OECD-Prognose Amerika spritzt sich nach vorn

Die US-Wirtschaft startet durch - Europas Aufschwung bleibt mau. Das Impftempo macht den entscheidenden Unterschied.
Schlange stehen für die Impfung: Autofahrer warten in einer Schlange vor den mobilen Impfzelten in den USA, Houston, auf ihre Impfung

Schlange stehen für die Impfung: Autofahrer warten in einer Schlange vor den mobilen Impfzelten in den USA, Houston, auf ihre Impfung

Foto: Mark Mulligan / dpa

Amerika kommt rasant auf Touren – Europa hängt auf der Schleichspur fest. Das ist das eindeutige Bild, das die neue OECD-Prognose für die Weltwirtschaft zeichnet. Während die US-Wirtschaft schon im Laufe dieses Sommers das Vor-Corona-Niveau erreichen könnte, werden die Europäer erst gegen Ende des kommenden Jahres so weit sein. Die US-Wirtschaft dürfte bis dahin schon um weitere 7 Prozent gewachsen sein.

Der entscheidende Unterschied ist allerdings nicht, dass die Amerikaner den "Wumms" von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (62) inzwischen noch einmal mit ihrem Bidenschen XXL-Super-Wumms gekontert und übertrumpft haben. "Die beste Wirtschaftspolitik heißt derzeit Impfen", betonte Laurence Boone (51), die OECD-Chefökonomin, bei der Vorstellung ihrer aktualisierten Prognosen. Fast überall haben sich die Wachstumsaussichten verbessert – in den Kernstaaten der Eurozone allerdings nicht. Und das liegt vor allem daran, dass an eine Öffnung der Wirtschaft hierzulande nur sehr vorsichtig gedacht werden kann.

"Need for speed" heißt die Überschrift der OECD für ihre neue Wachstumsprognose. Und die Ökonomen des Pariser Thinktanks der Industrieländer meinen damit ausnahmsweise einmal nicht in erster Linie die Ausrichtung von Fiskal- und Geldpolitik.

Auch Bidens aktuelles 1,9-Billionen-Dollar-Paket, das den bisherigen Fiskalimpuls in den USA mehr als verdoppelt und auf über 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pusht, kann am Ende nur funktionieren, wenn die Pandemie durch eine erfolgreiche Impfkampagne besiegt wird. Das Wachstum lässt sich nur ankurbeln, wenn das Geld tatsächlich ausgegeben werden kann - statt sich immer weiter auf den Sparkonten zu stapeln.

Deutschland kann vom amerikanischen Schub profitieren

Die Europäer – und speziell die Deutschen – können von dem absehbaren amerikanischen Schub durchaus profitieren. Die OECD schätzt, dass die rasche Erholung, die sich vor allem in den USA abzeichnet (BIP 2021: plus 6,5 Prozent), das Wachstum der Weltwirtschaft um insgesamt einen Prozentpunkt steigern wird. Gute Nachrichten für die deutschen Exporteure, die auch in den vergangenen Monaten die Lage hierzulande stabilisiert haben. Ihre Ausfuhren ziehen seit dem Corona-bedingten Absturz im vergangenen Frühjahr stetig an (neueste Zahl für Januar: + 1,4 Prozent zum Vormonat). Der Lockdown im Inland bremst aber weiterhin massiv. Die schwache Nachfrage zeigt sich auch darin, dass die deutschen Importe im Januar eingebrochen sind (minus 4,7 Prozent zum Vormonat).

Die OECD hat keinen detaillierten Vergleich der Impfstrategien und -ergebnisse vorgenommen. Nach ihren Daten haben allerdings Amerikaner und EU-Europäer etwa im gleichen Umfang vorbestellt – gut zwei Impfdosen pro Einwohner.

Der entscheidende Unterschied ist, dass die USA bereits ein wesentlich höheres Impftempo erreicht haben: Etwa 90 Millionen "Shots"  haben sie laut Daten der Universität Oxford bereits verimpft, täglich zwei Millionen kommen dazu. Je 100 Einwohner ergibt das bislang über 27 Shots. Die Europäische Union hat erst weniger als die Hälfte verimpft (ca. 41 Millionen Dosen), je 100 Einwohner kommen die großen EU-Länder auf weniger als zehn verimpfte Dosen.

Schleppendes Impftempo = schleppende Erholung

Die Mahnung der OECD ist deshalb eindringlich: Das schleppende Impftempo überträgt sich unmittelbar in eine weiterhin schleppende Wirtschaftserholung. Es würde auch nicht viel nützen, jetzt eine weitere fiskalische "Bazooka" auszupacken.

Europas Makropolitiker müssen derzeit vor allem darauf achten, dass es hier keine unerwünschten Nebenwirkungen des US-Booms gibt: Der neue Wachstumsoptimismus und erste Inflationsängste haben in Amerika zu einem Zinsanstieg geführt, der auch nach Europa übergeschwappt ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zwar versprochen, weiterhin für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Widersprüchliche Signale aus Frankfurt am Main haben aber zuletzt für Unruhe gesorgt. Bei ihrer Sitzung am Donnerstag werden die Notenbanker für mehr Klarheit sorgen müssen.

Den wichtigsten Job haben zurzeit aber die europäischen Gesundheitspolitiker: Vaccination first!

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