Müllvermeidung - so funktioniert es anderswo Die Müll-Musterschüler der Welt

Plastikmüll: Sortiert fürs Recycling

Plastikmüll: Sortiert fürs Recycling

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Das Plastik-Problem
Foto: [M] Charlie Abad via Getty Images

Milliarden Tonnen an Plastik wurden bereits produziert, für Verpackungen, als Baumaterial, als Grundstoff für besonders langlebige Produkte und vieles mehr. Doch Plastik vermüllt zunehmend den Planeten und wird zur Gefahr für die Menschheit. Lesen Sie alles über Produzenten, Verbraucher, Lösungsansätze.Weiterleitung zum Thema Plastik 

Plastikflaschen, Tüten, Verpackungen - der Müllberg, mit dem wir unsere Landschaft und die Meere zupflastern und vergiften wächst angesichts des steigenden Wohlstands beständig. Ändern wir unser Verhalten nicht, wird düsteren Prognosen zufolge 2050 mehr Müll als Fisch im Meer schwimmen.

Viele Länder - vor allem solche, deren Müllaufnahmekapazitäten schon aufgrund der kleinen Fläche begrenzt sind - versuchen entschlossen umzusteuern. manager-magazin.de stellt einige der vielversprechendsten und extremsten Beispiele vor.

Japan - eine Insel aus Müll

Japan: Hier in Kawasaki lernen Kinder schon früh, wie Mülltrennung richtig geht

Japan: Hier in Kawasaki lernen Kinder schon früh, wie Mülltrennung richtig geht

Foto: AFP

Für die Sortierung von Haushaltabfällen in Japan bräuchten Europäer eine mehrstündige Einführung. Ganze 24 Seiten lang sind alleine in Tokio die Anweisungen, wie mit welchem Müll zu verfahren ist. Schüler werden bereits in der Grundschule im Umgang mit Abfall geschult und auch auf den weiterführenden Schulen bleibt der richtige Umgang mit Müll ein Thema.

Abfallentsorgung und Müllverbrennung sind in Japan eine ernste Angelegenheit - auch und vor allem in der Hauptstadt. Und das nicht ohne Grund: Denn angesichts der Bevölkerungsdichte in der Metropole stand die japanische Hauptstadt in den 70er Jahren knapp vor dem Müll-Kollaps.

40 Jahre später ist davon nichts mehr zu merken. Die Straßen sind wie geleckt. Möglich wird dies durch ein elaboriertes Entsorgungssystem und High-Tech-Verbrennungsanlagen, die dank ausgeklügelter Filtersysteme so sauber arbeiten, dass sich die Anlagen direkt neben Wohngebieten befinden. Mithilfe dieser Techniken ist die Menge des produzierten Mülls nach offiziellen Angaben seit 1989 in der japanischen Hauptstadt um 40 Prozent gesunken - trotz wachsender Bevölkerung.

Und auch was die Weiterverwendung der Rückstände aus den Verbrennungsanlagen angeht, gehen die Tokioter neue Wege. Gegenüber dem Hafen entsteht derzeit eine grüne Insel, die in großen Teilen aus Asche verbrannten Hausmülls, pulverisiertem nicht-brennbarem Müll und Klärschlamm sowie Erde besteht. Ein Teil davon soll 2020 für die Bevölkerung als Naherholungsgebiet eröffnen und auch für die Olympischen Spiele im selben Jahr genutzt werden.

Ganze 50 Jahren noch, so die Schätzungen, kann die Insel als Lagerort für die städtischen Rückstände dienen. Danach ist aus Platzgründen Schluss.

Ruanda: Knallhartes Anti-Plastik-Regime

Kigali: Dank eines strengen Anti-Plastik-Regimes sind die Straßen der ruandesischen Hauptstadt so gut wie plastikfrei

Kigali: Dank eines strengen Anti-Plastik-Regimes sind die Straßen der ruandesischen Hauptstadt so gut wie plastikfrei

Foto: AFP

Wer in Kigali aus dem Flugzeug steigt, muss seine Koffer - wenn er Pech hat - erst einmal durchsuchen lassen - auf Plastiktüten und Plastikverpackungen. Denn die sind in dem Land seit zehn Jahren - bis auf sehr wenige Ausnahmen - verboten. Das Resultat dieses Verbots ist auf den ersten Blick sichtbar. Auf den Straßen Ruandas und der Hauptstadt Kigali liegt anders als in vielen anderen Städten kein Müll. Die Straßen sind makellos sauber. An der Supermarktkasse werden die Einkäufe in Papier oder biologisch abbaubaren Plastiktüten verpackt.

Doch die Entwicklung zum umweltschonenden Vorzeigestaat kommt zu einem hohen Preis: Wer Plastiktüten schmuggelt, dem drohen bis zu sechs Monate Gefängnis. Plastiksünder, die in ihren Geschäften Tüten aus dem verbotenen Material verwendet haben oder Produkte in Plastik verpackt haben, droht die Schließung ihres Ladens, empfindliche Strafen und/oder eine öffentliche Entschuldigung in den Medien.

Slowenien - Per Chipcard zur Restmülltonne

Ljubljana: Die slowenische Hauptstadt gehört zu den europäischen Musterschülern in Sachen Müllvermeidung

Ljubljana: Die slowenische Hauptstadt gehört zu den europäischen Musterschülern in Sachen Müllvermeidung

Foto: Thomas Brey/ picture alliance / dpa

Mit etwas über zwei Millionen Einwohnern produziert Slowenien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eher wenig Müll. Und denjemigen, den es produziert, versucht das kleine Land so gering wie möglich zu halten. Die Hauptstadt Ljubljana hat sich zum Ziel gesetzt, die Restmüllproduktion seiner Bürger in Richtung null zu senken. Schon jetzt produziert jeder Bürger der Stadt mit 150 Kilogramm Restmüll deutlich weniger als die Bewohner der meisten anderen europäischen Städte. 80 Prozent aller Abfälle und fast zwei Drittel des städtischen Mülls werden dem Recycling zugeführt, so dass nur etwas mehr als 4 Prozent auf Deponien landet.

Möglich wird dies durch eine rigide und sehr konsequente Müll-Politik: Während jedermann Glas, Verpackungen und Papier in unter der Erde befindlichen Container entsorgen kann, die mit oberirdischen Müllbehältern verbunden sind, ist die Restmüllmenge, die Anwohner in den benachbarten Sammelstellen entsorgen können, eng begrenzt. Der Zugang zum Müllabwurf erfolgt über eine Art Chipkarte.

Korea - der gläserne Müllerzeuger

Müllkippe in Incheon, westlich von Seoul: Das technisch hochentwickelte Korea nutzt Hightech auch zur Müllvermeidung

Müllkippe in Incheon, westlich von Seoul: Das technisch hochentwickelte Korea nutzt Hightech auch zur Müllvermeidung

Foto: REUTERS

Südkorea gehört schon seit längerem zu den Recyclingstars. Mit einer Recyclingquote von zuletzt knapp 60 Prozent rangiert das Land knapp hinter Ländern wie Deutschland, Slowenien oder Österreich.

Problematisch war lange - auch angesichts des warmen und oft feuchten Klimas - der Umgang mit organischem Abfall wie Essensresten. Um diesen zu reduzieren und einer sinnvollen Verwendung zuzuführen, hat sich die Stadt Seoul vor fünf Jahren ein neues technisch gestütztes Konzept ausgedacht, mit dessen Hilfe die Müllmenge um 300 Tonnen täglich gesunken ist.

Kernstück davon sind spezielle Biomülltonnen, die nur über RFID-Karte zugänglich sind, und die die eingeworfene Müllmenge automatisch wiegen. Am Monatsende bekommen die Nutzer dann eine Rechnung für die von ihnen eingeworfene Müllmenge präsentiert. Der Müll wird zu Tierfutter verwertet und zur Biogasproduktion verwandt.

Serbien - Müll-Entwicklungsland in Europa

Überfüllte Mülltonnen in Belgrad: Serbien hat bis heute keine funktionierende Abfallwirtschaft

Überfüllte Mülltonnen in Belgrad: Serbien hat bis heute keine funktionierende Abfallwirtschaft

Foto: REUTERS

Serbien hat mit gerade einmal rund 0,3 Prozent (2016) eine der niedrigsten Recyclingquoten in Europa überhaupt. In 20 Prozent des Landes existiert überhaupt keine Müllabfuhr. Dort wo Unternehmen Müll zu Deponien abfahren, funktioniert der Service meist auch nur lückenhaft.

Nur 60 Prozent des Hausmülls landen überhaupt in Deponien. Die drei größten Städte des Landes, Belgrad, Novi Sad and Niš verfügen über überhaupt keine gesundheitlich adequate Deponie. Auch ein dauerhafte Lagerstätte für Gefahrenstoffe existiert in Serbien nicht - obwohl jährlich geschätzt rund 100.000 Tonnen davon anfallen.

Das soll sich nach dem Willen von Belgrad nun ändern: Im Oktober hat die Stadt einen Vertrag mit einem japanischen/farnzösischen Projektbetreiber geschlossen, der eine der größten Mülldeponien Europas in Serbien dichtmachen und ein Kraftwerk bauen will, in dem Müll künftig verfeuert werden soll.

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