Pläne zur Vermeidung von Plastikmüll Wie die EU die Plastikflut eindämmen will

Foto: [M] Newscom
Das Plastik-Problem
Foto: [M] Charlie Abad via Getty Images

Milliarden Tonnen an Plastik wurden bereits produziert, für Verpackungen, als Baumaterial, als Grundstoff für besonders langlebige Produkte und vieles mehr. Doch Plastik vermüllt zunehmend den Planeten und wird zur Gefahr für die Menschheit. Lesen Sie alles über Produzenten, Verbraucher, Lösungsansätze.Weiterleitung zum Thema Plastik 

Mit einem Verbot von Plastiktellern, Trinkhalmen, Wattestäbchen und Ballonhaltern will EU-Kommission die Vermüllung der Meere bremsen. Auch andere Wegwerfartikel aus Kunststoff sollen zurückgedrängt werden. "Diese Produkte werden nicht verschwinden, sie werden nur aus anderem Material sein", sagte Kommissionsvize Frans Timmermans am Montag in Brüssel. "Sie können auch künftig ein Picknick organisieren, Cocktails trinken oder ihre Ohren säubern."

Für die Pläne erhielt die Kommission überwiegend Zustimmung, auch aus Deutschland. Der Branchenverband Plastics Europe wandte sich gegen Verbote und eine einseitige Problematisierung von Plastik, räumte aber ein, "dass der leichtfertige Umgang mit Kunststoffabfällen in manchen Regionen der Welt inakzeptabel ist". Nötig sei die Abkehr von der Wegwerfmentalität und der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. "Die Vorschläge der Kommission gehen dazu bereits in die richtige Richtung", erklärte der Verband und warb für gemeinsame Anstrengungen.

Die Kommission begründet ihren Vorstoß mit dem Schutz der Ozeane, wo nach Angaben der Behörde jährlich 500.000 Tonnen Plastikmüll landen. Mehr als 80 Prozent des Mülls in den Meeren sei Plastik. Die vorgeschlagene EU-Richtlinie nimmt gezielt zehn Einmalprodukte sowie ausrangierte Fischernetze ins Visier, die nach EU-Angaben zusammen 70 Prozent des Mülls an Stränden ausmachen.

Darüber hinaus sieht der Entwurf der EU-Kommission eine Beteiligung von Herstellern bestimmter Produkte an Kosten für Umweltsäuberung und Informationskampagnen vor. Für alle EU-Staaten soll zudem die Zielmarke gelten, bis 2025 mindestens 90 Prozent der Plastikgetränkeflaschen zur Verwertung zu sammeln, wenn nötig mit Hilfe eines Pfandsystems, wie es Deutschland schon seit 2003 hat.

Die Kunststoffbranche beschäftigt laut EU-Kommission in Europa 1,5 Millionen Menschen und machte 2015 einen Umsatz von 340 Milliarden Euro. Die Produkte auf der Verbotsliste werden den Angaben zufolge meist nicht in Europa hergestellt, sondern importiert.

Umsetzung der Richtlinie dürfte Jahre dauern

Die Kommission verspricht sich neben saubereren weitere Vorteile für die Umwelt: So sollen die Maßnahmen den Ausstoß von Kohlendioxid um 3,4 Millionen Tonnen verringern. Bis 2030 könnten Umweltschäden im Wert von 22 Milliarden Euro vermieden werden, erklärte die Brüsseler Behörde. Verbraucher könnten bis zu 6,5 Milliarden Euro sparen.

Die von der Kommission vorgelegte Richtlinie ist zunächst nur ein Vorschlag. Dieser muss nun mit den EU-Staaten und dem EU-Parlament verhandelt werden. Die Verabschiedung und Umsetzung dürften Jahre dauern.

80 Cent je Kilo Plastik-Abfall

Haushaltskommissar Günther Oettinger hatte am Wochenende auch seinen Plan bekräftigt, von den EU-Ländern künftig eine Abgabe auf nicht wiederverwertete Plastikabfälle einzufordern. "Plastik ist das neue Umweltproblem, auf den Weltmeeren ebenso wie in unseren Städten", sagte Oettinger der "Funke-Mediengruppe". "Über die Weltmeere gelangt es in die Nahrungskette, so nehmen wir täglich kleinste Plastikpartikel zu uns." Europa und Deutschland produziere zu viel Kunststoff, der nicht wiederverwertet werden könne. Das Maßnahmenbündel der Kommission solle gegensteuern.

Den Plan, von Mitgliedsstaaten je Kilo nicht recyceltem Plastikabfall eine Abgabe von 80 Cent zu verlangen, hatte Oettinger bereits Anfang Mai vorgestellt. Dies soll den EU-Staaten einen Anreiz bieten, für mehr Wiederverwertung zu sorgen. Jährlich fallen nach Angaben der EU-Kommission in Europa 25,8 Millionen Tonnen Plastikabfall an, von denen weniger als 30 Prozent zur Verwertung gesammelt werden.

Systematisches Recycling ist auch aus Sicht der Grünen die eigentliche Antwort auf das Plastikmüll-Problem - weniger das von der Kommission geplante Verbot einzelner Gegenstände. "Das ist auch Symbolpolitik nach dem Motto: Ich verbiete die Strohhalme und denke, ich hätte etwas getan", sagte der Grünen-Europaabgeordnete Häusling. Entscheidend für höhere Recyclingquoten sei eine möglichst sortenreine Sammlung sowie der Verzicht auf Schadstoffe, die die Wiederverwertung von Kunststoffen erschweren.

Häusling kritisierte auch die massenweise Verpackung von Biogemüse in Plastik. Das sei keineswegs Vorschrift, sondern für Supermärkte oft lediglich die einfachste Möglichkeit, Verunreinigungen durch Pflanzenschutzmittel auf konventionell angebautem Gemüse im selben Regal zu vermeiden. "Das ginge auch anders", sagte der Grünen-Politiker. "Wenn man den Plastikmüll angehen will, muss man die Produktionsketten ändern."

manager magazin hat mit seinem Themenschwerpunkt zum Thema Plastik in verschiedenen Texten, Bildern und per Video ausführlich über das globale Plastik-Problem informiert.

manager-magazin.de / Wochit
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.