Sonntag, 18. August 2019

EZB und Fed auf Gegenkurs Draghi und Yellen - die großen Fliehkräfte der Weltwirtschaft

Entgegengesetzte Richtungen: EZB-Präsident Mario Draghi, Fed-Chefin Janet Yellen

Fünf Punkte hat Mario Draghi an diesem Donnerstag aufgezählt. Fünf verschiedene Schritte, die seine Europäische Zentralbank zugleich geht, um ihre Entschlossenheit zu höherer Inflation zu demonstrieren.

Zum Beispiel setzt die EZB ihre Käufe von Staatsanleihen mit frischem Geld noch ein halbes Jahr länger fort als bisher geplant, mindestens. Sie kauft auch Schuldscheine von Regionen wie den deutschen Bundesländern. Und, was Draghi als "ziemlich wichtig" hervorhebt, sie setzt die eingenommenen Zinsen und Rückzahlungen aus fälligen Anleihen wieder ein, weit über 2017 hinaus. "Die zusätzliche Liquidität wird noch eine lange, lange Zeit bleiben."

Die bisherige quantitative Lockerung der Geldpolitik sei zwar erfolgreich. Kredit- und Finanzmarkt laufen wieder, die Euro-Wirtschaft erholt sich allmählich von ihrem tiefen Sturz. Aber "weil es funktioniert, müssen wir noch mehr davon tun", beharrt Draghi. Denn es gibt allem Aufschwung zum Trotz ein Problem: Von ihrem Inflationsziel nahe 2 Prozent ist die EZB weiter entfernt als zuvor.

Draghi macht dafür äußere Faktoren wie den Ölpreis und die Schwellenländerkrise verantwortlich. Gegensteuern aber will er zu Hause. Denn die Hauptgefahr heißt, dass sich die Europäer dauerhaft auf Null-Inflation einstellen und sich damit selbst wirtschaftliche Stagnation bescheren.

Dagegen setzt der EZB-Präsident in bewährter "Whatever-it-takes"-Manier ein starkes Statement: das Versprechen, die Geldpolitik so lange zu lockern, bis die Inflationsrate mittelfristig sicher das Ziel von (unter, aber nahe an) 2 Prozent erreicht.

Trotzdem war die erste Marktreaktion am Donnerstagnachmittag enttäuscht: Die Aktienkurse sackten ab, der Euro Börsen-Chart zeigen entfernte sich wieder von seinem Weich-Kurs in Richtung Dollar-Parität.

Sind die Akteure am Finanzmarkt kollektiv zu blöd? Das nicht, aber "diese Maßnahmen brauchen Zeit, um voll erfasst zu werden", meinte Draghi auf der heutigen EZB-Pressekonferenz mit zuversichtlicher Miene: "Wir werden sehen ..."

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