Arbeitsmarkt Offene Stellen in den USA auf Rekordhoch

Die Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA fallen auf das Niveau zu Beginn der Pandemie. Die Firmen halten an ihren Mitarbeitern fest. Dennoch sind bei 10 Millionen Arbeitslosen mehr als 8 Millionen Stellen unbesetzt. Geht's den Arbeitslosen zu gut?
8,1 Millionen offene Stellen: In manchen Bereichen belastet der Arbeitskräftemangel in den USA bereits die Produktion, heißt es

8,1 Millionen offene Stellen: In manchen Bereichen belastet der Arbeitskräftemangel in den USA bereits die Produktion, heißt es

Foto: Jeff Chiu/ AP

Die Erholung der US-Wirtschaft von den Coronavirus-Folgen spiegelt sich erneut in der Arbeitslosenstatistik wider. In der vergangenen Woche hätten 473.000 Amerikaner die Stütze beantragt, teilte das Arbeitsministerium am Donnerstag mit. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 490.000 Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe von 507.000 in der Vorwoche gerechnet.

Mittlerweile haben die Hilfsanträge ein Niveau erreicht, dass so niedrig ist wie zu Beginn der Pandemie in den USA im März 2020 nicht mehr. Vor der Corona-Krise waren aber noch deutlich weniger Anträge gestellt worden. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gelten als Indikator für die kurzfristige Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Zahl der offenen Stellen auf Rekordhoch

Unternehmen halten an ihren Mitarbeitern fest, weil es schwierig ist, neues Personal zu finden. "Die Arbeitgeber klammern sich wirklich an ihre Talente", zitiert das "Wall Street Journal"  Jay Denton, Chefanalyst von ThinkWhy, einem Unternehmen für Arbeitsmarktanalysen. "Es gibt eine große Nachfrage. Wir werden wieder mehr Einstellungen sehen."

Dem Bericht zufolge erklärten viele Arbeitgeber, dass sie nicht genug Arbeitskräfte finden könnten, was in manchen Bereichen bereits die Produktion einschränke. Die Zahl der offenen Stellen liegt mit 8,1 Millionen auf einem Rekordhoch, obwohl offiziell zehn Millionen Amerikaner arbeitslos sind. Manche Ökonomen führen das für US-Verhältnisse ungewohnte Phänomen unter anderem auf das um 300 Dollar erhöhte Arbeitslosengeld zurück, die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus und die Belastung durch die Kinderbetreuung aufgrund von Schulschließungen.

Experten rechnen aber mit deutlich weniger offenen Stellen, wenn im September die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung ausläuft und mehr Schulen wieder geöffnet haben. James Knightley, Chefökonom von ING erwartet laut "WSJ", dass die Unternehmen in der Zwischenzeit die Löhne erhöhen werden, um mehr Arbeitskräfte anzuziehen.

Manche Bundesstaaten streichen zusätzliche Arbeitslosenhilfe

Eine Reihe republikanisch geführter Bundesstaaten hat bereits die erweiterten Bundesleistungen vorzeitig beendet. Ihrer Einschätzung nach würde die wöchentliche Zulage von 300 Dollar vielen Menschen den Anreiz bieten, keinen Job anzunehmen. US-Präsident Joe Biden (78) verteidigte zu Wochenbeginn die erhöhten Leistungen. Lehnten arbeitslose US-Amerikaner Jobs ab, sei dies eben zumeist der fehlenden Kinderbetreuung oder der Angst vor einer Infektion geschuldet, zeigte sich der Präsident überzeugt. Seine Regierung werde auch dafür sorgen, dass arbeitslose US-Amerikaner zumutbare Jobangebote annehmen, ergänzte Biden.

rei/Reuters/DPA