensbedrohliche Krankheiten wie Hepatitis B, Gelbfieber sowie Pneumonie und Durchfall, zwei der für Kinder gefährlichsten Krankheiten, zu bekämpfen. Deutschland gehört seit 2006 zu den Geberländern und hat die Finanzierungszusagen seitdem kontinuierlich erhöht. Gavi hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 mehr als 1,1 Milliarde Kinder mit Impfstoffen zu versorgen.

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