Ersatz für russisches Gas Scholz: LNG-Käufe in Katar noch nicht vom Tisch

Bislang hat Katar Deutschland auflaufen lassen, was kurzfristige Lieferungen von Flüssigerdgas angeht. Der Wüstenstaat beliefert seine Geschäftspartner lieber langfristig. Laut Kanzler Olaf Scholz verhandeln Katar und deutsche Unternehmen aber weiter.
Sieht noch Chancen für Gas-Lieferungen aus Katar: Bundeskanzler Olaf Scholz

Sieht noch Chancen für Gas-Lieferungen aus Katar: Bundeskanzler Olaf Scholz

Foto: Geert Vanden Wijngaert / AP

Der Kauf von verflüssigtem Erdgas (LNG) in Katar ist nach den Worten von Bundeskanzler Olaf Scholz (64, SPD) nicht vom Tisch. "Deutsche Unternehmen sind in sehr konkreten Gesprächen, über die ich Ihnen mehr erzählen könnte, als ich werde", sagte Scholz in einem am Freitag veröffentlichten "Focus"-Interview.

Deutschland versucht, ausbleibende Gaslieferungen aus Russland unter anderem mit LNG-Lieferungen zu ersetzen, für die an Nord- und Ostsee mehrere Terminals gebaut werden. Spezialschiffe, die als schwimmende Terminals fungieren, sollen die Zeit überbrücken, bis die fest installierten Terminals in Betrieb genommen werden können. Ein erstes Spezialschiff ist seit Donnerstag im vorpommerschen Lubmin einsatzbereit. Im Dezember soll es in Betrieb gehen. Hinsichtlich der Gaslieferanten hofft Deutschland unter anderem auf Katar.

Katar sitzt auf den drittgrößten Gasreserven

Der Wüstenstaat verfügt nach Russland und dem Iran über die drittgrößten Gasreserven weltweit und ist der führende LNG-Exporteur. Doch Katar hat andere Prioritäten , als Deutschland kurzfristig zur Seite zu springen. Das Land ist an langfristigen Lieferverträgen interessiert. Erst diese Woche hatten das Emirat und China ein langfristiges Gasabkommen unterzeichnet – über 27 Jahre.

So ließ Katar Deutschland in den vergangenen Monaten auflaufen. Auf die Frage, warum ein Abkommen für Deutschland nicht geklappt habe, antwortete Scholz nun: "Stimmt so nicht."

Füllstände deutscher Gasspeicher sinken

Der Kanzler bekräftigte zugleich seine Ablehnung von Fracking in Deutschland. Darüber sei mehrfach diskutiert worden. "Bis das Gas aus den tiefen Schichten herausgepresst werden würde, werden wir mit dem Ausbau regenerativer Energien so weit sein, dass Aufwand, Risiko und Ertrag in einem viel zu schlechten Verhältnis stehen." Fracking ergebe wenig Sinn in Deutschland.

Der Füllstand der deutschen Gasspeicher ist zuletzt gesunken. Am Donnerstagmorgen lag er nach Angaben des europäischen Gasspeicherverbands GIE bei knapp 99 Prozent, 0,15 Prozentpunkte unter dem Vortageswert. Es war der sechste Tag in Folge mit einem Rückgang. Ob die Bestände reichen, hängt auch stark davon ab, wie kalt der Winter wird und Haushalte und Unternehmen Gas sparen.

dri/dpa-afx
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