Montag, 24. Februar 2020

Coronavirus breitet sich aus Auch VW setzt die Produktion in China aus

BMW Brilliance: Das deutsch-chinesische Joint Venture hat in Shenyang seine drei Fabriken geschlossen

Das Coronavirus in China befällt immer mehr Menschen und die Zahl der Todesopfer steigt. Lesen Sie die wichtigsten Entwicklungen im Newsblog.

19 Uhr: In Diplomatenkreisen wird davon ausgegangen, dass rund 90 Deutsche und einige zugehörige Familienmitglieder das Angebot zur Ausreise aus der Region Wuhan annehmen werden. Eine konkrete Zahl werde erst kurz vor dem Abflug feststehen, da die Teilnahme freiwillig sei, heißt es im Auswärtigen Amt. "Wir tun alles dafür, dass sich aus der Rückholung keine Gefahr für die deutsche Bevölkerung ergibt. Deswegen wird es vor dem Flug medizinische Untersuchungen geben, sowohl durch die chinesische Seite als auch durch unser medizinisches Personal auf dem Flieger. Auch während des Fluges befinden sich die Passagiere unter medizinischer Beobachtung durch das Fachpersonal."

17.00 Uhr: Offenbar Entwarnung in Italien: Die ersten Tests nach einem Verdacht auf das Coronavirus auf einem Kreuzfahrtschiff lassen hoffen. Wie das italienische Gesundheitsministerium am Donnerstag bestätigte, ergaben erste medizinische Untersuchungen keinen Hinweis auf den Erreger der Lungenkrankheit aus China. Man wolle aber noch weitere Resultate abwarten.
Wegen des Verdachts waren rund 7000 Menschen - darunter etwa 6000 Passagiere - stundenlang an Bord der "Costa Smeralda" im Hafen der italienischen Stadt Civitavecchia festgehalten worden (siehe unten). Eine Touristin aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao hatte an Bord Symptome wie Fieber und Atemprobleme gehabt, die ein Anzeichen für das Coronavirus sein können. Auch ihr Mann war untersucht worden.

15.30 Uhr - Auch Volkswagen und seine chinesischen Joint-Venture-Partner verlängern die Werksferien ihrer gemeinsamen Produktionsstätten in China. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Saic werde die Produktion erst am 10. Februar wieder aufnehmen, dasjenige mit FAW nicht vor dem 9. Februar, wie Volkswagen mitteilte. Die geplanten Auslieferungen an Kunden seien von diesem Schritt nicht betroffen.

14.00 Uhr - BMW lässt die Produktion in China ruhen. Der Autobauer hat angesichts der Ausbreitung des Coronavirus in China seine drei Werke in der Millionenstadt Shenyang geschlossen. Die einwöchigen Neujahrsferien seien jetzt um eine weitere Woche bis 9. Februar verlängert worden, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag in München. Nur die Büroangestellten arbeiteten ab kommenden Montag wieder, jedoch von zuhause aus. Shenyang ist der weltweit größte Standort des Autobauers: Rund 18.000 Mitarbeiter fertigen dort jährlich eine halbe Million Autos sowie Motoren. Wie es ab 10. Februar weitergehe, sei noch offen, sagte der Sprecher.

13.00 Uhr: Nun steht es fest. Die Deutschen, die sich in der Metropole Wuhan befinden, sollen am Samstag ausgeflogen werden. Die deutschen Konsularbeamten vor Ort sollen die Betroffenen informiert haben, dass sie dann zum Flughafen kommen sollen, um nach Frankfurt geflogen zu werden, berichtete ein deutscher Ingenieur telefonisch der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Nach bisherigen Schätzungen geht es um rund 90 Bundesbürger. Sie sollen nach der Landung zwei Wochen in Quarantäne kommen.

"Costa Smeralda" (Bild Archiv): Tausende Passagiere sitzen auf dem Kreuzfahrtschiff fest in Civitavecchia bei Rom und dürfen es nicht verlassen. Es besteht der Verdacht, dass sich Passagiere mit dem Coronavirus angesteckt haben.
Andrea Warnecke/DPA/TMN
"Costa Smeralda" (Bild Archiv): Tausende Passagiere sitzen auf dem Kreuzfahrtschiff fest in Civitavecchia bei Rom und dürfen es nicht verlassen. Es besteht der Verdacht, dass sich Passagiere mit dem Coronavirus angesteckt haben.

12.00 Uhr - Wegen des Verdachts auf das Coronavirus sitzen Tausende Passagiere an Bord eines Kreuzfahrtschiffes im Hafen der italienischen Stadt Civitavecchia fest. Wie die Nachrichtenagentur Ansa und die englischsprachige Reuters am Donnerstag schreiben, sollen zwischen 6000 und 7000 Menschen an Bord der "Costa Smeralda" sein. Eine Touristin aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao habe Symptome wie Fieber und Atemprobleme gehabt, wie auch ein Sprecher der Reederei bestätigte. Sie und ihr Mann waren laut Medien am 25. Januar am Flughafen in Mailand angekommen. Die Frau sei auf dem Schiff medizinisch versorgt und isoliert worden. Die Ergebnisse eines Virustests wurden für den Nachmittag erwartet, ihr Mann habe kein Fieber. Die örtlichen Behörden ordneten an, dass die Passagiere zunächst nicht an Land gehen durften.

Das Ehepaar hat die Kreuzfahrt den Berichten nach in der Hafenstadt Savona in Ligurien begonnen. Das Schiff habe auf der regulären Tour durchs westliche Mittelmeer in Marseille, Barcelona und Palma de Mallorca Station gemacht, bevor es Civitavecchia anlief.

11.30 Uhr - Bei der geplanten Rückholung von etwa hundert Deutschen aus der vom neuartigen Coronavirus besonders betroffenen chinesischen Metropole Wuhan gibt es noch letzte Hürden. Bisher gebe es keine Landegenehmigung für die Bundeswehrmaschine in Wuhan, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag der "Bild"-Zeitung. Die Rückholung solle "schnellstmöglich" erfolgen. "Wir müssen es aber auch gründlich vorbereiten", fügte Spahn hinzu. Dem Bericht zufolge soll der Airbus der Luftwaffe am Freitagmittag von Köln-Wahn aus in Richtung China fliegen. Zuvor hatten bereits andere Medien berichtet, die Rückholaktion solle am Samstag stattfinden.

11 Uhr - Frankreich meldet eine weitere Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Bei der fünften Erkrankung im Land handele sich um die Tochter eines erkrankten 80-jährigen Touristen aus China, teilte das Gesundheitsministerium mit. Der Zustand des 80-Jährigen sei ernst, er werde weiter in einem Pariser Krankenhaus behandelt.

10.00 Uhr: Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus schließt Russland seine 4250 Kilometer lange Grenze zu China. Eine entsprechende Anordnung sei unterzeichnet und bereits in Kraft getreten, nun würden "alle über die beschlossenen Maßnahmen informiert", zitierten die russischen Nachrichtenagenturen am Donnerstag Ministerpräsident Michail Mischustin. Details zur Dauer der Grenzschließung nannte er zunächst nicht. Bereits am Montag hatte die Mongolei ihre knapp 4700 Kilometer lange Grenze zum chinesischen Nachbarn geschlossen.

Der neuartige Erreger einer Lungenkrankheit breitet sich seit Ende Dezember immer rascher aus. Bis Donnerstag meldeten die chinesischen Behörden mindestens 170 Tote und über 7700 Infizierte. Außerhalb Chinas gibt es inzwischen rund 50 Infektionsfälle in mindestens 18 Ländern, davon vier in Deutschland. Russland und die Mongolei sind bisher nicht betroffen.

08.45 Uhr - Anleger trennen sich angesichts der Ausbreitung des Coronavirus in China vom Yuan. Der Dollar verteuert sich zur chinesischen Landeswährung um ein halbes Prozent auf 7,0038 Yuan. Damit notiert der Yuan so tief wie seit einem Monat nicht mehr.

08.00 Uhr - Die Aktien des Halbleiterzulieferers Siltronic geraten im Frankfurter Frühhandel unter Druck und geben 4,3 Prozent nach. Ein Händler sprach von Gewinnmitnahmen, nachdem die Titel am Vortag um zwölf Prozent nach oben geschnellt waren. Er verwies zudem auf schwächere Halbleiter-Titel in Asien.

04.30 Uhr - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung fürchtet negative Folgen durch den Ausbruch des Coronavirus in China. "Sollte sich der Corona-Virus, vor allem in China, deutlich ausbreiten, dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen auch in Deutschland spürbar werden", sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher der Zeitung "Augsburger Allgemeinen" (Donnerstagausgabe). "Die Nachfrage von Konsumenten dürfte sinken, vor allem für Konsumgüter und für Reisen", betont der Ökonom. Die Entscheidung von Lufthansa, die Flüge nach China zu streichen, sei hierfür ein Beispiel. "Deutsche Unternehmen sind stark gegenüber China exponiert", betont Fratzscher. "Alleine die vier großen deutschen Autobauer Audi, VW, Daimler und BMW erzielen mehr als ein Drittel ihrer Gewinne in China."

04.00 Uhr - Die schwedische Möbelkette IKEA hält in China alle 30 Einrichtungshäuser infolge der Ausbreitung des Virus vorrübergehend geschlossen. Mittlerweile ist der Erreger in allen Provinzen und Regionen des chinesischen Festlands nachgewiesen.

03.30 Uhr - Der Coronavirus kann bereits vor dem Auftreten von Symptomen wie Fieber oder Husten von Mensch zu Mensch übertragen werden, erklärt ein japanischer Gesundheitsexperte unter Bezug auf einen Nachweis aus China.

03.00 Uhr - Der Vorsitzende der US-Notenbank (Fed), Jerome Powell, sieht infolge des Virus mögliche Einbußen auf die amerikanische Wirtschaft zukommen. Es sei zwar noch zu früh, um zu sagen, wie groß die Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten sein werden, aber dass dies "eine bedeutende Sache ist, die einige Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft haben wird, zumindest kurzfristig", sagt Powell zu Reportern. Chinas Wirtschaft sei aktuell von großer Bedeutung in der Weltwirtschaft, und "wenn Chinas Wirtschaft sich verlangsamt, spüren wir das - allerdings nicht so sehr wie Länder, die näher an China sind oder mehr Handel mit der Volksrepublik betreiben." Ein chinesischer Regierungsökonom prognostiziert, dass der Ausbruch Chinas Wachstum im ersten Quartal um einen Prozentpunkt auf 5 Prozent oder weniger reduzieren würde.

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