Freitag, 23. August 2019

Gespräche in Doha Öl-Krisengipfel gescheitert - keine Deckelung der Förderung

Ölfeld in Riad: Die Ölnationen wollen die Fördermenge begrenzen, um einen erneuten Kollaps der Ölpreise zu verhindern. Nun soll im Juni weiterverhandelt werden

Im Kampf gegen die niedrigen Ölpreise sind Gespräche zur Deckelung der Produktion vorerst gescheitert.

Im Kampf gegen die niedrigen Ölpreise haben die Förderländer einen Rückschlag erlitten. Gespräche zur Deckelung der Produktion, um dem Preisverfall auf dem Weltmarkt entgegenzuwirken, scheiterten am Sonntag in Doha, wie Katars Energieminister Mohamed bin Saleh sagte. Nach Angaben des nigerianischen Ölministers werde es ein erneutes Treffen wahrscheinlich im Juni geben.

Es war zunächst unklar, ob die verfehlte Einigung mit der Absage des Irans an eine mögliche Deckelung zu tun hat. Teheran hatte zuvor mitgeteilt, bei den Plänen der mächtigen Fördernationen Saudi-Arabien und Russland nicht mitmachen zu wollen: "Da wir einen Plan fürs Einfrieren nicht unterzeichnen wollen, gibt es auch keine Notwendigkeit, jemanden vor Ort in Doha zu haben", sagte Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh am Sonntag nach Angaben der Nachrichtenagentur Shana.

Der Iran werde aber seine Produktion auf 4 Millionen Barrel am Tag - und damit auf den Level vor den im Januar aufgehobenen Sanktionen - wie geplant erhöhen, so der Minister.

Iran erhöht Förderung auf 4 Millionen Barrel pro Tag

Wegen der Haltung Teherans hatten Analysten ein Scheitern der Gespräche nicht ausgeschlossen. Riad, bestimmendes Opec-Mitglied, befürchtet, dass sein Erzfeind Iran aus der eigenen Zurückhaltung Kapital schlagen und der Ölindustrie des Königreichs damit schaden könnte.

Die Ölpreise waren von Mitte 2014 bis Ende 2015 wegen eines Überangebotes um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Zwischenzeitlich erholten sie sich wieder leicht. Das Scheitern der Gespräche dürfte dem Ölpreis einen weiteren Schlag versetzen.

Die Ölschwemme war unter anderem deswegen entstanden, weil führende Förderer wie Saudi-Arabien im Zuge wachsender Konkurrenz - zum Beispiel durch die von US-Firmen eingesetzte Fördertechnik Fracking - ihre Marktanteile durch eine Erhöhung der Produktion halten wollten. Verbraucher freuen sich zwar über günstige Preise für Benzin und Heizöl. Den Förderländern aber rissen sie riesige Löcher in die Haushaltskassen.

Beobachter hatten zuvor Zweifel an der Wirksamkeit der Pläne zum Einfrieren auf dem Förderniveau von Januar geäußert. Neben dem Iran waren auch die USA und Norwegen nicht an den Gesprächen beteiligt. Zudem gab es Bedenken, dass im Januar bereits zu viel Öl gefördert worden sei, als dass eine Deckelung auf diesem Niveau den Kurs steigen lassen könnte.

Der Ölpreis wird sich nicht so schnell erholen

Ein zentraler Grund dafür, dass die Opec bisher keine Drosselung der Fördermenge beschlossen hat, ist die Hoffnung, dass niedrige Preise die sogenannten unkonventionellen Förderarten aus dem Markt drängen - dabei handelt es sich vor allem um per Fracking in den USA gewonnenes Öl.

Zuletzt war die Schieferölproduktion in den USA tatsächlich zurückgegangen. Doch beruhigen kann das die traditionellen Ölriesen nicht: Bei der Förderung mithilfe von Fracking lässt sich die Fördermenge schnell wieder hochfahren, falls die Preise steigen.

la/dpa/reuters

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