Donnerstag, 12. Dezember 2019

Kronprinz Salman warnt vor "totalem Kollaps" Die Weltuntergangsfantasie des Saudi-Herrschers

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman mit CBS-Moderatorin Norah O'Donnell
Eric Kerchner for CBS News / 60 Minutes / Handout via Reuters
Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman mit CBS-Moderatorin Norah O'Donnell

Als wichtigster Energielieferant der Welt präsentiert sich Saudi-Arabien - aber die Idee, deshalb Verlässlichkeit und Zuversicht auszustrahlen, ist passé. In einem neuen Interview mit dem US-Sender CBS scheint Kronprinz Mohammed bin Salman (34) lieber Panik verbreiten zu wollen.

Nach dem Drohnenangriff auf Ölanlagen des Staatskonzerns Saudi Aramco, die vorübergehend die halbe Produktion des Landes lahmlegten, entwirft Salman ein dramatisches Szenario. Die Region am Golf stehe für 30 Prozent der weltweiten Energielieferungen, 20 Prozent des Handelsverkehrs und 4 Prozent der Wirtschaftsleistung. "Stellen Sie sich vor, dass all diese Dinge aufhören", warnt der Herrscher im Interview. "Das bedeutet einen totalen Kollaps der Weltwirtschaft, und nicht bloß Saudi-Arabiens oder der Länder im Nahen Osten."

Wenn der Iran - den Saudi-Arabien und seine Verbündeten für den Angriff verantwortlich machen - nicht an weiterer Eskalation gehindert werde, "dann werden Öllieferungen gestört und die Ölpreise Börsen-Chart zeigen werden auf unvorstellbar hohe Zahlen springen, die wir in unserem Leben nicht gesehen haben".

Auf die Frage, warum das hochgerüstete Königreich mit seiner Flugabwehr den Angriff nicht habe verhindert können, antwortet der Kronprinz auch nicht allzu vertrauenserweckend: "Saudi-Arabien ist fast so groß wie ein Kontinent, größer als ganz Westeuropa. Wir haben Bedrohungen ringsherum. All das voll abzudecken, ist herausfordernd."

Immerhin signalisierte Mohammed bin Salman, Saudi-Arabien sei an einer friedlichen Lösung des Konflikts mit Iran und auch im Jemen-Krieg interessiert. Zum von saudischen Geheimdienstlern aus bin Salmans Umfeld ausgeführten Mord an Regimekritiker Jamal Khashoggi erneuerte der Kronprinz seine Distanzierung von diesem "entsetzlichen Verbrechen". Dass er selbst den Mord angeordnet habe, wie der US-Geheimdienst CIA annimmt, solle erst einmal öffentlich belegt werden.

Für jeden Fall sicherte sich der Kronprinz ab: "Selbst Propheten machen Fehler."

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