Nasa-Programm Artemis Raketenstart abgebrochen – Mission geht weiter

Mit dem unbemannten Testflug wollte die Nasa ihr spektakulärstes Programm starten. Doch kurz vor Ende des Countdowns stoppt die Nasa das Manöver – auf unbestimmte Zeit. Mond und Mars müssen warten.
Countdown abgebrochen: Um 14.33 Uhr sollte es am Montag losgehen in Cape Canaveral – doch die Nasa sagte den Start ab

Countdown abgebrochen: Um 14.33 Uhr sollte es am Montag losgehen in Cape Canaveral – doch die Nasa sagte den Start ab

Foto: CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH / EPA

Es schien fast, als würde sich der Himmel gegen die Rakete wehren. Am Wochenende waren Gewitter über Cape Canaveral in Florida gezogen, mehrere Blitze waren in die Türme am Startplatz eingeschlagen. Doch die Testingenieure der US-Weltraumbehärde Nasa konnten keine Schäden feststellen. 50 Jahren, nachdem zuletzt Menschen den Mond betreten haben, sollte an diesem Montag ihre gigantische Rakete zu dem Erdtrabanten abheben. Daraus wird nichts.

Kurz vor dem für 8.33 Uhr (14.33 Uhr MESZ) geplanten Start meldeten die Ingenieure Probleme mit einem der Triebwerke. Der Countdown wurde 40 Minuten vor dem Ablauf angehalten. Das Triebwerk habe noch nicht die nötige Zieltemperatur erreicht, sagte ein Sprecher. Es werde mit Hilfe mehrerer Rechenmodelle versucht, das Problem zu lösen, hieß es zunächst. Doch kurz darauf teilte die Nasa mit: Die Rakete startet nicht, für mindestens vier Tage bleibt Artemis auf der Erde. Die frühesten neuen Termine seien am Freitag und am Montag kommender Woche.

Es ist die nächste Verzögerung in der an Verspätungen reichen Artemis-Mission, mit der die Amerikaner in einigen Jahren wieder Menschen auf den Mond bringen wollen – und langfristig auf den Mars. Schon heute hängt das spektakulärste Programm der Nasa fünf Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan, nun verschieben sich die verschiedenen Phasen erneut.

Artemis 1: Der Dummy-Flug

Der Start an diesem Montag war als unbemannter Testflug gedacht. Die 98 Meter hohe Space-Launch-System-Rakete und die darauf sitzende Orion-Besatzungskapsel sollen in der ersten Phase des Programms für 42 Tage ins All. Statt Astronauten haben sie mit Sensoren ausgestattete Menschenpuppen an Bord, die Vibrationen, Beschleunigung und Strahlungswerte aufzeichnen sollen, um wichtige Daten für spätere Flüge zu sammeln.

Die Orion-Kapsel solle den Mond umkreisen und sich ihm bis auf 100 Kilometer nähern. Anschließend solle sie bis zu 64.000 Kilometer hinter den Mond vordringen – das wäre ein Rekord für ein Raumschiff, das Menschen befördern soll.

Vor allem der Hitzeschild soll getestet werden, der bei seiner Rückkehr in die Erdatmosphäre einer Geschwindigkeit von fast 40.000 Kilometern pro Stunde und einer Temperatur halb so heiß wie die der Sonnenoberfläche standhalten muss. Später kehrt die Kapsel auf die Erde zurück.

Trotz jahrelanger Vorbereitung und zahlreicher Tests, das wussten die Techniker, war keineswegs sichergestellt, dass bei Artemis 1 alles glattläuft. "Wir machen etwas unglaublich Schwieriges, und das birgt Risiken", sagte Missionsleiter Mike Sarafin schon Tage vor dem geplanten Start. Verschiedene Teile der Kapsel und Rakete fliegen erstmals gemeinsam.

Artemis 2: Die Astronauten kommen

Die für 2024 geplante Etappe Artemis 2 soll Astronauten in eine Umlaufbahn um den Mond bringen. Eine Landung auf dem Mond ist für dann noch nicht geplant.

Die Besatzung soll bis zum Ende des Jahres bekanntgegeben werden. Gewiss ist bereits, dass ein Kanadier dabei sein wird – erstmals in der Geschichte.

Artemis 3: Die Mondlandung

Artemis 3 ist die erste Etappe des Programms, bei der Astronauten auf dem Mond landen sollen – und das an dessen Südpol. Dort wurde Wasser in Form von Eis nachgewiesen. Die einst im Rahmen des Apollo-Programms der Nasa zum Mond gebrachten zwölf Astronauten waren nahe des Äquators gelandet, die bislang letzten im Rahmen der Apollo-17-Mission im Jahr 1972.

Artemis 3 soll laut Plan 2025 stattfinden. Einer unabhängigen Prüfung zufolge ist damit aber erst für frühestens 2026 zu rechnen. Artemis 3 soll der Auftakt zu einem wahren Pendelverkehr zum Mond weden: Die Nasa will danach etwa einmal pro Jahr Mondflüge mit Besatzung starten. Kalkulierte Kosten pro Start: 4,1 Milliarden Dollar.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei das private Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk (51). Die Nasa hat SpaceX damit beauftragt, eine Mondlandefähre für Artemis 3 zu bauen. Die Maschine soll als Shuttle dienen, um Astronauten von der Orion-Kapsel zur Mondoberfläche und zurück zu bringen. Bei dem Fahrzeug soll es sich um eine Version des Raumschiffs Starship handeln.

Gateway: Die neue Raumstation

Das Artemis-Programm sieht auch den Bau einer Raumstation namens Gateway vor, die den Mond umkreisen soll. Der Start der ersten beiden Elemente, eines Wohnmoduls sowie des Energie- und Antriebssystems, ist frühstens für Ende 2024 vorgesehen.

Die Astronauten sollen zwischen 30 und 60 Tagen auf der Raumstation bleiben. Später soll eine Mondlandefähre dort andocken, mit der die Besatzung von der Station aus zum Mond gelangen kann. Die Raumstation soll zudem als Zwischenstation für zukünftige Reisen zum Mars dienen.

Das Ziel: Der Mars

Das große Ziel des Artemis-Programms ist nämlich das, was die Nasa als "nächsten großen Schritt" bezeichnet hat: die Erkundung des Mars durch den Menschen.

Die durch Artemis gewonnenen Erkenntnisse unter anderem in den Bereichen Raumanzüge, Fahrzeuge und Antriebe will die Nasa dazu nutzen, um die Reise zum Mars vorzubereiten. Die Fachleute wollen beispielsweise herausfinden, wie Menschen sich für längere Zeit im Weltraum aufhalten können. Damit Astronauten bis zu zwei Monate auf dem Mond bleiben können, soll dort eine Basis errichtet werden. Im Falle eines Problems ist der Mond nur wenige Tage Flug entfernt – der Mars hingegen mindestens mehrere Monate.

lhy/AFP
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