Mittwoch, 8. April 2020

Milliarden im Wahlkampf verbrannt Das Scheitern der Polit-Milliardäre

Michael Bloomberg tritt in Florida am Mittwoch von der Bühne
Marco Bello / REUTERS
Michael Bloomberg tritt in Florida am Mittwoch von der Bühne

Die gute Nachricht: Amerikas Demokratie lebt. Das große Geld fließt zwar in beispiellosen Summen in den Wahlkampf um das Weiße Haus, kann aber offenbar nicht die gewünschten Ergebnisse erzwingen.

Joe Biden, nach seinem überwältigenden Sieg am "Super Tuesday" klarer Favorit für die Kandidatur der Demokratischen Partei, stand in der Etat-Rangliste der Bewerber vor seinem Triumph nur auf Platz 6. Bernie Sanders, sein verbliebener Rivale, hat mit 134 Millionen Dollar zwar schon bis Ende Januar doppelt so viel Geld eingesammelt wie Donald Trump im vorigen Rekordwahlkampf von 2016 - das aber ausschließlich von seinen zahlreichen Kleinspendern.

Die schlechte Nachricht: Die Milliardäre, die dem Beispiel Trumps folgend für eigene Kandidaturen tief in die eigene Tasche griffen und so den Politmarkt mit Geld fluteten, haben sich verzockt - und zwar so kolossal, dass eine weitere US-Institution stark beschädigt ist: private Investoren in ihrer Rolle, effizient über die Verwendung ihres Kapitals zu entscheiden.

Das Paradebeispiel ist Michael Bloomberg. Der zwölftreichste Mensch der Erde (laut "Forbes" mit 58,4 Milliarden Dollar Vermögen) hat seine Ankündigung wohl wahrgemacht, sich den Wahlkampf annähernd eine Milliarde Dollar kosten zu lassen - aber weit vor der Zeit, nach nur vier Monaten im Wettbewerb.

559 Millionen Dollar hat Bloombergs Kampagne laut "Politico" bis zum "Super Tuesday" allein für Werbung ausgegeben. Der bizarre Wettstreit mit Trump um den teuersten Super-Bowl-Spot war nur ein Vorgeschmack. In Kalifornien investierte Bloomberg zehnmal so viel in Anzeigen wie Sanders, in Texas 17-mal so viel. Auch in Staaten wie Virginia oder North Carolina flossen elfstellige Summen. Neben dem klassischen Werbegeschäft, das vor allem den Fernsehkanälen und Facebook zugute kommt, machte die Kampagne auch etliche Influencer auf Instagram und Co. reich.

Hinzu kommen die Kosten der Wahloperation selbst. 2400 Angestellte zählte die Bloomberg-Kampagne zuletzt. Rivalen beklagten sich, der New Yorker Multimilliardär werben ihnen alle Talente ab und fege den Markt leer, mit Monatsgehältern von 6000 oder 7000 Dollar für einfache Wahlhelfer. Auch die Computerrechnung für seine Büros war selbst für den Weltkonzern Apple ein auffälliger Großauftrag.

Ebenfalls nicht eingerechnet sind die gewaltigen Spenden, die als wohltätig deklariert waren, in vielen Fällen aber strategisch günstig bei Abgeordneten und anderen Amtsträgern in Super-Tuesday-Staaten landeten.

Nur, was hat es gebracht? Ausschließlich in dem Mini-Territorium Amerikanisch Samoa landete Bloomberg mit ganzen 175 Stimmen vorn. In den großen Staaten erreichte er nur ausnahmsweise die Schwelle, um Delegierte für den Nominierungsparteitag bestimmen zu können - bei weitem nicht genug, um auch nur über den Kandidaten mitbestimmen zu können, geschweige denn es selbst zu werden. Klar, dass Bloomberg nach seinem ersten Realitätstest (die frühen Vorwahlen im Februar hatte er gleich ausgelassen) die Reißleine ziehen musste.


Lesen Sie auch: Wie mächtig die Reichen in Deutschland wirklich sind


Weniger groß, aber noch spektakulärer ist der Fall des Milliardärskollegen Tom Steyer, der schon vor dem "Super Tuesday" aufgab. Steyer hatte bis Ende Januar offiziell 254 Millionen Dollar an eigenen Mitteln ausgegeben - weniger als Bloomberg, aber im Verhältnis zu seinem kleineren Vermögen (laut "Forbes" 1,6 Milliarden Dollar) fast schon "all in".

Der Gründer des Hedgefonds Farallon Capital aus San Francisco war schon seit Jahren als Großspender in der Politik aktiv, vor allem als Unterstützer Barack Obamas, mit Kampagnen für den Klimaschutz und für die Amtsenthebung Trumps. So richtig ab hob sein Polit-Investment aber erst, als er sich selbst in den Mittelpunkt stellte.

Steyer konzentrierte sich strategisch auf zwei frühe Vorwahlstaaten, Nevada und South Carolina, und überschwemmte die Werbemärkte dort mit seinen Spots. Noch intensiver als Bloomberg beackerte er das Feld, indem er massenhaft Büros einrichtete, für Lokalgrößen oder soziale Einrichtungen spendete. Besonders in South Carolina mit seiner schwarzen Wählermehrheit wurden Vergleiche mit den früheren weißen Plantagenbesitzern gezogen - obwohl Steyer über jeden Rassismusverdacht erhaben ist.

"Wir nennen es wörtlich 'steyern'", zitierte die "New York Times" die Parteichefin von Charleston County. "Es bedeutet, dass man alles kaufen kann, was man will."

Nur eben die Stimmen nicht. In den beiden Staaten erreichte Tom Steyer immerhin rund 10 Prozent, aber genau null Delegierte. Nur im praktisch menschenleeren Wüstenkreis Mineral County von Nevada landete er vorn.

Es ist ihr Geld, und sie können es verbrennen, wie sie wollen. Die Gefahr, dass jemand wie Sanders die Milliardenkampagnen zum Anlass nimmt, gegen Superreiche allgemein vorzugehen, ist wegen erwiesener Erfolglosigkeit auch geschrumpft.

Trotzdem hinterlässt dieses verdammt schlechte Investment eine bohrende Frage: Was hätte mit all diesem Geld nicht alles Produktives angestellt werden können, wenn nicht das Ego von Bloomberg und Steyer darüber entschieden hätte?

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung