Investments der Milliardäre Das CO₂-Feuerwerk der Superreichen

Bei CO₂-Emissionen von Milliardären denkt man zuerst an Privatjets und Ähnliches. Doch eine Oxfam-Studie deckt auf: viel klimaschädlicher sind die Investments der Superreichen wie Mark Zuckerberg, Elon Musk oder Klaus-Michael Kühne.
Verantwortet mehr als 4 Millionen Tonnen CO₂: Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne

Verantwortet mehr als 4 Millionen Tonnen CO₂: Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne

Foto: Axel Heimken / picture alliance/dpa

Die UN-Weltklimakonferenz COP27 in Ägypten zeigt erneut, dass der weltweit starke CO₂-Ausstoß die Erderwärmung und damit die Klimakatastrophe begünstigt. Zunehmend geraten daher auch die Verursacher dieser Emissionen in den Blickpunkt. Die Nichtregierungsorganisation Oxfam hat nun errechnet, welchen Beitrag die Investments der 125 reichsten Menschen der Welt am globalen Treibhausgasausstoß haben.

In der am Montag veröffentlichten Studie "Carbon Billionaires: The investment emissions of world's richest people " ist zu lesen, dass jeder einzelne der untersuchten Milliardäre über seine Investments im Durchschnitt für so viele CO₂-Emissionen verantwortlich ist wie etwa eine Million Menschen aus den ärmeren 90 Prozent der Weltbevölkerung zusammen. Insgesamt verursachen diese 125 Milliardäre damit ungefähr so viele Emissionen wie ganz Frankreich.

Dabei betragen bereits die Emissionen, die reiche Menschen durch den eigenen Konsum mit Privatjets, Jachten und Luxusvillen verursachen, das Tausendfache der weltweiten pro-Kopf-Emissionen. "Wenn man sich zudem die Emissionen ansieht, die durch ihre Investitionen zusätzlich mitverursacht werden, sind ihre Treibhausgasemissionen um ein Vielfaches höher", heißt es in der Studie.

In die Berechnungen von Oxfam eingeflossen sind die sogenannten "Scope 1"- und "Scope 2"-Emissionen, also solche, die entweder direkt durch die Produktionstätigkeit eines Unternehmens anfallen oder die indirekt entstehen, etwa durch eingekaufte Energie. Berücksichtigt wurde dabei der jeweilige Unternehmensanteil der Investments basierend auf dem Bloomberg-Milliardärs-Index  im August 2022. "Scope 3"-Emissionen, die entlang der gesamten Lieferkette entstehen, konnten aus Komplexitätsgründen nicht berücksichtigt werden.

Klaus-Michael Kühne toppt Zuckerberg und Musk

Der wahre CO₂-Ausstoß der Milliardäre ist also in den meisten Fällen noch größer, doch auch so zeigt die Untersuchung bereits hohe Werte: So kommt beispielsweise Mark Zuckerberg (38) durch seine Anteile am Meta-Konzern auf rund 378.000 Tonnen CO₂-Ausstoß, Elon Musk (51) über seinen Tesla-Anteil auf rund 80.000 Tonnen CO₂– eine Zahl, die sich durch die kürzlich erfolgte Komplettübernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter noch deutlich erhöhen sollte.

Getoppt werden die US-Milliardäre jedoch von dem deutschen Unternehmer Klaus-Michael Kühne (85 ), der allein über seine Beteiligung an der Reederei Hapag-Lloyd vier Millionen Tonnen Treibhausgase emittiert, hinzu kommen weitere hohe Emissionen durch seine Anteile am Logistikdienstleister Kühne + Nagel und zunehmend auch an der Lufthansa.

Die ersten drei Ränge der Oxfam-Liste belegen allerdings Milliardäre, deren Investment in extrem energieintensiven Bereichen liegen. So emittieren der indische Unternehmer Lakshmi Mittal (72) als Vorstandschef und größter Einzelaktionär des Stahlkonzerns ArcelorMittal, Gautam Adani (60) unter anderem über den indischen Stromversorger Adani Power und Wladimir Lisin (66) als Inhaber des russischen Stahlproduzenten Novolipetsk Steel (NLMK) jeweils deutlich im zweistelligen Millionen-Tonnen-Bereich CO₂.

Dass die 125 Milliardäre mit ihren Beteiligungen jedoch überdurchschnittlich viel CO₂ ausstoßen, zeigt auch die Gegenüberstellung mit einer vergleichbaren Gruppe: Für jeden investierten Dollar werden hier fast doppelt so viel Treibhausgase ausgestoßen wie bei den Unternehmen, die sich in dem amerikanischen Aktienindex S&P 500 finden.

Strengere Umwelt- und Sozialstandards gefordert

Doch der Bericht berechnet nicht nur die einzelnen Emissionen pro Investment, sondern zeigt auch, dass die Milliardäre die Emissionsintensität ihrer Investitionen schon allein dadurch auf ein Viertel reduzieren könnten, wenn sie ihre Investitionen in Fonds mit strengeren Umwelt- und Sozialstandards verlagern würden. "Die Superreichen müssen besteuert und Investitionen so reguliert werden, dass sich Geldanlagen, die den Planeten zerstören, nicht mehr lohnen. Die Regierungen müssen außerdem Unternehmen zu mehr Rechenschaftspflicht und Transparenz und zur radikalen Reduzierung ihrer Emissionen verpflichten", fordert Oxfam.

"Um die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad Celsius zu halten, wie es das Pariser Abkommen vorsieht, muss der weltweite Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase drastisch sinken. Das erfordert neben engagierter Klimapolitik der Regierungen auch umfassende Veränderungen in der Art und Weise, wie Investoren und Unternehmen ihre Geschäfte führen", so das Fazit von Oxfam.

hr
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