Turbulenzen am Ölmarkt Ölpreis springt - Erholung vom Preissturz?

Ölförderung in Bahrain: Der Ölpreis schwankt weiterhin stark

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Der Ölmarkt wird weiterhin von starken Preisschwankungen geprägt: Nach seinem Absturz um rund 30 Prozent seit September hat der Preis für ein Barrel Öl am Montag zur Erholung angesetzt und um mehr als 5 Prozent zugelegt. Auslöser für die Erholung war die Annäherung im Handelsstreit zwischen USA und China, die Hoffnung auf ein Erstarken der Weltkonjunktur auslöst. Zudem kündigte das Ölförderland Katar an, die Opec zu verlassen. Als weitere Gründe für den starken Anstieg des Ölpreises wurden der erneuerte Pakt zwischen den beiden wichtigen Förderstaaten Russland und Saudi-Arabien sowie eine gedrosselte Ölproduktion in Kanada genannt.

Omanischer Ölminister geht von Senkung der Fördermenge der Opec aus

Der omanische Ölminister Mohammed bin Hamad Al-Rumhy geht davon aus, dass die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) bei ihrem bevorstehenden Treffen die Fördermenge senken wird. Auf die Frage, ob er erwartet, dass es einen Konsens für eine Drosselung gibt, antwortete er am Sonntag: "Ich glaube schon, ja." Oman sei bereit, sich der Entscheidung der Opec und ihrer Verbündeter für eine mögliche Kürzung anzuschließen. Die Ölminister der Opec treffen sich am Donnerstag in Wien, um über die Fördermenge zu beraten. Branchen-Insidern zufolge ist Russland für eine Drosselung der Fördermengen offen. Allerdings verhandele man mit Saudi-Arabien noch über Zeitplan und Umfang.

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Russland, Saudi-Arabien und die USA liefern sich mit einer Produktion von jeweils rund zehn Millionen Barrel pro Tag ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des weltgrößten Ölförderers. Wegen Spekulationen auf eine Abkühlung der Weltwirtschaft und der kontinuierlich steigenden Fördermengen in den USA ist der Ölpreis seit Anfang Oktober um gut 30 Prozent gefallen.

Katar tritt aus der Opec aus

In einem überraschenden Schritt hat Katar nach mehr als einem halben Jahrhundert seinen Ausstieg aus der Organisation Erdöl exportierender Länder angekündigt. Stattdessen will sich das Golfemirat künftig noch stärker auf seine Rolle als Weltmarktführer beim Export von Flüssiggas (LNG) konzentrieren, wie Energieminister Saad al-Kaabi am Montag sagte. Mit dem diplomatischen Zwist mit dem größten Opec-Produzenten Saudi-Arabien habe der Schritt hingegen "nichts zu tun".

Katars Mitgliedschaft in der Opec werde bereits im Januar 2019 enden, kündigte al-Kaabi in Doha an. Die Organisation wurde nach seinen Angaben am Montagmorgen kurz vor der Bekanntgabe über die Entscheidung informiert.

Lufthansa-Aktie gibt deutlich nach

Die Erholung am Ölmarkt sorgte auch für Verlierer am Aktienmarkt: Die Lufthansa-Aktien sind am Montag wegen stark gestiegener Ölpreise entgegen dem sehr positiven Markttrend auf Tauchstation gegangen. Mit einem Minus von 1,5 Prozent gehörten sie zu den schwächsten Dax-Werten. Händler verwiesen zudem darauf, dass sich die Lufthansa-Papiere seit Ende Oktober um mehr als ein Viertel ihres Wertes erholt hatten und zuletzt auf dem höchsten Stand seit über zwei Monaten notierten. Damit hätten sie deutlich weniger Nachholpotenzial als andere Sektorwerte oder Branchen.

Anleger haben vor allem drei Möglichkeiten, auf Öl zu wetten

Saudi-Arabien hatte kürzlich bereits die Möglichkeit einer Förderkürzung angedeutet. Doch US-Präsident Donald Trump, ein enger Verbündeter der Saudis, drängt auf einen noch niedrigeren Preis, und sein Wort könnte Gewicht haben, auch, weil das saudische Königshaus aktuell davon profitiert, dass die USA in der Affäre um den getöteten Journalisten Jamal Kaschoggi an seiner Seite stehen.

Einerseits. Andererseits steckt Saudi-Arabien mitten in einer wirtschaftlichen Umstrukturierung, weg von der allzu starken Öl-Abhängigkeit. Der Umbau des Landes kostet Geld - und das verdienen die Saudis vor allem mit dem Öl-Verkauf. Die VP Bank etwa stellt vor dem Hintergrund fest, dass das Königreich dringend Ölpreise von 78 Dollar je Barrel brauche, um im Jahr 2019 ein Haushaltsdefizit zu vermeiden. Zum Vergleich: Aktuell notiert die US-Sorte WTI bei etwa 51 Dollar je Barrel. Die Nordseesorte Brent kostet zurzeit etwa 60 Dollar je Barrel.

Weil ein weiterer Preisrückgang zudem bedeuten würde, dass einige Förderstaaten nicht mehr rentabel operieren könnte, geht die VP Bank davon aus, dass der Preisverfall inzwischen übertrieben ist. Der Preis werde in einer Gegenbewegung demnächst wieder steigen, wobei auch die VP Bank eine Förderkürzung von Seiten der Opec-Staaten als Schlüssel für eine mögliche Preisrallye sieht.

Eine Annahme, die nachvollziehbar erscheint - die aber keineswegs sicher ist. Dennoch: Investoren, die nach dem massiven Preissturz ebenfalls auf eine Erholung am Ölmarkt setzen wollen, haben dazu verschiedene Möglichkeiten:

1. Aktien: Der Ölpreisverfall hat an den Aktienmärkten auch die Werte der Öl-Industrie unter Druck gebracht. Im Umkehrschluss bieten sich dort für Optimisten nun Einstiegschancen. Dabei weißt die VP Bank in einer Sektoranalyse zudem darauf hin, dass sich die Gewinne in dieser Branche zuletzt besser entwickelt haben als im Gesamtmarkt. Folge: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Öl-Aktien befinde sich bereits 20 Prozent unterhalb des zehnjährigen Durchschnitts sowie sogar 38 Prozent unterhalb des fünfjährigen Durchschnitts. Einzelwerte, die vor diesem Hintergrund einen Blick wert sind, sind laut VP Bank: Die französische Total , die britische Royal Dutch Shell , die italienische Eni  sowie die US-Konzerne Chevron  und Valero.

2. Fonds: Wer das Risiko scheut, das mit dem Kauf einzelner Aktien verbunden ist, kann zu Branchenfonds greifen. Vor allem börsengehandelte Indexfonds (ETFs) bieten sich an, denn sie sind kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds. SPDR MSCI World Energy etwa investiert in 80 Unternehmen rund um den Globus, wobei die acht größten Unternehmen rund die Hälfte der Gewichtung ausmachen. Der SPDR MSCI European Energy dagegen ist auf Europa fokussiert und hat 17 Aktien im Depot.

3. Zertifikate: Neben dem Umweg über Unternehmen der Ölindustrie bietet sich auch die direkte Wette auf den Ölpreis an, etwa über Zertifikate. Ein Beispiel: Das ETFS WTI Crude Oil- Zertifikat. Das endlos laufende Produkt bildet laut VP Bank passiv den Bloomberg Crude Oil Subindex ab, der wiederum in kurzlaufende Future-Kontrakte der Ölsorte WTI investiere.

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