Nach 11 Neuinfektionen Shanghai schließt wieder 15 Millionen Menschen ein

Shanghai hatte gerade die Corona-Regeln gelockert, die Wirtschaft begann sich zu erholen. Nun ordnet die Stadt nach wenigen neuen Covid-Fällen wieder Massentests an und verhängt eine Ausgangssperre für 15 Millionen Menschen. Auch Peking zieht die Zügel wieder an.
Ganze Bezirke in Shanghai werden wieder abgeriegelt

Ganze Bezirke in Shanghai werden wieder abgeriegelt

Foto: HECTOR RETAMAL / AFP

Nur eine Woche nach dem Ende eines zweimonatigen Lockdowns hat die chinesische Metropole Shanghai neue Massentests und Ausgangssperren angekündigt. Nachdem am Donnerstag elf neue Infektionen entdeckt worden waren, entschieden die Behörden, dass über das Wochenende acht Bezirke vorübergehend heruntergefahren und durchgetestet werden sollen. Das bedeutet: Rund 15 Millionen Menschen dürfen nicht mehr vor die Tür oder sich nur noch eingeschränkt in ihrer Nachbarschaft bewegen.

Zunächst wurden die strikten Maßnahmen lediglich für den Bezirk Minhang angekündigt. Später wurden sie dann auf sieben weitere Stadtteile ausgeweitet. Die betroffenen Bezirke werden für den Test-Zeitraum unter "geschlossenes Management" gestellt, wie die chinesische Staatszeitung "Global Times" berichtete. Nach Abschluss der Massentests werden dann in der Regel Nachbarschaften, in denen positive Fälle gefunden wurden, für längere Zeit abgeriegelt.

Inwieweit und wie lange der erneute Lockdown das Wirtschaftsleben der Stadt wieder lahmlegen wird, ist unklar. Die Umsetzung der Covid-Beschränkungen kann je nach Wohngegend variieren. Fabriken konnten in der Vergangenheit zumindest im Teilbetrieb weiter produzieren, wenn ihre Arbeiter auf dem Fabrikgelände kaserniert in einer Blase lebten.

Erst am vergangenen Mittwoch hatte das Wirtschafts- und Finanzzentrum Shanghai seinen scharf kritisierten und teils chaotischen Komplett-Lockdown wieder aufgehoben. Der Lockdown führte zur Unterbrechung von Lieferketten und war auch in Deutschland zu spüren. Die Ausgangssperren für die 26 Millionen Bewohner wurden weitgehend aufgehoben, auch wenn einige Nachbarschaften weiter abgeriegelt blieben.

Lockdown-Folgen: Erzeugerpreise und Inflation steigen langsamer

Nun geht es als für große Teile der Metropole erneut in den Lockdown. Ob die Ausgangssperren über das Wochenende hinaus verlängert werden, wird davon abhängen, wie viele neue Covid-Fälle die Massentests aufdecken. Chinas Festhalten an seiner umstrittenen Null-Covid-Politik hat die Wirtschaft unter Druck gesetzt, und die jüngsten Einschränkungen dürften die Verbraucherausgaben weiter belasten, schätzen die Asien-Korrespondenten der "Financial Times" .

Der bis in den Juni anhaltende letzte Lockdown dämpfte die Nachfrage nach wichtigen Industriegütern empfindlich, in der Folge stiegen die Erzeugerpreise im Mai so langsam wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Aktuelle Daten des nationalen Statistikamtes vom Freitag weisen zudem eine Inflationsrate von lediglich 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus - das ist die schwächste Preissteigerung seit März 2021.

Kein Ende der Null-Covid-Strategie in Sicht

Covid-Tests sind in China längst ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Wer sich in einer Stadt fortbewegen und im öffentlichen Raum aufhalten will, muss sich regelmäßig testen lassen. Shanghai zum Beispiel hat laut "FT" für seine 26 Millionen Einwohner rund 15.000 Teststellen eingerichtet. Die enormen Ausgaben für die Testprogramme und die Erweiterung bestehender Quarantäne-Einrichtungen seien ein Zeichen dafür, dass die politischen Verantwortlichen trotz der hohen wirtschaftlichen Kosten an der Null-Covid-Strategie bis weit ins Jahr 2023 festhalten wollen.

Peking schließt wieder Bars und Freizeiteinrichtungen

Wen auch in geringerem Ausmaß, verschärfte seit Donnerstag die Metropole Peking wieder die Regeln, schreibt CNBC . Seit Donnerstag haben mindestens drei Bezirke in Peking angeordnet, dass Bars und einige andere Unterhaltungseinrichtungen bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Dem ging dem Bericht zufolge am Mittwoch ein neuer bestätigter Covid-Fall voraus, zudem wurden eine Handvoll weiterer Fälle mit Bars und Nachtklubs in Verbindung gebracht.

rei mit dpa-afx
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