Schwarze US-Bevölkerung auf dem Abstieg Diese Zahlen zeigen, wie gespalten Amerika ist

Ausnahmezustand in Dallas: Die historischen Folgen der Trennung zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung sind heute noch zu spüren - auch wirtschaftlich

Ausnahmezustand in Dallas: Die historischen Folgen der Trennung zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung sind heute noch zu spüren - auch wirtschaftlich

Foto: AFP

Willkürliche Schüsse von Polizisten auf schwarze Amerikaner, willkürliche Schüsse von schwarzen Demonstranten auf Polizisten - die USA erleben wieder einmal eine Eskalation der Gewalt.

Hintergrund ist die tief verankerte rassistische Spaltung der Gesellschaft. Amerika ist zwar ein "melting pot" der Kulturen, aber auch auf Jahrhunderten der Sklaverei aufgebaut. Die Folgen der systematischen Trennung in weiße Herren und schwarze Diener sind bis heute zu spüren, auch wirtschaftlich - und in jüngerer Zeit gibt es kaum noch Fortschritt in Richtung gleicher Lebensverhältnisse; mitunter sogar klare Rückschritte. Hier eine Auswahl zentraler Daten:

Viel mehr Schwarze ohne Job

Schlange stehen für Arbeit: Die Arbeitslosenquote von Schwarzen ist mehr als doppelt so hoch wie die der Weißen

Schlange stehen für Arbeit: Die Arbeitslosenquote von Schwarzen ist mehr als doppelt so hoch wie die der Weißen

Foto: REUTERS

Die Arbeitslosenquote von Schwarzen beträgt 10 Prozent, die der Weißen 4,5 Prozent. Seit den frühen 70er Jahren ist die Rate für Afroamerikaner ungefähr doppelt so hoch wie die der Weißen. Zuvor war das Missverhältnis noch größer - aber seitdem ist die Angleichung eben gestoppt.

Dieses Bild zeigt sich quer durch alle wichtigen Berufsgruppen und Bildungsabschlüsse.

Bildung - Dunkelhäutige geraten ins Hintertreffen

Zugang zu Bildung: Relativ gesehen, sind Dunkelhäutige stärker ins Hintertreffen geraten

Zugang zu Bildung: Relativ gesehen, sind Dunkelhäutige stärker ins Hintertreffen geraten

Foto: AP/ Daniel Brenner/ Columbia Daily Tribune

Sozialer Aufstieg findet vor allem über höhere Bildung statt. In den vergangenen Jahrzehnten konnten auch Schwarze zunehmend auf diesem Weg vorankommen. Heute kann ein Fünftel der 30-Jährigen einen College-Abschluss vorweisen, während es in den 70er Jahren noch weniger als 10 Prozent waren.

Allerdings stagniert diese Rate seit der Jahrtausendwende. Zugleich hat sich der Zugang der Gesamtbevölkerung zu Bildung noch stärker verbessert. Gleichaltrige Weiße sind zu 40 Prozent College-Absolventen. Relativ gesehen, sind Dunkelhäutige also noch stärker ins Hintertreffen geraten.

Schwarz und reich? Schwarz und arm!

Talk-Masterin und Medienunternehmern Oprah Winfrey zählt zur reichen Minderheit schwarzer Bürger in den USA. Tatsächlich ist die Armutsquote unter Schwarzen doppelt so hoch wie unter Weißen

Talk-Masterin und Medienunternehmern Oprah Winfrey zählt zur reichen Minderheit schwarzer Bürger in den USA. Tatsächlich ist die Armutsquote unter Schwarzen doppelt so hoch wie unter Weißen

Foto: DANNY MOLOSHOK/ REUTERS

Die Armutsquote hat seit dem Jahr 2000 für alle Hautfarben zugenommen, der Nachteil der Schwarzen hat sich mit 27 Prozent gegenüber 13 Prozent für Weiße dabei noch verfestigt. Auch ein Job schützt nicht vor zu niedrigen Einkommen: In Vollzeit beschäftigte Schwarze verdienen im Mittel rund 600 Dollar pro Woche. Für Weiße sind es ein gutes Fünftel mehr.

Besonders krass ist die Kluft bei den Vermögen, wenn auch starken Schwankungen unterlegen. Von der Erholung der Börsen seit dem Ende der Finanzkrise hatten die meisten Schwarzen nichts - Aktien und Fonds konzentrieren sich in der Hand von Weißen. Deren mittleres Vermögen, vor fünfzehn Jahren noch sechsmal so groß wie das der Schwarzen, ist jetzt auf den Faktor 13 gestiegen. Wenn Afroamerikaner über Vermögen verfügen, geht es meist um das Eigenheim - und auch das ist nur eine Minderheit.

Wenn Schwarze zu Erfolg kommen, dann zumeist im Show-Business. Als reichste Afroamerikanerin taucht die Medienunternehmerin und Talk-Masterin Oprah Winfrey mit drei Milliarden Dollar auf der "Forbes"-Liste auf. Das reicht gerade für Platz 214 der vermögendsten Amerikaner.

Nicht krimineller, aber öfter und länger im Knast

Demonstration vor Gefängnis in Baltimore, Maryland: Schwarze verstoßen bei manchen Delikten nicht häufiger gegen Gesetze, wandern dafür aber öfter ins Gefängnis

Demonstration vor Gefängnis in Baltimore, Maryland: Schwarze verstoßen bei manchen Delikten nicht häufiger gegen Gesetze, wandern dafür aber öfter ins Gefängnis

Foto: MICHAEL MATHES/ AFP

Eine amerikanische Besonderheit ist der extrem hohe Anteil der Gefängnisinsassen, der erst seit fünf Jahren langsam wieder zu sinken beginnt. Mehr als 1,5 Millionen Amerikaner leben hinter Gittern, darunter gut eine halbe Million Schwarze - und damit mehr als weiße Gefängnisinsassen.

Höhere Kriminalität (auch infolge größerer Armut) erklärt diese Diskrepanz nur zu einem Teil. In Bezug auf Drogendelikte ist sogar nachgewiesen, dass Schwarze kaum häufiger gegen das Gesetz verstoßen, aber um ein Vielfaches häufiger verhaftet werden und längere Gefängnisstrafen verbüßen müssen. Bei Gewalttaten sind Afroamerikaner durchaus häufiger betroffen - als Täter, mehr aber noch als Opfer. Junge Schwarze werden neunmal so oft Mordopfer wie gleichaltrige Weiße.

Spaltung entlang der Rassenlinie auch in der Politik

Spaltung auch in der Politik: Präsidentschaftskandidat Donald Trump bedient gern rassistische Vorurteile

Spaltung auch in der Politik: Präsidentschaftskandidat Donald Trump bedient gern rassistische Vorurteile

Foto: CARLO ALLEGRI/ REUTERS

Die Spaltung Amerikas entlang von Rassenlinien zeigt sich auch in der zunehmend kontroversen Politik.

Die afroamerikanischen Wähler entscheiden sich seit Jahrzehnten zu mehr als 90 Prozent für die Kandidaten der Demokratischen Partei, für Barack Obama stimmten 2008 laut Gallup sogar 99 Prozent.

Auf der anderen Seite verfehlten die Republikaner zum letzten Mal 1964 eine Mehrheit der weißen, nicht hispanischen Wähler. Bislang setzten sie meist subtil auf rassistische Vorurteile. Ihr Präsidentschaftskandidat für 2016, Donald Trump, spricht sie gerne auch offen aus. Die Spannungen dürften eher noch zunehmen.


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