Dienstag, 19. November 2019

Düstere Prognose für Weltwirtschaft OECD erwartet schwächstes Wachstum seit der Finanzkrise

Düsterer Himmel über der deutschen Wirtschaft: Die OECD blickt besonders skeptisch auf Deutschland
Daniel Reinhardt/DPA
Düsterer Himmel über der deutschen Wirtschaft: Die OECD blickt besonders skeptisch auf Deutschland

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet im laufenden Jahr das niedrigste Weltwirtschaftswachstum seit der Finanzkrise. "Die Aussichten werden zunehmend fragil und unsicher", heißt es in dem am Donnerstag in Paris veröffentlichten Konjunkturausblick der OECD. Vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China belaste die Wirtschaft.

Die Weltwirtschaft dürfte im Jahr 2019 laut OECD nur noch um 2,9 Prozent wachsen. Dies wäre das schwächste Wachstum seit der Finanzkrise. Im Mai war die OECD noch von einem Wachstum um 3,2 Prozent ausgegangen. Im Vorjahr war die Weltwirtschaft um 3,6 Prozent gewachsen. Für die Euro-Zone und die USA wurden die Prognosen für das laufende und das kommende Jahr gesenkt.

Allein die von den USA und China gegenseitig verhängten Strafzölle dürften das weltweite Wachstum im kommenden Jahr um 0,3 bis 0,4 Punkte dämpfen. Ein harter Brexit, politische Unsicherheiten in Europa und eine stärkere Konjunkturabkühlung in China könnten die globale Wirtschaft noch stärker belasten. Die Regierungen sollten sich mit höheren Investitionen gegen den Abschwung stemmen, rät die OECD.

Besonders skeptisch blickt die OECD auf Deutschland. Hier wurde die Prognose für das laufende Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent reduziert. Noch stärker wurden die Erwartungen für das kommende Jahr gesenkt. Es wird jetzt im Jahr 2020 nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,6 Prozent erwartet, nachdem man im Mai noch von 1,2 Prozent ausgegangen war. Deutschland wird als exportorientierte Volkswirtschaft besonders stark durch die Handelskonflikte belastet.


Lesen Sie auch: Warum die deutsche Wirtschaft wirklich leidet


Die OECD spricht von eskalierenden Handelsspannungen, die das Vertrauen und die Investitionen belasten würden. Die zunehmende politische Unsicherheit gefährde die künftigen Wachstumsaussichten. Bisher habe vor allem die Industrie unter den Handelskonflikten gelitten. Der Dienstleistungssektor sei durch die solide Konsumnachfrage gestützt worden, schreibt die OECD. Die Schwäche in der Industrie dürfte jedoch zunehmend auf den Dienstleistungssektor übergreifen.

In China wird eine graduelle Abschwächung des Wirtschaftswachstums erwartet. Allerdings besteht laut OECD die Gefahr eines stärkeren Abschwungs. Dies könne zu einer längere Phase einer schwachen Importnachfrage führen. China ist unmittelbar durch die Zölle der US-Regierung betroffen.

Großes Risiko in Großbritannien

Ein großes Risiko sieht die OECD mit Blick auf Großbritannien. Ein Brexit ohne Einigung könnte Großbritannien im kommenden Jahr in eine Rezession stürzen. Dies würde das Wachstum in ganz Europa merklich reduzieren.

Die Geldpolitik dürfte in den größten Volkswirtschaften locker bleiben, erwartet die OECD. Die Wirksamkeit der Geldpolitik könne durch die Finanzpolitik und Strukturreformen verstärkt werden. Zuletzt hatten sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank ihre Geldpolitik gelockert.

mg/dpa-afx

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung