Manöver vor Taiwan Chinesische Raketen gehen auch in Japans Wirtschaftszone nieder

China hat sein Militärmanöver vor Taiwan begonnen. Die Manöver zielen auf eine mögliche Luft- und Seeblockade. Dabei gingen mehrere Raketen auch in Japans Wirtschaftszone nieder, die sich mit Taiwans Küstengebieten zum Teil überschneidet. Tokio und Taipeh protestieren scharf.
Machtdemonstration mit Raketen: Das chinesische Staatsfernsehen zeigt Bilder vom Großmanöver vor der Küste Taiwans vom 4. August (hier der Abschuss einer Rakete vermutlich vom chinesischen Festland)

Machtdemonstration mit Raketen: Das chinesische Staatsfernsehen zeigt Bilder vom Großmanöver vor der Küste Taiwans vom 4. August (hier der Abschuss einer Rakete vermutlich vom chinesischen Festland)

Foto: Uncredited / picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Fünf chinesische Raketengeschosse sind nach japanischen Angaben während Pekings Manövern vor Taiwan in Japans ausschließlicher Wirtschaftszone (AWZ) niedergegangen. "Dies ist eine ernste Angelegenheit, die die nationale Sicherheit unseres Landes und die Sicherheit der Menschen betrifft", sagte Verteidigungsminister Nobuo Kishi am Donnerstag. Japan habe bei der chinesischen Seite protestiert. Es sei das erste Mal, dass eine Rakete der chinesischen Volksbefreiungsarmee in japanischen AWZ-Gewässern niedergegangen sei.

Im Konflikt um Taiwan hat China am Donnerstag wie angekündigt die größte militärische Machtdemonstration seit Jahrzehnten voll anlaufen lassen. Die Manöver in sechs Gebieten rund um die demokratische Inselrepublik zielen auf eine Luft- und Seeblockade. Geschosse schlugen in den Gewässern nördlich, südlich und östlich von Taiwan ein. Die Manöver könnten auch Modell für eine gewaltsame Eroberung sein. Dabei wurden nach chinesischen Angaben auch Raketen für "Präzisionsschläge" abgefeuert.

Taiwan werde nicht davor zurückschrecken, sein Territorium zu verteidigen, erklärte das Präsidialamt in Taipeh. Das taiwanische Verteidigungsministerium erklärte, das Militär werde seine Alarmbereitschaft weiter erhöhen. China betrachtet die auf Unabhängigkeit beharrende Insel als Teil ihres Staatsgebiets und behält sich das Recht vor, Taiwan auch mit Gewalt unter seine Kontrolle zu bringen. Nach Auffassung der Regierung in Taipeh verstoßen die Manöver gegen Regeln der Vereinten Nationen und stehen im Widerspruch zum Prinzip der freien Navigation zu See und zu Luft.

Ausgangspunkt für die chinesische Machtdemonstration war er Besuch von Nancy Pelosi, Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses. Die Spitzenpolitikerin hatte zur Wochenmitte in Gesprächen mit der taiwanischen Präsidentin Tsai Ing-wen und dem Vize-Parlamentspräsidenten Tsai Chi-chang die Solidarität der USA mit Taiwan zugesichert.

Zuletzt gab es so eine militärische Machtdemonstration Chinas vor Taiwan im Jahr 1996, seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist der jahrzehntelange Konflikt nicht mehr so heißgelaufen - und noch nie waren Militärübungen in der auch von zivilen Schiffen stark genutzten Taiwanstraße nach Angaben des chinesischen Staatssenders CCTV so groß angelegt. Insgesamt sollen die Manöver zu Wasser und zu Luft noch bis Sonntag dauern.

Die Muskelspiele sollen Taiwan vor weiteren Bestrebungen nach Unabhängigkeit abschrecken. Zudem sind sie eine Warnung an die USA, sich aus dem Streit herauszuhalten. Aus Verärgerung über eine Stellungnahme der sieben führenden demokratischen Industrieländer (G7) zur Eskalation um Taiwan sagte Chinas Außenminister Wang Yi ein Gespräch mit Japans Außenminister Yoshimasa Hayashi am Rande eines internationalen Treffens in Kambodscha ab. Japan gehört der G7 an.

Brennpunkt Taiwanstraße, Taiwan ließ Jets aufsteigen

Mehrfach habe das chinesische Militär in der zwischen der Insel und dem chinesischen Festland liegenden Taiwanstraße die sogenannte Mittellinie überquert, sagte ein taiwanischer Insider zu Reuters. Es habe sich um etwa zehn Schiffe der chinesischen Marine sowie mehrere Luftwaffenflugzeuge gehandelt, die kurzzeitig in jene Hälfte der Meerenge eingedrungen seien, die näher an Taiwan liegt.

Die Flugzeuge seien "rein und raus geflogen, immer wieder." Taiwan habe Jets aufsteigen lassen und Luftabwehrraketensysteme aktiviert. Die Schiffe wiederum hätten sich "reingeschlichen", seien dann aber von der taiwanischen Marine "vertrieben" worden. Gegen Mittag (Ortszeit) hielten sich nach Angaben des Insiders in dem Gebiet mehrere Militärschiffe beider Seiten unweit voneinander entfernt auf. Die Taiwanstraße ist eine der am stärksten befahrenen Meerengen. Sie verbindet das Süd- und das Ostchinesische Meer.

rei/DPA/Reuters
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