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Von Kim Dotcom bis Peter Thiel: Diese Superreichen suchen Zuflucht in Neuseeland

Foto: DAVID BROOKS/ AFP

Gesetz gegen Investoren wie Peter Thiel Neuseeland will superreiche Ausländer wieder loswerden

Andere Länder werben Superreiche mit Steuerrabatten an, Neuseeland will sie vertreiben. Wie die "Financial Times" berichtet (kostenpflichtig) , durchläuft gerade ein Gesetzentwurf Anhörungen des Parlaments, das Käufe von Luxusimmobilien durch Ausländer verbieten würde.

Immobilienentwickler fürchten um ihr in den vergangenen Jahren boomendes Geschäft. "Das wird den Markt austrocknen", warnt Peter Campbell, Gründer der Baufirma Triple Star im Bergort Queenstown auf der Südinsel. Ein Kunde, der 60 Millionen Dollar in der Region investierte, habe ein Bauvorhaben bereits abgesagt.

Die dünn besiedelte Region lockt nicht nur mit ihrer als Filmkulisse bekannten Natur. Gerade, dass sie so abgelegen ist, schätzen viele Superreiche aus Hedgefonds, Silicon Valley oder chinesischen und russischen Firmen. Etliche der Neubauten sind für Selbstversorger ausgelegt, die im Notfall unabhängig von externen Strom-, Wasser oder Nahrungslieferungen sein wollen. Panikräume gehören zur Ausstattung ebenso wie in manchen Fällen auch Atomschutzbunker. Nebenbei versprach das Land bisher Niedrig- bis Nullsteuern und anonyme Trusts.

Neuseeland, sagte LinkedIn-Gründer Reid Hoffman dem "New Yorker", sei im Silicon Valley ein Codewort für "Versicherung gegen Apokalypse". Ein Haus in Neuseeland zu kaufen, sei wie "ein Handschlag der Freimaurerloge" der Prepper, die der Zivilisation misstrauen.

Besondere Furore machte Peter Thiel, der als früher Investor von Paypal  und Facebook  bekannt wurde und aktuell dem Valley den Rücken kehren will, wo er mit seiner offensiven Werbung für Donald Trump manche liberale Kollegen vor den Kopf stieß.

Der gebürtige Deutsche und "stolze Amerikaner", der in der Vergangenheit auch schon das Projekt einer fernab jeder staatlichen Kontrolle schwimmenden libertären Schiffsnation finanzierte, wurde 2017 als Doppelstaatsbürger geoutet. Schon 2011 hatte Thiel demnach, nach nur wenigen Kurzbesuchen und einem Treffen mit dem damaligen konservativen Premier John Key, den neuseeländischen Pass bekommen.

Kein Platz mehr für die vielen Privatflugzeuge

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Von Kim Dotcom bis Peter Thiel: Diese Superreichen suchen Zuflucht in Neuseeland

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Neben den Käufen von Immobilien versprach sich die Regierung von dem Deal offiziell Werbung für Thiels "Utopia". Die "New York Times" zitierte aus Thiels Einbürgerungsantrag, "Ich kann mit Glück kategorisch sagen, dass ich kein anderes Land gefunden habe, das besser zu meinen Vorstellungen von der Zukunft passt als Neuseeland." Am Wanaka-See kaufte Thiel, der auch Immobilien in Auckland und Queenstown besitzen soll, für 13,5 Millionen Dollar ein 193-Hektar-Grundstück, das bislang nur mit einem Schuppen bebaut ist. Ausgesucht hatte er es per Helikopter.

Am Flugplatz Queenstown landen inzwischen laut "Financial Times" so viele Privatflugzeuge, dass manche abgewiesen werden müssen - die Kapazitätsgrenze ist erreicht. Zugleich klagen die Kommunen, dass Immobilien für Normalbürger unbezahlbar und auch sonst die Lebenshaltungskosten durch die Investoren hochgetrieben würden.

Neuseeland wurde in einem OECD-Bericht als Industrienation mit besonders ausgeprägtem Problem der Wohnungslosigkeit gebrandmarkt - und zugleich in den "Paradise Papers" als notorische Steueroase.

Der Schock kam mit dem überraschenden Wahlsieg der jungen Premierministerin Jacinda Ardern von der Labour-Partei im Oktober 2017. Sie hatte sich das Vorgehen gegen die Jetset-Landkäufer ins Programm geschrieben. Noch mehr ist es ihrem Koalitionspartner Winston Peters von der nationalistisch-populistischen "New Zealand First Party", der die schwangere Ardern bald vertreten wird, ein Anliegen.

Als der britische Sänger Ed Sheeran beiläufig per Twitter erklärte, "Ich bin zwar noch kein Bürger Neuseelands, aber ich arbeite daran", antwortete Ardern umgehend per Videonachricht mit "sehr wichtigen Fragen" an Sheeran: zuerst nach neuseeländischem Lokalkolorit wie Pineapple Lumps oder Jandals, aber dann auch zur Frage, ob der Musiker sich auch wirklich dauerhaft im Land ansiedeln wolle. Sonst könne die den "sehr informellen Einbürgerungsantrag" nicht annehmen.

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