EZB und Fed auf Gegenkurs Draghi und Yellen - die großen Fliehkräfte der Weltwirtschaft

Entgegengesetzte Richtungen: EZB-Präsident Mario Draghi, Fed-Chefin Janet Yellen

Entgegengesetzte Richtungen: EZB-Präsident Mario Draghi, Fed-Chefin Janet Yellen

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Fünf Punkte hat Mario Draghi an diesem Donnerstag aufgezählt. Fünf verschiedene Schritte, die seine Europäische Zentralbank zugleich geht, um ihre Entschlossenheit zu höherer Inflation zu demonstrieren.

Zum Beispiel setzt die EZB ihre Käufe von Staatsanleihen mit frischem Geld noch ein halbes Jahr länger fort als bisher geplant, mindestens. Sie kauft auch Schuldscheine von Regionen wie den deutschen Bundesländern. Und, was Draghi als "ziemlich wichtig" hervorhebt, sie setzt die eingenommenen Zinsen und Rückzahlungen aus fälligen Anleihen wieder ein, weit über 2017 hinaus. "Die zusätzliche Liquidität wird noch eine lange, lange Zeit bleiben."

Die bisherige quantitative Lockerung der Geldpolitik sei zwar erfolgreich. Kredit- und Finanzmarkt laufen wieder, die Euro-Wirtschaft erholt sich allmählich von ihrem tiefen Sturz. Aber "weil es funktioniert, müssen wir noch mehr davon tun", beharrt Draghi. Denn es gibt allem Aufschwung zum Trotz ein Problem: Von ihrem Inflationsziel nahe 2 Prozent ist die EZB weiter entfernt als zuvor.

Draghi macht dafür äußere Faktoren wie den Ölpreis und die Schwellenländerkrise verantwortlich. Gegensteuern aber will er zu Hause. Denn die Hauptgefahr heißt, dass sich die Europäer dauerhaft auf Null-Inflation einstellen und sich damit selbst wirtschaftliche Stagnation bescheren.

Dagegen setzt der EZB-Präsident in bewährter "Whatever-it-takes"-Manier ein starkes Statement: das Versprechen, die Geldpolitik so lange zu lockern, bis die Inflationsrate mittelfristig sicher das Ziel von (unter, aber nahe an) 2 Prozent erreicht.

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Trotzdem war die erste Marktreaktion am Donnerstagnachmittag enttäuscht: Die Aktienkurse sackten ab, der Euro  entfernte sich wieder von seinem Weich-Kurs in Richtung Dollar-Parität.

Sind die Akteure am Finanzmarkt kollektiv zu blöd? Das nicht, aber "diese Maßnahmen brauchen Zeit, um voll erfasst zu werden", meinte Draghi auf der heutigen EZB-Pressekonferenz mit zuversichtlicher Miene: "Wir werden sehen ..."

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Zwar ist auch die US-Wirtschaft weit unter dem Inflationsziel der Fed, und selbst an der dort deutlicher als in Europa spürbaren Erholung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt gibt es starke Zweifel.

Dennoch kann jetzt als sicher gelten, dass die Fed unter Janet Yellen in diesem Monat erstmals seit zehn Jahren den Leitzins erhöht. In einer Rede vor dem Washingtoner Wirtschaftsclub am Mittwoch bezeichnete Yellen das als "Normalisierung" - und als Beweis, wie weit die US-Wirtschaft schon gekommen sei. "In diesem Sinne ist das ein Tag, auf den wir uns alle freuen."

Wenn die Zinsen in den USA steigen, während die Geldmenge in Euro-Land auf absehbare Zeit weiter wächst, ist die logische Folge, dass Dollar-Anlagen gefragt und Euro gemieden werden, also der Wechselkurs des Dollar  zum Euro steigt. Daher ist das Szenario einer Parität durchaus naheliegend.

Umso mehr, als der starke Dollar die Schwellenländer in weitere Turbulenzen bringt und Druck auf die Rohstoffpreise ausübt, also Draghis EZB zu weiterem Handeln zwingt. "Wir werden das wieder und wieder machen, wenn äußere Bedingungen unser Ziel in Gefahr bringen", erklärt Draghi. Amerika und Europa treiben auseinander, und 2017 dürfte damit lange noch nicht Schluss sein.


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