Vergütung für den Chef "Geld gegen Leistung" - für Topmanager gilt das eher nicht

Von Heiner Thorborg
Mehr Lohn? Das Prinzip Geld gegen Leistung scheint bei amerikanischen Firmen kaum eine Rolle zu spielen. Jetzt will die US-Börsenaufsicht für mehr Transparenz sorgen.

Mehr Lohn? Das Prinzip Geld gegen Leistung scheint bei amerikanischen Firmen kaum eine Rolle zu spielen. Jetzt will die US-Börsenaufsicht für mehr Transparenz sorgen.

Foto: imago / imagebroker

Die meisten Leute werden für ihre Leistung bezahlt. Eine Putzfrau, die schmutzige Räume hinterlässt, fliegt ebenso wie ein Topfußballer, der lieber in die Kneipe geht als ins Training. Ein Vertriebsmann, der seine Umsatzvorgaben nicht stemmt, bekommt keinen Bonus und früher oder später Ärger, genauso wie ein Marketingmann ohne Ideen bald auch ohne Job ist.

Doch für ihre Chefs, die Topmanager, scheint die Regel "Geld gegen Leistung" nicht recht zu gelten. Laut einer im Dezember 2014 veröffentlichten Analyse der S&P-1500-Unternehmen durch die Beratungen Organizational Capital Partners und Shareholder Value Advisors steht der wirtschaftliche Erfolg des Arbeitgebers nur für 12 Prozent der CEO-Vergütung, der Rest sei definiert durch Unternehmensgröße, Branche und die angestammte Vergütungspraxis im Betrieb.

75 Prozent der betrachteten Unternehmen berücksichtigen weder die Entwicklung der Bilanz noch die Kapitalrendite als Maßstab für ihre langfristige Vergütungspolitik. Nur 17 Prozent nehmen die Rendite auf das investierte Kapital (ROIC) oder den Unternehmensgewinn als Kriterium für die Gehälter ihrer Topmanagementteams.

Heiner Thorborg
Foto: Manuel Fischer

Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder Int. gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co. KG, die Heiner Thorborg & Co. (Zürich) sowie die Initiative "Generation CEO".

So gesehen ist es fast schon verwunderlich, dass es bis 2015 gedauert hat, dass die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) mit dem Vorschlag kam, dass börsennotierte Gesellschaften doch bitte künftig die Bezahlung ihrer Topmanager in einheitlicher Form veröffentlichen - und zwar so, dass sie sich mit dem Unternehmenserfolg in Bezug setzen lässt.

Die Unternehmen sollen künftig standardisiert ihren Total Shareholder Return (TSR, definiert als Aktienkurs plus Dividende) über fünf Jahre ausweisen und daneben Tabellen stellen, die nicht nur ausweisen, was ihr Topmanagementteam im gleichen Zeitraum verdiente, sondern auch, was die Kollegen in anderen Unternehmen und auch die in anderen Branchen bezahlt bekamen.

Vergütungen deckeln, Corporate America beschämen

Ein Vorschlag, der das bislang nicht für emotionalen Überschwang bekannte amerikanische Juristenblatt "National Law Review" zu einem Aufschrei veranlasste: "Endlich!". Ist dieser Vorschlag doch eine Nachwehe der Finanzkrise, in der die Frage aufkam, ob es nicht auch die enormen Vergütungspakete waren, die Wall-Street-Banker dazu motiviert haben, kaum noch kontrollierbare Risiken einzugehen und so am Ende das gesamte Finanzsystem ins Wanken zu bringen.

In Folge wurde in den USA 2010 das so genannte Dodd-Frank-Finanzgesetz verabschiedet, das vor allem die Finanzdienstleister besser an die Kandare nehmen soll. Seither hat es auch in Deutschland und Großbritannien wiederholt Versuche gegeben, die Vergütung der Banker gesetzlich zu deckeln. Inzwischen weisen viele Unternehmen, darunter auch Finanzinstitute, in ihren Geschäftsberichten durchaus aus, wie sich die Vergütung zum TSR verhält.

Einige Beobachter meinen deswegen, der Plan der SEC ziele gar nicht darauf ab, Anleger zu informieren. Die cleveren darunter hätten längst selber Methoden entwickelt, um die Leistung der Vorstände zu messen - insbesondere die institutionellen Investoren hätten längst die Nase vorn.

"Die eigentliche Absicht hinter diesen Regeln ist es, Corporate America zu beschämen", zitiert daher beispielsweise die "New York Times" Alan Johnson, den Chef der Vergütungsberatung Johnson Associates.

Zahnloses "Say-on-pay"

In der Tat herrschen längst so genannte "say-on-pay"-Regeln, die Investoren das Recht geben, die Vergütungspakete abzulehnen, mit denen börsennotierte US-Unternehmen ihre Topführungskräfte honorieren. Die jedoch haben bislang nicht gerade zu dramatischen Korrekturen der Praxis geführt.

Die neuen standardisierten Regeln der SEC könnten wirksamer werden, weil sie auch für das Auge des Laien über die Branchen hinweg vergleichbar machen, wie viele Cent pro Dollar an zusätzlichem Börsenwert ein Manager mit nach Hause genommen hat - oder was er trotz dramatischer Verluste an Marktkapitalisierung immer noch verdiente. Schließlich wird die Presse schon dafür sorgen, dass bekannt wird, wer für welchen Job wie viel bekommt.

Dennoch ist der neue Vorschlag der SEC nicht ohne Widerhaken: Könnten die neuen Regeln doch Chefs motivieren, nun erst recht nur auf den kurzfristigen Börsenwert zu starren, anstatt sich auf nachhaltige Wertschöpfung zu konzentrieren, damit ihr Gehaltscheck am Ende des Jahre gerechtfertigt aussieht.

Ausgerechnet TSR ist beileibe nicht die beste Vergleichsgröße für Leistung, schwankt er doch beträchtlich - und nicht nur, weil Topmanager gute oder schlechte Arbeit leisten. Es gäbe sinnvollere Benchmarks, wie ich finde, beispielsweise die Rendite auf das investierte Kapital. Muss es doch darum gehen, dass Topmanager Innovation, das langfristige Wachstum und die Weiterentwicklung ihrer Konzerne im Auge haben und nicht nur den Börsenkurs während ihrer - überdies im Schnitt immer kürzer währenden - Amtszeit.

Lesen Sie hier:

Deutsche Bank - Viel versprochen, nichts gehalten. Na und?

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.