Freitag, 18. Oktober 2019

Von Putin bis Messi Panama-Datenleck enttarnt Offshore-Deals in Milliardenhöhe von Politikern und Promis

Wladimir Putin: Enge Vertraute von Putin leiteten den Angaben zufolge unter konspirativen Umständen offenbar mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen und schafften dabei viel Geld aus Russland heraus

Durch ein Datenleck bisher unbekannten Ausmaßes sind sogenannte Briefkastenfirmen von Politikern und Prominenten aus aller Welt enthüllt worden. Es geht um Offshore-Geschäfte von mehr als 140 Politikern und hohen Amtsträgern aus aller Welt.

In den Unterlagen der "Panama Papers" tauchen nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" die Namen von Milliardären, Politikern, Sportlern, Waffenhändlern, Spionen und Betrügern auf. Unter anderem hätten Vertraute von Russlands Präsident Wladimir Putin, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sowie der Fußballstar Lionel Messi Briefkastenfirmen einrichten lassen.

Enge Vertraute von Putin leiteten den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren unter konspirativen Umständen offenbar mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen und schafften dabei viel Geld aus Russland heraus.

Zu den Schlüsselfiguren in diesem Fall gehöre unter anderem Sergej Roldugin. Er ist ein bekannter Cellist und war 1985 laut "SZ" Taufpate von Putins ältester Tochter. Er gilt als einer der besten Freunde des russischen Präsidenten und steht im Mittelpunkt eines Netzwerks aus Briefkastenfirmen. Der Name von Putin selbst taucht den Angaben zufolge bei den Briefkastenfirmen nicht auf; der Name von Roldugin werde dagegen etliche Male genannt.

Poroschenkos Briefkastenfirma wurde laut "SZ" im Jahr 2014 gegründet, nur zwei Monate nach seiner Wahl zum neuen Präsidenten der Ukraine.

Auch der isländische Premier soll Briefkastenfirma besessen haben

Auch der isländische Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson soll bis Ende 2009 zusammen mit seiner heutigen Ehefrau eine Briefkastenfirma besessen haben, in der unter anderem Anleihen wichtiger isländischer Banken deponiert waren. Auch international sanktionierte Geschäftsleute wie ein Cousin des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad oder Monarchen wie der König von Saudi-Arabien haben den Unterlagen zufolge Offshore-Firmen genutzt.

Lionel Messi: Auch sein Name taucht in den Panama Papers auf
Die Informationen über die Offshore-Geschäfte wurden der "Süddeutschen Zeitung" von einer anonymen Quelle zugespielt. Der Zeitung zufolge handelt es sich um 2,6 Terabyte an Daten, das sind 11,5 Millionen Dokumente zu insgesamt 214.000 Briefkastenfirmen.

Es sei das größte Datenleck, das es bislang gab. Die Auswertung der Dokumente wurde zusammen mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) in Washington organisiert. An ihr wirkten etwa 400 Journalisten aus fast 80 Ländern mit. Ab sofort werden etwa hundert Medien unter dem Titel "Panama Papers" ihre Ergebnisse veröffentlichen.

Offshore-Geschäfte von 140 Politikern aus aller Welt

In Deutschland waren an der Recherche auch NDR und WDR beteiligt. Den beiden Sendern zufolge legen die Daten Offshore-Geschäfte von insgesamt 140 Politikern und hohen Amtsträgern aus aller Welt offen.

In den Unterlagen fänden sich die Namen von zwölf amtierenden und ehemaligen Staats- und Regierungschefs, zum Beispiel auch der Premierminister von Pakistan und der Präsident von Argentinien. Doch nicht nur Politiker sind betroffen: Neue Vorwürfe gibt es durch das Datenleck laut "Süddeutscher Zeitung" beispielsweise auch gegen den argentinischen Fußballstar Lionel Messi.

Das Leck umfasst E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu den 214.000 Gesellschaften vor allem in Panama und auf den Britischen Jungferninseln. Die Briefkastenfirmen wurden von der Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama gegründet. Diese gründet und verwaltet seit fast 40 Jahren Briefkastenfirmen. In Deutschland wird nach "SZ"-Informationen seit einiger Zeit wegen Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen Verantwortliche der Kanzlei ermittelt. Auf Anfrage erklärte die Kanzlei, sie arbeite seit 40 Jahren ohne jede Beanstandung. "Nie sind wir einer Straftat beschuldigt oder angeklagt worden."

Briefkastenfirmen werden unter anderem genutzt, um Vermögen vor dem Finanzamt zu verstecken, also um Steuern zu hinterziehen.

la/dpa/reuters

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