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Buchtipp "Mission Economy" Visionomics – Starökonomin fordert den staatlichen Innovationsmotor

In ihrem neue Buch wirbt die linke Starökonomin Mariana Mazzucato für den idealistisch lenkenden Staat, der die Wirtschaft zum Moonshot anspornt.
aus manager magazin 3/2021
Überall gefragt: Die Italoamerikanerin Mariana Mazzucato (52) lebt und lehrt in London. Sie berät Regierungen in aller Welt.

Überall gefragt: Die Italoamerikanerin Mariana Mazzucato (52) lebt und lehrt in London. Sie berät Regierungen in aller Welt.

Foto: Gian Ehrenzeller / picture alliance/dpa

Der "Moonshot", der den ersten Menschen auf den Mond brachte, ist inzwischen eine Standardvokabel, wenn Großes gelingen soll. Mariana Mazzucato greift die Apollo-Geschichte auf, um den Großumbau des Kapitalismus zu fordern.

Mehr über die Autorin

Mariana Mazzucato lehrt "Innovation Economics and Public Values" am University College London (UCL) und hat dort das "Institute for Innovation and Public Purpose”  gegründet. Ihr Buch "The Entrepreneurial State" (2013), das die Rolle des Staates als Innovationstreiber herausarbeitete, machte sie weltbekannt und zur gefragten Regierungsberaterin von Skandinavien bis Südafrika. Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) leitet sie seit Kurzem den in der Covid-Krise gegründeten "Council on the Economics of Health for All". Er soll ein Narrativ der Gesundheitspolitik als Investition in Resilienz und Stabilität entwickeln. Grundideen ihrer "Mission Economy" hat sie auch schon 2018 in einem Gutachten  für den damaligen EU-Forschungskommissar Carlos Moedas entwickelt

Die Welt der Forschung kennt Mazzucato seit ihrer Kindheit: Ihr Vater, ein Physiker, zog 1972 mit der Familie von Italien an die Princeton University, New Jersey. Sie wuchs in den USA auf und studierte Ökonomie an der New School for Social Research in New York. Die Hochschule, die in den 1930er Jahren stark von Exil-Wissenschaftlern aus Europa geprägt wurde, hat eine lange Tradition als Hochburg der radikal sozialreformerischen "Progressives".

Die Starökonomin und Bestsellerautorin ("The Entrepreneurial State", 2013) kämpft seit Langem für mehr Selbstbewusstsein der Politik: Der wichtigste Innovationstreiber sei der Staat, das Unternehmerheldentum völlig überzeichnet.



Viele ihrer Argumente sind heute unstrittig: Wirtschaftsdynamik gibt es nur mit einem regulierenden und sehr leistungsfähigen Staat. Öffentliche Investitionen können enorme Produktivkräfte freisetzen. Wie die US-Behörde Darpa zeigt, können flexible Spezialagenturen sogar Hightech-"Sprunginnovationen" wie das Internet, GPS oder Siri aus der Wissenschaft herauskitzeln.

Mazzucato will allerdings noch mehr: Politik soll selbst die Führung übernehmen, inspirierende Narrative für eine neue "Mission" ausgeben. Der "Moonshot" John F. Kennedys ist das Vorbild.

Mazzucatos Apollo-Story ist eher Parabel als kühle Fallstudie. Eher Streitschrift als Analyse. Mit den Eigeninteressen zäher Bürokratien hält sie sich nicht auf. Kritik an "Staatsversagen" ist für sie bloß eine fixe Idee neoliberaler Ideologen. Idealismus zählt bei ihr mehr als Incentives.

Die US-Mondmission stand für politischen Aufbruch, aber auch Ehrgeiz im Technologiewettlauf des Kalten Krieges. Ähnliches wird heute überall dringend gesucht. Mazzucato hat die flammende Streitschrift dazu geschrieben.

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