Anweisung an Gazprom Putin dreht den Gashahn auf

Russlands Präsident Wladimir Putin weist den staatlichen Gaskonzern Gazprom an, die Speicher in Deutschland und Österreich aufzufüllen. Damit könnte sich die Energiekrise hierzulande entschärfen.
"Retter Europas": Russische Staatsmedien feiern Präsident Wladimir Putin für seine Entscheidung

"Retter Europas": Russische Staatsmedien feiern Präsident Wladimir Putin für seine Entscheidung

Foto: Patrick Semansky / dpa

Der russische Präsident Wladimir Putin (69) hat zur Entspannung der europäischen Energiekrise für November eine weitere Öffnung der Gasventile angeordnet. Er wies den Staatskonzern Gazprom am Mittwochabend an, die Lieferungen nach Deutschland und Österreich zu erhöhen, sobald die unterirdischen Speicher in Russland aufgefüllt sind, wie die Agentur Tass meldete. Die Gaspreise waren zuletzt wegen niedriger Lagerbestände und einer wachsenden Nachfrage nach der Pandemie-Krise stark gestiegen.

Gazprom-Chef Alexej Miller (59) erklärte demnach, dass sein Unternehmen nach dem 8. November mit der Befüllung beginnen könne. Russische Staatsmedien feierten Putin bereits als Retter Europas. Der Kremlchef hatte angesichts der Rekord-Gaspreise zuletzt immer wieder auf bereits erfolgte Lieferungen über die vertraglich vereinbarten Mengen hinaus hingewiesen, weitere Schritte aber für schwierig gehalten.

Kritiker werfen Gazprom hingegen vor, bislang nicht auf die erhöhte europäische Nachfrage reagiert zu haben, um eine rasche Inbetriebnahme der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 zu erzwingen. Die russische Seite hatte solche Anschuldigungen zurückgewiesen. Sie wirft vielmehr der Europäischen Union vor, es nach dem kalten letzten Winter versäumt zu haben, ihre Gasspeicher rechtzeitig wieder aufzufüllen.

Putin hatte mehrfach für eine schnelle Inbetriebnahme von Nord Stream 2 geworben. Die Bundesnetzagentur hat noch bis Anfang Januar Zeit, über eine Betriebserlaubnis für die 1230 Kilometer langen Röhren zu entscheiden, die jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland liefern sollen.

Der scheidende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (63) sieht unterdessen kein Problem bei der Versorgung Deutschlands mit Erdgas. "Wir werden in diesem Winter Versorgungssicherheit haben", sagte der CDU-Politiker. "Die Gasspeicher sind inzwischen wieder ordentlich gefüllt." Der Rückgang der Gaslieferungen nach Europa sei nicht darauf zurückzuführen, dass Russland seinen Verpflichtungen nicht nachkomme. Vielmehr seien viele Gashändler zögerlich gewesen mit den Bestellungen, da sie auf bessere Preise gewartet hätten.

mg/dpa-afx, Reuters
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