Gas-Krise Russland dreht den Gashahn weiter zu

Russland hat die Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 auf unter 20 Prozent reduziert. Die Bundesnetezagentur ruft erneut zum Gassparen auf. Frankreich bietet Deutschland Ersatzlieferungen an. Die Gaspreise steigen weiter rasant.
Dreht Russland den Gashahn bald ganz zu? Der russsiche Staatskonzern Gazprom hat die Gaslierungen via Nord Stream 1 unter 20 Prozent gedrückt

Dreht Russland den Gashahn bald ganz zu? Der russsiche Staatskonzern Gazprom hat die Gaslierungen via Nord Stream 1 unter 20 Prozent gedrückt

Foto: Sergey Dolzhenko / dpa

Russland hat wie angekündigt die Gaslieferungen über die wichtigste Pipeline Nord Stream 1 erneut gekürzt und nennt dafür technische Gründe. Die Lieferungen seien gegenüber den Vortagen halbiert worden, die Auslastung der Leitungen liege bei 19,5 Prozent der eigentlichen Kapazität, teilte die Bundesnetzagentur am Mittwoch mit.

Die Bundesregierung bezeichnete angegebene technischen Gründe aufgrund der Wartung einer Siemens-Turbine erneut als vorgeschoben. Vize-Regierungssprecherin Christiane Hoffmann sprach von einem "Machtspiel" Russlands. "Die Turbine ist da, sie ist gewartet." Einem Transport nach Russland stehe nichts im Wege. "Es liegt nicht an der deutschen Seite." Die Netzagentur erklärte, die Versorgungslage sei angespannt, eine weitere Verschlechterung könne nicht ausgeschlossen werden. "Unternehmen und private Verbraucher müssen sich auf deutlich steigende Gaspreise einstellen."

Die Kürzungen machen es Deutschland schwerer, wie geplant die Gasspeicher für den Winter füllen. Derzeit sind sie zu rund 67 Prozent voll, bis zum November sollen es aber 95 Prozent sein. Deutschland muss die fehlenden Mengen kurzfristig und teuer auf dem engen Markt nachkaufen. Die Bundesregierung sucht daher auch händeringend nach Alternativen zu russischem Gas.

Frankreich würde Deutschland mit Gas aushelfen

Frankreich signalisierte für die kalten Monate Hilfe: Nach Angaben von Regierungsvertretern könnte Gas im Umfang von etwa 20 Terawattstunden nach Deutschland fließen. Dies wären etwa zwei Prozent des deutschen Jahresverbrauchs. "130 Gigawattstunden pro Tag wären möglich. Im Winter würde sich das auf insgesamt 20 Terawattstunden summieren", sagte ein französischer Regierungsvertreter. Das entspräche etwa fünf Prozent des Jahresverbrauchs Frankreichs.

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Die Bundesnetzagentur dringt auf Einsparungen ab sofort und sieht erste Erfolge: Die privaten Haushalte, aber auch die Industrie verbrauchten "fünf, sechs, sieben Prozent weniger", sagte Agentur-Chef Klaus Müller (51) im Deutschlandfunk. "Deutschland muss weniger Gas verbrauchen." Jetzt müsse in allen Bereichen der Gesellschaft etwas getan werden, sei es technische Innovation, sei es das Diversifizieren von Energiequellen. "Aber das Entscheidende ist das Gaseinsparen. Und da möchte ich gern weniger sozusagen Klagen hören, sondern mehr Meldungen, wo jemand sagt, wir als Branche, wir als Stadt, wir als Region tragen dazu bei, Gas zu sparen." Zugleich müssten sich die Verbraucher auf höhere Energiepreise einstellen, sagte Müller. "Es ist eine Preisentwicklung auf Ansage."

Gaspreisrally an den Börsen

An den Energiebörsen ging die Preisrally am Mittwoch weiter. Der europäische Future stieg erneut um mehr als zehn Prozent auf 219 Euro je Megawattstunde. Da auch die Strompreise steigen, will die Hauptstadt Berlin zahlreiche Wahrzeichen und Gebäude nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr anstrahlen. Dazu zählten etwa die Siegessäule, die Gedächtniskirche, das Rote Rathaus und das Schloss Charlottenburg. Insgesamt würden in Berlin rund 200 Objekte mit rund 1400 Strahlern an Beleuchtungsmasten im Dunkeln hervorgehoben, erklärte der Senat der Stadt.

Gazprom hatte am Montag angekündigt, wegen der weiteren fehlenden Turbine nur noch 20 Prozent der Gas-Kapazität von Nord Stream 1 nach Westeuropa zu liefern. Vor und nach einer zehntägigen Wartungspause, in der gar kein Gas geflossen war, hatte Gazprom 40 Prozent der Kapazitäten durchgeleitet. Gazprom-Vize-Chef Witali Markow machte westlichen Sanktionen für die fehlende Turbine verantwortlich und warnte, auch weitere Komponenten der Nord-Stream-Pipeline müssten demnächst überholt werden. Siemens Energy betonte, es fehlten nur noch Einfuhr-Dokumente für die überholte Turbine. Diese Papiere müsse Russland ausstellen.

rei/Reuters
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