Dienstag, 12. November 2019

mm-Grafik China stärker als die USA - oder doch nicht?

Im April hatte es die Weltbank bereits angekündigt: China würde schon in diesem Jahr zur weltgrößten Volkswirtschaft aufsteigen. Nun hat der IWF die Prognose bestätigt. Wissenschaftler sehen die Nachricht allerdings kritisch: China überschätze sein BIP.


Hamburg - Eigentlich hätte China die USA erst 2019 als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen sollen. Entsprechend groß war die Aufregung, als die Weltbank im April bekanntgab, die Vereinigten Staaten würden schon 2014 auf den zweiten Platz der globalen BIP-Rangliste rutschen - zumindest, wenn man die Größe der Volkswirtschaft auf Basis der realen Lebenshaltungskosten berechnet.

Der Internationale Währungsfonds hat jüngst seine Berechnungsgrundlage für dieses bereinigte Bruttoinlandsprodukt aktualisiert und die Prognose der Weltbank damit bestätigt - China kommt für 2014 nun auf ein voraussichtliches BIP von 17,6 Billionen Dollar, die USA liegen mit 17,4 Billionen knapp dahinter. Die Grafik von Statista zeigt Chinas Weg an die Spitze.

Ökonomen wie Michael Pettis, der an der Universität Peking lehrt, zweifeln allerdings an der Rechnung: Die von den USA und China gelieferten Zahlen seien nicht vergleichbar, sagte er jüngst der Wirtschaftswebsite Quartz. Pettis vermutet, dass Forderungsausfälle bei Krediten in China anders einberechnet würden als in den USA.

Schulden werden in China positiv ins BIP einberechnet

Angenommen, ein Unternehmen investiere einen Kredit von 100 Dollar in eine neue Fabrik, schaffe damit aber nur 80 Dollar neuen Wert. Die verbliebenen 20 Dollar müsse das Unternehmen dann durch Verkäufe oder Profite aus anderen Abteilungen ausgleichen - oder aber in Zahlungsrückstande melden. Im Gegensatz dazu behandelten "chinesische Kreditgeber, Banken und Haushalte einen substanziellen Anteil ihrer Schulden so, als würden sie implizit oder explizit durch die zentrale oder lokale Regierung garantiert", schreibt Pettis.

Das bedeute, statt die Verluste auszuweisen oder aber anderweitig an die 20 Dollar aus dem Beispiel zu kommen, würde eine chinesische Bank die Schuldzahlung verschieben. Nicht-staatliche Unternehmen könnten sich alternativ auch über Schattenkanäle, die nicht auf offiziellen Rechnungen auftauchten, neues Geld besorgen. Damit würden die 20 Dollar Verlust nicht nur nicht in Chinas BIP-Berechnungen auftauchen - vielmehr würden die 80 Dollar an erschaffenem Wert zusätzlich berechnet. Damit entstünden im Endeffekt 100 Dollar an BIP-Punkten, die es in Wirklichkeit gar nicht gebe.

Unbereinigt schlägt das BIP der USA das chinesische nach wie vor deutlich.


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