Montag, 9. Dezember 2019

Schulden-Alarm der BIZ Die krachende Niederlage der Notenbanker

Zentrale der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Die BIZ ist so etwas wie die Intelligenz-Zentrale aller Notenbanken

6. Teil: 5. Normalisierung der Geldpolitik

Nachdem die BIZ die Geldpolitik für gescheitert hält und erhebliche schädliche und risikoerhöhende Nebenwirkungen sieht, ist die Forderung, diese Politik zu beenden, konsequent. Dieser Sicht kann man nur zustimmen. Ausführlich diskutiert die BIZ die Erfahrung mit ähnlichen Situationen in der Vergangenheit und erwartet Verwerfungen an den Finanzmärkten, sobald die Geldpolitik ihre Richtung ändert. Diese seien aber umso größer, je länger man mit der Normalisierung wartet. Realisierungswahrscheinlichkeit? Absolut null.

Wenn die Notenbanken ernsthaft ihre derzeitige Politik beenden, wird offensichtlich, dass nur die Flut billigen Geldes den Booten Auftrieb gegeben hat. Das Schuldengebäude würde zum Einsturz gebracht werden. Und genau deshalb wird es nicht dazu kommen. Zwar mag die eine oder andere Notenbank mal eine Verlangsamung des Gelddruckens versuchen, eine Rückführung der Bilanzexpansion steht nirgendwo zur Debatte. Ohne die Notenbankstützung müsste sich die Politik der harten Realität stellen. Und nicht nur die Politik sondern auch die Bevölkerungen der Industrieländer.

Weil wir das nicht wollen, ist es ein anderes Szenario viel wahrscheinlicher: die Notenbanken werden nicht weniger, sondern immer mehr in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen. Immer mehr Liquidität soll die Wirtschaft stützen. Immer mehr zweifelhafte Schulden werden in den Büchern der Notenbanken landen, so lange bis dieses letztlich zu Bad Banks geworden sind, zum Endlager für eigentlich wertlose Wertpapiere.

Diese können dann zins- und tilgungsfrei gestellt werden und die laufenden Defizite der Staaten nebenher auch noch finanziert werden. Einige sehen darin die perfekte, schmerzlose Lösung. Andere - wie ich - zweifeln daran, dass es möglich ist, sich so einfach aus dem Problem heraus zu mogeln. Zu groß ist die Gefahr des Vertrauensverlustes in unser Geld- und Finanzsystem.

Eine Prognose wage ich jetzt schon: Auch im nächsten Jahr wird die BIZ warnen. Die Zeitungen darüber berichten, ich einen weiteren Kommentar schreiben. Aber wirklich was verändern wird das nichts. Die Politik wird sich nicht ändern.

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Daniel Stelter, beyond the obvious .

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung