Montag, 22. April 2019

Erfolg geht auch ohne Steuervermeidung Apples kurzsichtige Steuervermeidungs-Strategie

Apple-Chef Tim Cook: Hauptsache Steuern sparen

Wieder diskutiert die halbe Welt über Steueroasen, gierige Unternehmer und tricksende Konzerne. Die Paradise Papers erinnern nicht nur namentlich an die vor anderthalb Jahren bekannt gewordenen Panama Papers, sie sind auch strukturell weitgehend vergleichbar: Mit Hilfe von Anwaltskanzleien und durch Schaffung eigenständiger Rechtspersönlichkeiten wie Trusts gelang es offenbar erneut einer Vielzahl bekannter Unternehmen, Sportler und Politiker, ihr Vermögen teilweise zu verschleiern und ihre Einnahmen daraus faktisch nicht zu versteuern.

Markus Schön
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    Markus Schön ist Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung GmbH. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der individuellen Vermögensverwaltung und dem strategischen Finanzmanagement auf überwiegend langfristiger, makroökonomischer Basis. Aktuell hat Markus Schön ein Buch über die Wirtschaftspolitik Donalds Trumps "Twittern zur Planwirtschaft" geschrieben.

Man gewinnt den Eindruck, Steuervermeidung gehöre inzwischen zum guten Ton. Und es scheint egal geworden zu sein, ob man dabei den Rahmen der Legalität verlässt. Schließlich lassen sich viele prominente Persönlichkeiten und Konzerne mit Steueroasen und nun den Paradise Papers in Verbindung bringen. In der allgemeinen Erregung wird jedoch leicht übersehen, dass es sehr erfolgreiche Gegenentwürfe zu diesen illegalen Praktiken gibt - und man muss nicht weit reisen, um sie zu finden.

Trump belohnt die Steuervermeider

Das Modell der Steuervermeider und Gesetzesumgeher kennt im Grunde keine Gewinner. So parkt der US-Technologiekonzern Apple Börsen-Chart zeigen viele Milliarden US-Dollar auf Konten in Europa, weil die Rückführung der Gelder in die USA mit erheblichen Steuerbelastungen verbunden wäre.

Unter anderem hier will US-Präsident Donald Trump mit seiner Steuerreform ansetzen - und damit die Steuervermeidungsstrategie des nach Börsenwert wertvollsten Unternehmens der Welt auch noch belohnen. Dabei ist Apple auf dieses Geld nicht einmal angewiesen, weil sich der Konzern mit Krediten für Investitionsvorhaben extrem günstig finanzieren kann.

Auch die gesamtgesellschaftliche Ebene leidet: Ohne die international anerkannte Steuervermeidungsstrategie wie in den Paradise Papers beschrieben hätten viele Staaten eine wesentlich breite Einnahmebasis. Es stellt sich die Frage, ob die Euro-Schuldenkrise ein solches Ausmaß erreicht hätte, wenn es den internationalen Wettbewerb um die günstigen steuerlichen Rahmenbedingungen nicht gäbe. Damit steht die Staatengemeinschaft als Verlierer dieser Steuervermeidungsstrategie fest. Schließlich fehlt das Geld zum Schuldenabbau, für staatliche Investitionen in Infrastruktur, zur Verbesserung der Lebensverhältnisse oder zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit.

Reflexartig fordern auch jetzt wieder Politiker aller Parteien und in nahezu allen Industriestaaten verschärfte Regelungen gegen Steueroasen. Dabei hat man in den letzten Jahren extrem viel für einer stärkere steuerliche Transparenz getan. Die Erfolge sind dennoch überschaubar geblieben.

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