28. Mitglied der EU Kroatien will rasch in die Euro-Zone

Unmittelbar vor seinem EU-Beitritt hat Kroatien sein Interesse an der Euro-Währung beteuert. In vier Jahren könne Kroatien soweit sein, sagte der kroatische Notenbankchef Boris Vujcic: "Bis dahin müssen die Probleme im Euro-Raum gelöst sein, sonst bekommen wir große Probleme".
Kroatien: Das Land an der Adria ist ab 1. Juli das 28. Mitglied der EU

Kroatien: Das Land an der Adria ist ab 1. Juli das 28. Mitglied der EU

Foto: REUTERS

Brüssel - "Wir wollen der Euro-Zone so schnell wie möglich beitreten", sagte der kroatische Notenbankchef Boris Vujcic der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Samstag. Sein Land werde allerdings frühestens in vier bis fünf Jahren beitrittsreif sein, derzeit verfehle es die Kriterien für Inflation und Haushaltsdefizit.

"Bis dahin müssen die Probleme im Euro-Raum gelöst sein, sonst bekommen wir große Probleme", erklärte Vujcic. Die Vorteile des Euro lägen für Kroatien darin, dass die Zinsen sinken und die Planungssicherheit für Investoren steigen würden. Kroatien tritt der Europäischen Union (EU) am Montag als 28. Mitglied bei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Kroatiens bevorstehenden EU-Beitritt als Zeichen für die Verlässlichkeit der Staatengemeinschaft gelobt. Dass mit Kroatien am 1. Juli der zweite Staat aus dem ehemaligen Jugoslawien beitrete, zeige: "Wir halten Wort", sagte Merkel in ihrem am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Video-Podcast. "Denn wir haben gesagt: Die Länder des westlichen Balkans haben alle eine Perspektive für die Europäische Union."

Merkel ruft Kroatien zu weiteren Reformen auf

Der Fall Kroatien zeige aber auch, dass der Weg in die EU lang sei, hob Merkel hervor. Zwischen 2004 und 2013 seien viele Jahre lang anstrengende Verhandlungen geführt worden. "Kroatien musste sich sehr ändern", sagte die Kanzlerin.

Zugleich rief sie das Land zu weiteren Reformanstrengungen auf. Es seien noch "viele weitere Schritte zu gehen" - gerade in den Bereichen Rechtssicherheit und Korruptionsbekämpfung. Außerdem müsse Zagreb weitere Wirtschafts- und Arbeitsmarktreformen auf den Weg bringen. Dies gelte allerdings nicht nur für das neue Mitgliedsland, sondern "für uns alle", sagte Merkel.

In der kroatischen Presse wurde die Tatsache, dass Merkel am Sonntagabend nicht an den Beitrittsfeierlichkeiten teilnimmt, als "diplomatische Ohrfeige in Kroatiens Gesicht" gewertet. Es wurde spekuliert, die Absage stehe im Zusammenhang mit Zagrebs Weigerung, den in Deutschland gesuchten ehemaligen jugoslawischen Geheimdienstchef Josip Perkovic wegen eines Mordes an einem Kroaten in Bayern auszuliefern.

la/afp
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