Greenpeace-Prognose Deutschland wird Rekordsumme für Öl und Gas aus Russland zahlen

Deutschland könnte laut einer Greenpeace-Studie dieses Jahr aufgrund der gestiegenen Preise deutlich mehr Geld für russische Energie überweisen als bislang. Die Umweltorganisation warnt dennoch vor einem Gasembargo.

Gestiegende Energiepreise: Deutschland überweist Rekordsummen an Russland

Gestiegende Energiepreise: Deutschland überweist Rekordsummen an Russland

Foto: Patrick Pleul / dpa

Deutschland importiert immer noch Kohle, Öl und Gas aus Russland und spült damit jeden Tag Geld in Putins Kriegskasse. Als weltweit größter Abnehmer für Gas und zweitgrößter Abnehmer für Öl wird Deutschland wegen der gestiegenen Preise dieses Jahr wohl sogar eine Rekordsumme überweisen. Das geht aus einer neuen Analyse von Greenpeace hervor . Deutschlands Ausgaben für russisches Öl drohen in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr von 11,4 Milliarden Euro auf 14,3 Milliarden Euro anzusteigen. Die Importrechnung für Gas könnte sich aufgrund steigender Preise verdoppeln, von 8,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 17,6 Milliarden Euro. Dazu kommen laut Analyse rund zwei Milliarden Euro für russische Kohle. Die Zahlen basieren auf Schätzungen.

Die EU hat sich auf einen Importstopp für russische Kohle geeinigt, mit einer Übergangsfrist von vier Monaten. Die Bundesregierung ist dagegen, dass der Westen russische Gas- und Öllieferungen stoppt und hatte vor schweren Schäden für die deutsche Wirtschaft gewarnt. Die Bundesregierung betont, sie tue alles, um möglichst schnell die Abhängigkeit von russischen Lieferungen zu verringern. Vor allem beim Gas kann dies aber noch länger dauern.

"Ein sofortiger Stopp für Energieimporte würde die russischen Einnahmen erheblich reduzieren und den finanziellen Spielraum Putins empfindlich treffen", sagt Greenpeace-Volkswirt Mauricio Vargas. "Wenn die Bundesregierung vor einem Gasembargo zurückscheut, muss sie umgehend alternative Sanktionsinstrumente wie eine Friedensabgabe auflegen, die den Geldfluss nach Russland eindämmen."

Friedensabgabe wirken genauer als Gasembargo

Experten zufolge wären bei Kohle und Öl ein Importembargo sowie ein Strafzoll gut umsetzbar und würden die russischen Einnahmen wirksam mindern. Bei Gas hingegen ist es nur bedingt möglich, auf andere Anbieter auszuweichen. Das macht einen sofortigen Importstopp und einen klassischen Strafzoll schwieriger umsetzbar. Greenpeace hat als Alternative für einen Strafzoll auf Gas daher zwei Modelle für eine Friedensabgabe analysiert:

  1. Ein staatlich verfügter Friedensabschlag auf den vertraglich festgeschriebenen Referenzpreis von Gas würde die Gewinnmarge Russlands verringern.

  2. Eine Preisobergrenze, die sich beispielsweise an den Preisen vor dem Krieg orientiert. Im Zeitraum 2015 bis 2020 lagen die Gaspreise bei durchschnittlich 16 Euro pro Megawattstunde, statt der aktuell 100 Euro.

Beide Sanktionsmittel bieten laut Greenpeace Vorteile: Sie würden sich schneller umsetzen lassen und könnten zielgenauer als ein Gasembargo wirken. Die Höhe der Friedensabgabe wäre flexibel anpassbar, beispielsweise bei einem Truppenabzug. Zudem ließen sich mit den Einnahmen aus einer Friedensabgabe die Folgen des Krieges lindern, etwa als Wiederaufbaufonds für die Ukraine, oder zum Ausbau erneuerbarer Energien. Als Energiegeld für Bürgerinnen und Bürger könnten die Einnahmen die hohen Energiekosten von Privathaushalten abfedern.

"Das Gerede der Bundesregierung über mögliche Importstopps ohne handfeste Taten ist in hohem Maße kontraproduktiv. Es treibt die Gaspreise weiter in die Höhe und spült Rekorderlöse in Putins Kriegskasse. Dieser Kriegsfinanzierung muss ein Riegel vorgeschoben werden", sagt Vargas. "Gleichzeitig darf die Diskussion um ein Embargo jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns ganz grundsätzlich aus der fossilen Abhängigkeit lösen und den Ausbau von Erneuerbaren massiv beschleunigen müssen."

sio/dpa