Wegen Lockdowns Chinas Wirtschaft wächst 2022 nur noch um drei Prozent

Durch die strikte Coronapolitik wächst die chinesische Wirtschaft deutlich schwächer als in den vergangenen Jahren. Das besogt deutsche Unternehmen. Derzeit schwächelnde Exporte steigern die Abhängigkeit von China.
Wegen Corona-Lockdowns: Chinas Wirtschaft wächst 2022 nur noch um drei Prozent

Wegen Corona-Lockdowns: Chinas Wirtschaft wächst 2022 nur noch um drei Prozent

Foto: Andy Wong / dpa

Vor dem Hintergrund der chaotischen Corona-Lage und anderer wirtschaftlicher Probleme hat China sein Wachstumsziel für das abgelaufene Jahr verfehlt. Wie das Statistikamt in Peking am Dienstag mitteilte, legte die zweitgrößte Volkswirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent zu. Das Wachstum im vierten Quartal wurde mit 2,9 Prozent angegeben.

Die Regierung hatte für 2022 ein Ziel von rund 5,5 Prozent angestrebt, was nicht erreicht werden konnte. 2021 war Chinas Wirtschaft noch um 8,4 Prozent gewachsen. Ökonomen hatten im Vorfeld mit einem noch schwächeren Wachstum gerechnet. So prognostizierte die Weltbank ein Jahreswachstum von lediglich 2,7 Prozent für die chinesische Wirtschaft.

Besonders die strikte Null-Covid-Strategie mit Lockdowns und anderen Beschränkungen bremste im abgelaufenen Jahr die chinesische Wirtschaft, die aber auch unter einer schweren Immobilienkrise, hoher Verschuldung und schwacher heimischer Nachfrage leidet. Anfang Dezember machte die Führung in Peking jedoch eine abrupte Kehrtwende und schaffte nach gut drei Jahren die meisten Coronamaßnahmen ab. Doch breitet sich das Coronavirus seitdem rasant im Land aus, was sich nun ebenfalls negativ auf die Wirtschaftstätigkeit auswirkt.

Industrieproduktion stärker als erwartet

Dennoch fielen Wirtschaftsdaten für Dezember unter dem Strich besser aus befürchtet. Die Industrieproduktion stieg im Jahresvergleich mit 1,3 Prozent stärker als erwartet. Die Einzelhandelsumsätze, ein Indikator für die Konsumnachfrage, gaben zwar um 1,8 Prozent nach. Allerdings fiel der Rückgang wesentlich moderater aus als im Monat zuvor. Die Anlageinvestitionen wuchsen etwas stärker als erwartet.

Viele Metropolen glichen im Dezember Geisterstädten, da die Menschen wegen Erkrankungen oder aus Angst vor einer Infektion nicht vor die Tür gingen. Mittlerweile normalisiert sich das Leben zwar wieder. Doch gibt es weiterhin Berichte über überlastete Krankenhäuser und Krematorien.

Die staatliche Gesundheitskommission gab die Zahl der Corona-Opfer seit Anfang Dezember zuletzt mit rund 60.000 an. Hochrechnungen internationaler Experten gehen jedoch von deutlich höheren Zahlen aus. Nach Schätzungen des in London ansässigen Datenverarbeiters Airfinity soll es seit Anfang Dezember schon über 400.000 Tote gegeben haben. Bis Ende April könnte die Zahl der Coronatoten demnach auf 1,7 Millionen anwachsen.

Deutsche Unternehmen hoffen darauf, dass sich Chinas Wirtschaft in diesem Jahr erholen wird. "Chinas jüngste Abkehr von der Null-Covid-Politik ist eine begrüßenswerte Entwicklung und wird mittel- und langfristig zur Wiederherstellung des Geschäftsvertrauens beitragen", sagte Jens Hildebrandt (44), geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer (AHK) in Peking. "Ab dem zweiten oder dritten Quartal erwarten viele Unternehmen eine positivere Entwicklung für Ihr Geschäft." Dies sei allerdings abhängig vom Vertrauen der Konsumenten, was in den vergangenen Jahren gelitten habe.

Schwächelnde Exporte steigern Abhängigkeit von China

Laut einer Studie der Agentur Germany Trade and Invest (GTAI) bleibt China 2022 zum siebten Mal infolge Deutschlands wichtigster Handelspartner. Unter den wichtigsten Abnehmern für deutsche Waren rutschte China aber von Rang zwei auf Rang vier ab, wie aus der Auswertung hervorgeht, die sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamts bis November beruft. Der Anstieg der Ausfuhren nach China sei mit 3,7 Prozent unterdurchschnittlich ausgefallen. Der Wert der aus China importierten Waren sei hingegen um fast 37 Prozent gestiegen. Das Handelsdefizit dürfte 2022 laut GTAI auf einen Spitzenwert gestiegen sein.

Das besorgt Unternehmen in der Bundesrepublik. Der deutsche Außenhandel mit China gerät einer Studie zufolge immer weiter aus der Balance. Auf der einen Seite verliert China als Zielort für deutsche Exporte an Bedeutung, wie der Auswertung von GTAI hervorgeht. Auf der anderen Seite nehmen die Einfuhren aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt rasant zu. "Damit steigt die Abhängigkeit von China und das Handelsbilanzdefizit steuert auf einen Negativrekord zu", heißt es in der Studie.

mje/dpa-afx
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