Dienstag, 26. Mai 2020

Manager in Zeiten des Klimawandels Habt Mut und sagt, was Sache ist!

Eisberg auf dem Meer: Wenn Klima und Umwelt bedroht sind, ist der Staat gefordert
Felipe Dana/ AP/ DPA
Eisberg auf dem Meer: Wenn Klima und Umwelt bedroht sind, ist der Staat gefordert

2019 war das Jahr des Klimawandels. Es wurde aufgerüttelt, diskutiert und das Thema globale Erwärmung auf die weltweite Tagesordnung gesetzt. 2020 sollte das Jahr des Handelns werden - aber mit Verstand und Augenmaß. Nachdem die Wichtigkeit des Themas erkannt ist, muss die ökonomische Vernunft in die Klimadebatte zurückkehren.

Der Streit zwischen der europäischen Umweltpolitik und entscheidenden Wirtschaftszweigen wie etwa der Autoindustrie oder der Landwirtschaft dauert schon viel länger als die in den vergangenen Jahren stark ins öffentliche Bewusstsein getretene Klimaschutzdebatte. Schon 2007 warf die EU-Kommission der deutschen Autoindustrie öffentlich vor, kein Interesse an Veränderungen zu zeigen. Die Autobauer hatten zuvor gewarnt, die von Brüssel geplanten verbindlichen Umweltauflagen führten zwingend zu einem Wettbewerbsnachteil im internationalen Vergleich und damit zum Verlust von Arbeitsplätzen und zur Auslagerung von Arbeitsstätten ins EU-externe Ausland.

Michaela Bürger
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    Michaela Bürger ist Inhaberin der gleichnamigen Unternehmensberatung und Expertin für Visions-, Strategie-, Struktur- und Führungsfragen in einer digitalen Welt. Mit ihrem Team unterstützt sie sowohl Konzerne wie auch inhabergeführte Mittelständler. Zudem ist sie als Rednerin und Autorin tätig.

Zu einseitige Diskussion

Dass Wirtschaft und Produktion weltweit ökologischer werden müssen, ist unbestritten. Doch es ist längst noch nicht ausgemacht, welche Produkte und Technologien tatsächlich nachhaltig sind. So erzeugt die Herstellung eines Elektroautos deutlich mehr CO2 als die Produktion eines gleichwertigen Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Durch einen Umstieg auf Elektromobilität entstünden zudem zahlreiche neue Probleme, die in der aktuellen Diskussion nicht ausreichend berücksichtigt werden: instabile Stromnetze durch den steigenden Energieverbrauch, Rohstoffknappheit bei seltenen Erden, fehlende Recyclingkapazitäten für Batterien etc.

Keine Frage: Wenn Klima und Umwelt bedroht sind, ist der Staat gefordert. Die Frage ist jedoch, auf welche Weise er am sinnvollsten eingreifen sollte und wie die Wirtschaft und die verantwortlichen Manager mit den daraus folgenden Regulierungsmaßnahmen umgehen sollen.

Der EU-Gipfel im Dezember 2019 in Brüssel hat bereits einen Vorgeschmack darauf gegeben, welche Eingriffe auf die Wirtschaft zukommen dürften. Fest steht aber auch, dass die von der EU angepeilten Klimaschutzverordnungen zum Teil an der Realität vorbeigehen. Dies liegt zum einen an der mangelnden Sachkenntnis der Entscheider, zum anderen an einem unzureichenden Austausch zwischen Politikern und kompetenten sowie vor allem neutralen Experten.

Zu viel Lobby, zu wenig Sachverstand

Die Meinungsbildung in der Klimaschutzdebatte (und durchaus auch bei anderen Themen wie Migration, Ernährung, gesunder Lebensweise, Impfen etc.) leidet unter einem Vertrauensverlust in den Wert wissenschaftlicher Aussagen und Studien. Zu viele Wissenschaftler sind nicht unabhängig, zu viele Studien sind interessengeleitet und werden von der einen oder anderen Lobby finanziert. Auch die journalistische Berichterstattung wird von vielen Menschen als nicht mehr neutral, sondern als weltanschaulich und politisch gelenkt wahrgenommen.

Wer will, findet immer einen passenden Zeitungsbericht oder eine wissenschaftliche Studie, um die Richtigkeit einer bestimmten Weltanschauung, die Berechtigung der eigenen Interessen oder den vermeintlichen Irrweg der Gegenseite zu illustrieren. Das erleichtert das bequeme Verharren in der eigenen Filterblase, trägt aber nicht zu einer fundierten Meinungsbildung und damit auch nicht zu sinnvollen Problemlösungen oder zum Fortschritt bei.

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