Dänische Reederei Maersk erwartet Abkühlung des Containerbooms

Im abgelaufenen Quartal hat der Containerriese Maersk noch prächtig verdient. Konzernchef Søren Skou blickt allerdings pessimistisch in die Zukunft. Die Aktien von Maersk und Hapag Lloyd verlieren deutlich.
Irritiert mit einem pessimistischen Ausblick: Søren Skou, Chef der weltweit zweitgrößten Containerreederei

Irritiert mit einem pessimistischen Ausblick: Søren Skou, Chef der weltweit zweitgrößten Containerreederei

Foto: RITZAU SCANPIX / via REUTERS

Die goldenen Zeiten in der Containerschifffahrt mit hohen Gewinnzuwächsen gehören schon bald der Vergangenheit an – das jedenfalls erwartet der Schifffahrtsriese Maersk, der mit einer fallenden Containernachfrage rechnet. "Es gibt viele dunkle Wolken am Horizont", erklärte das Unternehmen am Mittwoch zur Vorlage seiner Quartalszahlen. "Das drückt auf die Kaufkraft der Verbraucher, was sich wiederum auf die weltweite Transport- und Logistiknachfrage auswirkt."

Die Reederei-Gruppe erwartet, dass die weltweite Containernachfrage angesichts eines schwächeren Welthandels in diesem Jahr um 2 bis 4 Prozent sinken werde. Zuvor hatte Maersk sowohl einen Rückgang um 1 Prozent als auch einen Zuwachs um 1 Prozent in Aussicht gestellt. Maersk-Chef Søren Skou (58) selbst ging dabei eher vom unteren Ende der Spanne aus.

"Mit einem Krieg vor der Haustür und einer Energiekrise in diesem Winter ist es schwer, sehr optimistisch zu sein"

Maersk-Chef Søren Skou

"Mit einem Krieg vor der Haustür und einer größeren Energiekrise in diesem Winter ist es wirklich schwer, sehr optimistisch zu sein", sagte Skou in einem Interview mit Bloomberg TV . "Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass wir uns entweder in einer Rezession befinden oder bald in einer Rezession sein werden, sicherlich in Europa, aber möglicherweise auch in den USA."

Anleger zeigten sich angesichts der weltweiten Containerprognose überrascht: Aktien der Großreederei Maersk  rutschten am Mittwoch in Kopenhagen in der Spitze um rund 7 Prozent ab, am deutschen Markt gingen die Anteile von Hapag-Lloyd  mit etwa 10 Prozent in die Knie.

Frachtraten sinken offenbar schneller als erwartet

Der dänische Containerriese kontrolliert etwa ein Sechstel des weltweiten Containerhandels. Zu Wochenbeginn hatte das Unternehmen erklärt, dass die Frachtraten schneller gesunken seien als erwartet und sich die Lager in den USA und Europa füllten, da die Nachfrage der Verbraucher nach Gütern zurückgehe.

In der Vergangenheit hatten die enorm gestiegenen Frachtraten die Gewinne von Maersk und Hapag-Lloyd in die Höhe katapultiert. Doch hätten laut Skou die nun fallenden Frachtraten auch ihre positive Seite: "Es ist natürlich und gut, dass die Frachtraten von diesen überhöhten Niveaus auf ein normaleres Niveau sinken." Dies sei "eindeutig besser für die Wirtschaft und für unsere Kunden". Anfang Oktober hatte bereits das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) für die vorangegangenen vier Monate von rapide gefallenen Frachtraten auf bestimmten Routen berichtet.

Für das kommende Jahr erwartet Maersk, dass der globale Containermarkt sich "im Großen und Ganzen flach bis negativ" entwickeln werde. Es ist "ganz klar", dass sich die Frachtraten "auf einem Abwärtspfad befinden", so der Maersk-Chef. "Wir werden sehen, wo das landet oder sich normalisiert."

Gewinn wächst um mehr als die Hälfte

Im abgeschlossenen dritten Quartal jedenfalls hat Maersk den Vorsteuergewinn noch um mehr als die Hälfte auf rund 9,5 Milliarden Dollar gesteigert. Der Umsatz kletterte um 37 Prozent auf 22,8 Milliarden Dollar. Die deutsche Reederei Hapag-Lloyd legt ihre Zahlen für das dritte Quartal am 10. November vor. Hapag-Lloyd hatte bereits im August erste Anzeichen für eine Entspannung der Lieferketten und in der Folge bei den Frachtpreisen gesehen.

rei
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